- 10.06.2005, 10:20:40
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OeNB - Österreichs Unternehmen auf dem Weg zu europäischen Finanzierungsstrukturen:
Stand an Eigenkapital erstmals höher als inländische Bankkredite
Wien (OTS) - Wien (OTS) - Der Unternehmenssektor ist jener Sektor
der österreichischen Volkswirtschaft, der den höchsten
Finanzierungsbedarf aufweist. Im Jahr 2004 betrug dieser rund 13,1
Mrd EUR, nach 16,3 Mrd EUR 2003. Rund 5 Mrd EUR wurden über Kredite
aufgebracht, 4 1/2 Mrd EUR über Eigenkapital und knapp 3 Mrd EUR über
Unternehmensanleihen. Bei der Finanzierung über Anleihe- und
Aktienmarkt spielte das Ausland eine dominierende Rolle.
Per Ende 2004 bestanden 48% der Gesamtverpflichtungen der
österreichischen Firmen in Höhe von 315 Mrd EUR (134% des BIP) aus
Anleihen und Eigenkapital. Im europäischen Vergleich fällt der hohe
Anteil der Kreditfinanzierung auf, obwohl er während der letzten zehn
Jahre von 61% auf unter 50% reduziert wurde. Die Eigenkapitalquote
liegt mit knapp 40% nach wie vor unter dem europäischen Durchschnitt.
Gleichzeitig gehört Österreich aber zu jenen Ländern, in denen die
Bedeutung der Kapitalmarktfinanzierung in den letzten Jahren
beträchtlich gestiegen ist. Rund 30% der Finanzverpflichtungen der
österreichischen Unternehmen bestehen bereits gegenüber Ausländern.
Die Oesterreichische Nationalbank präsentierte heute im Rahmen
einer Pressekonferenz die Ergebnisse der Gesamtwirtschaftlichen
Finanzierungsrechung 2004. Am Vorabend der Umsetzung von Basel II
konzentrierten sich Mag. Dr. Peter Zöllner, Mitglied des Direktoriums
der Oesterreichischen Nationalbank und Mag. Dr. Aurel Schubert,
Direktor der Hauptabteilung Statistik, insbesondere auf die
Finanzierung der österreichischen Unternehmen.
Der Unternehmenssektor ist üblicherweise jener Sektor der
österreichischen Volkswirtschaft, der den höchsten
Finanzierungsbedarf aufweist. Im Jahr 2004 betrug dieser rund 13,1
Mrd EUR. Das anhaltende Wachstum der Bruttoanlageinvestitionen
(+5,9%) wurde auch 2004 in hohem Ausmaß - zu rund drei Viertel -
durch eigene Mittel finanziert, was auf die verbesserte
Gewinnsituation der österreichischen Unternehmen zurückzuführen sein
dürfte. Darüber hinaus finanzierten die Unternehmen ihre
Investitionen in Form von Krediten, Anleihen und Eigenkapital. Vor
allem hinsichtlich der beiden letztgenannten Finanzierungsformen
spielte das Ausland als Kapitalgeber von 8,4 Mrd EUR eine dominante
Rolle.
Insgesamt gesehen nahmen im Jahr 2004 die österreichischen Firmen
einerseits Kredite in Höhe von 4,9 Mrd EUR auf, wovon 3,6 Mrd EUR von
inländischen Banken gewährt wurden, andererseits wurden auch
Finanzierungen über den Kapitalmarkt stark in Anspruch genommen. Rund
ein Viertel (2,9 Mrd EUR) des externen Finanzierungsbedarfs wurde
über Anleiheemissionen abgedeckt, wobei dieser Markt insbesondere von
staatsnahen Unternehmen genutzt wurde. Eigenkapitalemissionen (4,7
Mrd EUR) deckten 2004 rund ein Drittel des Finanzierungsbedarfs ab.
Generell hielt Direktor Zöllner fest, dass die österreichische
Unternehmensstruktur nach wie vor von Klein- und Mittelbetrieben
(KMUs) dominiert wird: Unternehmen mit weniger als 250 Beschäftigten
stellen 99,6% der über 250.000 Unternehmen in Österreich dar,
beschäftigen 66% aller Mitarbeiter und erwirtschaften - laut Zöllner
- rund 60% der gesamten Umsätze. Bei ihnen ist der Bankkredit
weiterhin das dominierende Finanzierungsinstrument. Dennoch gewinnen
Finanzierungen über den Kapitalmarkt auch für österreichische
Unternehmen an Bedeutung. So hatten 170 Unternehmen zum Jahresultimo
2004 Anleiheemissionen in der Gesamthöhe von 24 Mrd EUR ausstehen.
55% davon entfielen auf Emissionen von jeweils mehr als 200 Mio EUR.
