• 22.06.2005, 12:16:14
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  • OTS0157 OTW0157

Greenpeace veröffentlicht brisante Monsanto-Dokumente über Rattenexperimente

EU-Umweltminister entscheiden über österreichische Gentechnik-Verbote

Berlin/Wien (OTS) - Greenpeace veröffentlicht heute bisher
vertrauliche Dokumente des Gentechnik-Konzerns Monsanto über
Fütterungsversuche an Ratten mit genmanipuliertem Mais. Die Tiere
wiesen Gesundheitsschäden auf, nachdem sie mit Monsantos Gentech-Mais
MON 863 gefüttert wurden, der ein Insektengift produziert. Das
Oberverwaltungsgericht in Münster hat den Bericht am Montag
freigegeben, nachdem Greenpeace Akteneinsicht nach dem EU-
Gentechnikrecht beantragt hat. Das Urteil ist auch eine
Präzendenzentscheidung für Fälle, in denen Firmen ihre Unterlagen
über die Risikobewertung von Gentech-Pflanzen geheim halten.
Übermorgen Freitag entscheidet der EU-Umweltministerrat auch über die
österreichischen Gentechnik-Verbote.

"Der Gentech-Mais darf nicht für Lebens- und Futtermittel in
EU-Ländern zugelassen werden", sagt Prof. Gilles-Eric Seralini von
der staatlichen französischen Kommission CGB (Commission du Génie
Biomoléculaire), die für die Risikobewertung von Gen-Pflanzen
zuständig ist. "Wenn ein Versuch derartig auffällige Ergebnisse
zeigt, muss er auf jeden Fall wiederholt werden." Wissenschafter wie
Seralini sind durch die Aktenfreigabe nicht mehr an die bisherige
Vertraulichkeit gebunden. "Die Sicherheitsstandards bei
EU-Zulassungsverfahren für genmanipulierte Pflanzen sind generell
unzureichend", sagt Seralini in Berlin.

Auch Prof. Arpad Pusztai, der bereits eine Risikobewertung von MON863
für die deutsche Regierung erstellt hatte, warnt vor einer
Marktzulassung: "Es ist nicht anzunehmen, dass die Schäden an den
inneren Organen der Ratten und dem Blutbild der Tiere auf Zufall
beruhen. Die Akten zeigen zudem, dass der Versuchsaufbau ungenügend
und die Datenauswertung fehlerhaft war. Weitere Untersuchungen sind
zwingend notwendig."

MON863 produziert das so genannte Bt-Gift gegen den Maiswurzelbohrer.
Zudem enthält MON863 ein Gen für eine umstrittene
Antibiotika-Resistenz. Diese sind laut der EU-Freisetzungsrichtlinie
2001/18 zu vermeiden. Es sei nicht auszuschließen, dass die
manipulierten Gene auf Krankheitserreger übertragen werden und so die
Entstehung neuer resistenter Keime fördern.

In Luxemburg stimmen die Minister auch über bestehende nationale
Verbote für Import und Anbau von Gentech-Pflanzen ab. Fünf EU-Länder,
darunter Österreich, berufen sich auf eine nationale Schutzklausel im
EU-Recht. Die Kommission hat die Länder aufgefordert, die Verbote
aufzuheben. Bislang wollen nur England und die Niederlande die
EU-Kommission unterstützen.

"Die meisten Staaten wollen sich in ihren Rechten nicht beschneiden
lassen", sagt Christoph Then von Greenpeace. Die Aufhebung der
nationalen Beschränkungen muss ebenso zurückgewiesen werden wie die
Zulassung des Gentech-Mais MON863. Die EU muss jetzt beweisen, dass
ihr der Schutz von Verbrauchern und Umwelt wichtig ist."

Rückfragehinweis:
Axel Grunt, Pressesprecher Greenpeace, 01-5454580-33 od. 0664-2407075
Dr. Christoph Then, Greenpeace-Gentechnikexperte, 0049-171-8780 832

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | GRP

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