Prammer lädt zur Diskussionsveranstaltung "Österreich : Jelinek. Eine Auseinandersetzung"

Muttonen: Rahmenbedingungen für KünstlerInnen schaffen

Wien(SK) "Die heutige Veranstaltung versucht, sich vor allem
mit den politischen und kulturpolitischen Äußerungen Jelineks auseinanderzusetzen", betonte die Zweite Nationalratspräsidentin, Barbara Prammer, am Mittwoch im Rahmen einer Diskussionsveranstaltung des Elfriede Jelinek-Forschungszentrum zum Thema "Österreich : Jelinek. Eine Auseinandersetzung". Jelinek habe wie kaum eine andere Autorin dieses Landes, auf aktuelle politische Ereignisse reagiert und Prammer ist ein - oft vermiedener -inhaltlicher Diskurs mit Jelineks Texten ein Anliegen. Nach einer einleitenden Lesung von Babett Arens brachte SPÖ-Kultursprecherin Christine Muttonen in die Diskussion ein, dass es besonders wichtig sei, kulturpolitische Rahmenbedingungen zu schaffen, "denn KünstlerInnen sollen nicht als Bittsteller kommen müssen". Es müsse in den Bereich Kultur genauso wie in andere Infrastrukturbereiche investiert werden, denn dies würde auch "zum Gemeinwohl des Staates beitragen". ****

"Es braucht Mut, als Frau und Künstlerin gegen männliche Vorherrschaften anzukämpfen und gesellschaftliche Konventionen zu unterlaufen", so Prammer weiter. In öffentlichen Diskussionen sei Jelinek als Staatsfeindin oder Staatskünstlerin diffamiert worden, inhaltliche Auseinandersetzungen seien jedoch vermieden worden. Der Begriff "Radikalfeministin", der als Herabsetzung Jelineks gedacht sei, ist für die Zweite Nationalratspräsidenten jedoch positiv besetzt und mit "einer mutigen Frau, die seit 30 Jahren gegen frauenfeindliche Strukturen ankämpft" verbunden. Da Jelineks Texte auch von Österreichs Umgang mit seiner Vergangenheit handeln, begrüßt Prammer "gerade im Gedankenjahr" diese Initiative des Elfriede Jelinek-Forschungszentrums unter der Leitung von Pia Janke.

Elfriede Jelinek habe im Laufe ihrer Karriere schon viele Preise erhalten, es scheine jedoch so, dass Jelineks Werk im Ausland mehr Anerkennung finde als in Österreich. In Jelineks Heimat habe erst der Nobelpreis zu einer "Feststimmung" geführt und Prammer drückte ihre Anerkennung gegenüber Jelinek aus und betonte gleichzeitig, dass "diese sicher nicht als Vereinnahmung gemeint ist". Prammer schätzt Jelineks "künstlerisches Werk und ihren kritischen Geist" und wünschte abschließend - im Sinne Jelineks Hauptforderung an PolitikerInnen - eine Diskussion "mit zivilisierter Streitkultur".

Muttonen: Kunst zeigt Problemfelder auf

"Eine wichtige Funktion von Kunst und besonders von zeitgenössischer Kunst, ist das Aufzeigen von Problemfeldern", unterstrich Muttonen, denn der Diskurs sei eine Möglichkeit, eine Gesellschaft weiterzubringen. Auch im Gedankenjahr würden uns immer wieder Bereiche einholen, die Jelinek immer wieder thematisiert. Der Kulturpolitik müsse es ein Anliegen sein, Rahmenbedingungen zu schaffen, "damit solche Texte und Bücher entstehen können". Die SPÖ-Kultursprecherin ist der Meinung, dass Rahmenbedingungen für KünstlerInnen wichtig seien, um sich zurechtzufinden und um "ihre Arbeit machen zu können".

Angesichts der Wahlkampfplakate der FPÖ aus dem Jahr 1995 vermutet die SPÖ-Kultursprecherin, dass "hier eine Strategie dahinter steht". Es werde ein Bereich gesucht, auf den sich der Zorn richten könne, ein Bereich, bei dem es um Vergangenheit, Machtstrukturen und auch um die Frage des Geschlechts gehe. Der Zorn werde gegen KünstlerInnen gerichtet, die bestehende Ordnungen hinterfragen, "und das macht Angst". Muttonen glaubt, dass die Diffamierungen mit dem Wunsch nach einem Wir-Gefühl Hand in Hand gehen. Es werde versucht, die Menschen in die "Wir-Gruppe" zu holen und alle anderen abzuwerten. In diesem Zusammenhang empfand Muttonen das "stolze Wir-Gefühl" nach der Nobelpreisverleihung als besonders interessant.

Abschließend merkte Muttonen an, auf eine stärkere Auseinandersetzung mit Jelineks Texten zu hoffen. Denn die SPÖ-Kultursprecherin glaubt nicht, dass der Nobelpreis zu einem enormen Aufschwung führe. Jelinek werde dadurch zwar bekannt gemacht und vereinnahmt, ihre Werke würden zwar mehr gekauft werden, aber "ob ihre Texte deswegen auch mehr gelesen werden, ist die Frage". (Schluss) sf

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