Die Doppelmoral der Schuhunternehmer

Gewerkschaft Metall - Textil fordert faire Bedingungen in der Schuhbranche

Wien (GMT/ÖGB) - Von einer Doppelmoral und Doppelzüngigkeit der österreichischen Schuhunternehmen spricht Monika Kemperle, innerhalb der Gewerkschaft Metall - Textil für den Branchenbereich Textil zuständig, in Bezug auf die Aussagen von Herbert Linninger von ARA Österreich in der "Neuen Kronen Zeitung" von Samstag. "Bei den Kollektivvertragsverhandlungen zu jammern und möglichst keine Lohn-und Gehaltserhöhungen zuzulassen, weil die Branche so schlecht da steht und gleichzeitig selbst in China zu produzieren, ist mehr als zynisch."++++

"Es kann nicht sein, dass die Unternehmen sich immer nur die Rosinen herauspicken. In Österreich das Know-How und die Logistik zu nützen und in China billig produzieren zu lassen, ist nicht die feine Art", so Kemperle weiter. Auf diesem Weg ist eine Rettung der Arbeitsplätze in Österreich nicht möglich, nützt aber auch den ArbeiterInnen in China wenig. Die niedrigen Produktionskosten in China seien vor allem auf die Nichteinhaltung von Menschen- und Sozialrechten zurückzuführen und das muss sich bald ändern, fordert Kemperle. "Was wir wollen ist ein fairer Handel unter gleichberechtigten PartnerInnen."

Die Forderungen der Gewerkschaft liegen klar auf der Hand: "Wir wollen nicht zurück zu einem neuen Protektionismus, aber es muss klare Regeln geben. Das bedeutet, dass China sich an die Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) in Bezug auf Dumping und Fälschungen halten muss. Außerdem muss China die Menschenrechte respektieren und, als Mitglied der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), selbstverständlich auch deren Deklarationen."

Negative Auswirkungen für KonsumentInnen

Welche Auswirkungen die Billigschuhe auch für die KonsumentInnen haben, zeigen die Aussagen von Alf Nettik - Miteigentümer von Richter Schuhe - der zugibt, dass gesundheitliche Schäden auftreten können. "Gerade deshalb muss noch verstärkter in innovative und qualitativ hochwertige Produkte investiert werden, denn ich glaube, dass den KonsumentInnen gesunde Füße bald wieder wichtiger sein werden", so Kemperle. Eine Preiskonkurrenz wäre nicht Ziel führend, denn erstens kann Europa da nicht mithalten und zweitens sind die Leidtragenden immer die ArbeitnehmerInnen, die durch soziale Einschnitte enorme Verluste hinnehmen müssten. "Ein Preisdumping hat immer auch ein Sozialdumping zu Folge", mahnt Kemperle abschließend.

ÖGB, 27. Juni
2005
Nr. 412

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