Die fünf größten Anleiheemittenten zeichneten für rund 44% des
gesamten Emissionsvolumens verantwortlich, die 20 größten für über
drei Viertel. Die Entwicklung in diesem Segment der
Unternehmensfinanzierung ist daher, so Direktor Zöllner, stark von
einigen großen Unternehmen, insbesondere aus dem Industrie- und
Infrastrukturbereich, bestimmt.
84 österreichische Firmen sind mit ihren Aktien an der Wiener
Börse notiert. Die Börsenkapitalisierung dieser Unternehmen betrug
zum Jahresende 2004 39 Mrd EUR (17% des BIP). Die Performance der
Aktienkurse dieser Unternehmen fiel 2004 besonders positiv aus, der
Marktwert konnte um 43% gesteigert werden. Die gesamte
Eigenkapitalfinanzierung überstieg mit 125 Mrd EUR zum Jahresultimo
2004 erstmals den Wert der ausstehenden inländischen Bankkredite
(121,5 Mrd EUR).
Von den ausstehenden Gesamtverpflichtungen der österreichischen
Firmen zum Jahresultimo 2004 in Höhe von 315 Mrd EUR (134% des BIP)
waren rund 48% in Form von Anleihen und Eigenkapital finanziert. Seit
Beitritt zur EU bzw. insbesondere seit Beginn der Wirtschafts- und
Währungsunion stieg sowohl die Bedeutung der Finanzierung direkt über
den Kapitalmarkt als auch - daraus folgend - die Bedeutung des
Auslandes als Gläubiger der österreichischen Unternehmen. Zum
Jahresultimo 2004 waren rund 30% (93 Mrd EUR) der
Unternehmensverpflichtungen in Hand ausländischer Gläubiger, während
dieser Anteil im Jahr 1995 nur 17% betragen hatte.
Im europäischen Vergleich fällt der nach wie vor sehr hohe Anteil
der Kreditfinanzierung der österreichischen Unternehmen auf, obwohl
er während der letzten zehn Jahre von 61% (1995) auf unter 50%
reduziert wurde. Gleichzeitig gehört Österreich zu jenen europäischen
Ländern, die den Anteil der Kapitalmarktfinanzierung beträchtlich
erhöhten. Der Anteil der Anleihe- und Aktienfinanzierung stieg in den
vergangenen zehn Jahren von 35% auf 48%. Damit näherte sich die
Finanzierungsstruktur von Österreichs Firmen - so Dr. Schubert - dem
europäischen Durchschnitt. Das Potenzial für eine Fortsetzung dieser
Entwicklungen sei gegeben, da die Eigenkapitalquote mit knapp 40% bei
Österreichs Betrieben nach wie vor unter dem europäischen
Durchschnitt liegt.
Was die Geldvermögensbildung und Finanzierung der anderen Sektoren
der österreichischen Volkswirtschaft betrifft, so haben - laut
Direktor Zöllner - die privaten Haushalte 2004 ihr Geldvermögen um
17,2 Mrd EUR und ihre Schulden um 7,7 Mrd EUR ausgeweitet, während
der Staat seine Verbindlichkeiten um 4 Mrd EUR und seine Forderungen
um 1,4 Mrd EUR ausbaute. Der Finanzierungssaldo des finanziellen
Sektors ist wieder nahe bei Null.
In der heute von der Oesterreichischen Nationalbank
veröffentlichten Publikation "Sonderheft STATISTIKEN - Finanzvermögen
2004" (auch im Internet unter www.oenb.at abrufbar) werden
detaillierte Daten und Beschreibungen der Gesamtwirtschaftlichen
Finanzierungsrechnung für 2004 zur Verfügung gestellt.
Weitere statistische Informationen unter
www.oenb.at (Bereich "Statistik und Melderservice")
dieaktuellezahl.oenb.at
Herausgeber:
Oesterreichische Nationalbank
Sekretariat des Direktoriums/
Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: +43-1-40420-6666
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