Schuldnerberatung stoppt Schuldenspirale

Schuldenregulierung erhöht Arbeitsmarktchancen

Wien/Linz (OTS) - Verstärkte Schuldenberatungsangebote, Änderungen im System der Lohnpfändung, mehr finanzielle Allgemeinbildung, Präventionsangebote und Informationskampagnen zu Schuldenfragen, sowie der garantierte Zugang zu einem Girokonto auf Habenbasis sind Eckpfeiler einer wirksamen Strategie zur Überwindung von Überschuldung als Arbeitsmarkthindernis.

So die Ergebnisse eines mehrjährigen - durch Wirtschaftsministerium und Europäischen Sozialfond - finanzierten -Projekts der Schuldnerberatungen, das Ende letzter Woche auf der Österreichischen Schuldenberatungstagung 2005 präsentiert wurde.

"Die Zusammenhänge von Überschuldung und Arbeitslosigkeit sind evident", so Hans W. Grohs, Geschäftsführer der ASB Schuldnerberatungen, des Dachverbands der Schuldnerberatungen in Österreich, "ebenso deutlich ist der Beitrag, den Schuldenberatung für eine Reintegration in den Arbeitsmarkt leistet.

Erfahrungen aus der Praxis der Schuldnerberatungen, wie auch in Berlin und Bayern durchgeführte Studien belegen die positive Wirkung auf den Erhalt der Erwerbstätigkeit durch die Vermeidung von Lohnpfändungen oder die Einleitung eines Schuldenregulierungsverfahrens, sowie durch die psychosoziale Stabilisierung als Folge der Schuldnerberatung."

Die Sicherung eines offenen Zugangs zu Schuldnerberatung durch deren weiteren Ausbau in allen Bundesländern sei deshalb gefordert. Die Auseinandersetzung mit Finanzen und Schuldenfragen müsse Teil jeder Trainingsmaßnahme zur Bekämpfung von Arbeitslosigkeit sein. Notwendig seien darüber hinaus verstärkte Maßnahmen zur finanziellen Allgemeinbildung der Bevölkerung, Präventionsangebote und öffentliche Informationskampagnen, eine Entschärfung der Exekutionsordnung, sowie Verbesserungen im Schuldenregulierungsverfahren.

Überschuldung als Arbeitsmarkhindernis

Lohnpfändungen bilden durch ihre Belastung für den Arbeitgeber als sogenannten "Drittschuldner" eines der großen Hindernisse für die Arbeitsplatzsuche überschuldeter Personen. Im Sinne verbesserter Vermittlungschancen sei deshalb die Entlastung von Arbeitgebern durch Änderungen im Exekutionsrecht notwendig, so die Empfehlung der Schuldnerberatungen an den Gesetzgeber.

Gesetzliche Änderungen brauche es zudem im Hinblick auf das Recht auf ein Girokonto auf Guthabenbasis. Menschen mit "Schuldenkarriere" werde ein solches häufig verweigert, so Grohs, "ohne Konto lässt sich jedoch kaum ein Arbeitsplatz finden."

Die Dringlichkeit des Problems zeigt ein Blick in arbeitsmarktpolitische Unterstützungsangebote, wie sie im Rahmen des durchgeführten Projekts in Kooperation u.a. mit der Caritas und der Bewährungshilfeorganisation Neustart durchgeführt wurden.

An die 90% aller Beteiligten in arbeitsmarktpolitischen Projekten für Menschen mit geringen Vermittlungschancen hätten Schuldenprobleme, berichtet Barbara Reiterer von der österreichischen Caritaszentrale; in der Haftentlassenhilfe sind 85% der KlientInnen überschuldet, so Hansjörg Schlechter von Neustart.

Für Michaela Hochmeister, Mitarbeiterin des AMS Wien kann der Beitrag der Schuldnerberatungen für die Arbeitsmarktregintegration daher "nicht zur Debatte" stehen. AMS-MitarbeiterInnen kontaktieren Schuldenberatungseinrichtungen, "weil klar ist, dass Personen mit hohen Schulden kaum in den Arbeitsmarkt integrierbar sind".

Auch Tamara Gabriel, Mitarbeiterin der Konsumentenschutzsektion im Sozialministerium unterstreicht den Bedarf an Schuldnerberatung. Von Seiten des Sozialministeriums sei man besonders bestrebt Bemühungen rund um Qualitätsentwicklung und Verbesserung des Bekanntheitsgrads der Schuldnerberatungen zu unterstützen.

Das EU-Equal Projekt "Schulden-Shredder" zur Entwicklung von Strategien gegen Schulden als Arbeitsmarkthindernis wurde von der ASB Schuldnerberatungen GmbH in Kooperation mit 15 österreichischen PartnerInnen durchgeführte und wird im September 2005 abgeschlossen..

Die ASB Schuldnerberatungen GmbH vertritt als Dachorganisation die Interessen der 11 bevorrechteten und damit vom Justizministerium öffentlich anerkannten Schuldnerberatungen in Österreich.

Der Bedarf an Schuldnerberatung steigt kontinuierlich. Im Vorjahr nahmen 18.600 Personen Kontakt mit einer Schuldnerberatungseinrichtung auf, 12.700 wurden in einem Erstbespräch unterstützt.

Die durchschnittliche Verschuldung des Klientels der Schuldnerberatungen beträgt 58.200 Euro.

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Michaela Moser
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