- 09.06.2005, 15:41:04
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Wurm, Lugger bei österreichischem Verbandstag in Innsbruck: "Gemeinnützige sind Sicherheitsanker für kleine und mittlere Verdiener"
Innsbruck (OTS) - In der Zeit der Globalisierung werden natürlich
auch Immobilienmärkte für ausländische Unternehmer und Kapitalanleger
zunehmend interessanter. Damit kristallisieren sich immer deutlicher
die zwei Hauptstoßrichtungen im Wohnungsmarkt heraus:
Auf der einen Seite gibt es den ausschließlich renditeorientierten
Akteur, für den es darum geht, aus der erworbenen Immobilie innerhalb
sehr kurzer Zeit Rendite- und Substanzwertsteigerungen zu generieren.
In der Bestandsbewirtschaftung müssen dazu alle Möglichkeiten für
erhöhte Erträge - wie etwa durch Anhebung der Altmieten -
ausgeschöpft werden. Die Bestände gelten als relativ kurzfristiges
Investment, das bei jeder sich bietenden Gelegenheit abgestoßen oder
umgeschichtet wird, Verkaufserlöse werden privatisiert. In
Deutschland ist diese Geschäftsmodell bereits sehr verbreitet, aber
auch in Österreich gibt es schon einige börsennotierte Unternehmen,
die die geförderte Wohnimmobilie als wichtigen Bestandteil ihres
Portefeuilles anpreisen.
Der zweite Teil des Wohnungsmarktes sieht sich der
"Nachhaltigkeit" verpflichtet, wobei darunter - so Mag. Karl Wurm,
Obmann im Österreichischen Verband gemeinnütziger Bauvereinigungen
(GBV) - "sowohl wirtschaftliche, soziale als auch die ökologische
Nachhaltigkeit zu verstehen ist".
Garanten für diese Nachhaltigkeit seien vor allem die
Gemeinnützigen, die privatwirtschaftlich organisiert, dem Gemeinwesen
verpflichtet und dienstleistungsorientiert den Wohnbau als
"Langfrist-Engagement" verstehen, so Wurm. Bei diesem Geschäftsmodell
steht eine langfristig optimale Rendite, die sowohl den gesetzlich
limitierten Gewinn aus der Bewirtschaftung als auch die soziale
Qualität der Immobilie als Gradmesser kennt, im Vordergrund. Im
Gegensatz zum "shareholder-value" gehe es hier um "membership-value",
um Nutzen für die Bewohner und im weitern Sinn auch um Nutzen für die
Gemeinschaft. Erlöse werden wieder investiert, entweder in den
Bestand, in neue Projekte oder in die Verbesserung des Wohnumfeldes.
Die langfristige Sicherung des Substanzwertes ist prioritäres Ziel -
und damit auch die Leistbarkeit der Wohnung für die Mieter.
Lugger: "Gemeinnützige müssen preisgünstiger sein"
Gerade heute ist günstiger Wohnraum für immer größer werdende
Bevölkerungskreise von eminenter Bedeutung. "Die gemeinnützige
Wohnungswirtschaft muss weiter ein Sicherheitsanker für den kleinen
und mittleren Verdiener sein. Dieser scheint durch Veränderungsdruck,
Globalisierung sowie durch die jüngsten Ereignisse in der EU derzeit
sehr verunsichert", erklärt dazu Prof. Dr. Klaus Lugger,
Aufsichtsratsvorsitzender des Verbandes und Obmann der Landesgruppe
Tirol der Gemeinnützigen. "Die Gemeinnützigen müssen sich weiter in
ihrer Preispolitik vom freien Wohnungsmarkt im Neubau und in der
Vermietung unterscheiden. Nur durch niedrigere Preise ist die
Legitimation für die Wohnbauförderung und die
Körperschaftsteuerbefreiung abzusichern."
Mit der im Wohnungsgemeinnützigkeitsgesetz fixierten Kostendeckung
als Maßstab für die Mietzinsbildung, der Gewinnbeschränkung und ihrem
stiftungsartig gebundenen Kapital bieten die Gemeinnützigen
hervorragende Voraussetzungen, um als Partner von Ländern, Städten
und Gemeinden wohnungspolitische, siedlungs- und
raumordnungspolitische sowie ökologische Zielsetzungen zu
realisieren. Zu deren Umsetzung ist aber die Bereitstellung
öffentlicher Mittel unbedingt erforderlich, streicht Prof. Dr. Klaus
Lugger hervor: "Durch das neue Finanzausgleichsgesetz 2004 hat der
Bund die Wohnbauförderungsmittel für die nächsten Jahre gesichert.
Diese Politik ist vorbildlich in Europa, wo es immer mehr Länder
gibt, die dem Wohnbau immer weniger Stellenwert einräumen. Ich
appelliere an die Bundesländer, diese Bundesmittel zu Gänze dem
Wohnbau zuzuführen. Hier sind Tirol und Vorarlberg ein Vorbild."
Wurm: "Brauchen weiterhin günstige Finanzierung"
"Für die weiten Finanzierungshorizonte im Wohnbau ist
langfristiges, zinsgünstiges Geld das Um und Auf", betont GBV-Obmann
Wurm. Neben den Mitteln aus der Wohnbauförderung sowie dem
Eigenkapital der Gemeinnützigen sind vor allem Darlehen aus den
steuerbegünstigten Wohnbauanleihen zu einer wesentlichen
Finanzierungskomponente im Wohnbau geworden. "Wir haben daher gegen
die beabsichtigte Streichung der bisherigen
Kapitalertragsteuerbefreiung der Wohnbauanleihen (Verzinsung bis zu
vier Prozent KeST-frei) auf`s Schärfste unsere Stimme erhoben",
verweist Karl Wurm auf intensive mediale Aktivitäten in der letzten
Zeit. "Wer jetzt günstiges Geld dem Wohnbau entzieht, nimmt bewusst
Steigerungen bei den Mieten in Kauf". Nach Berechnungen würde
beispielsweise eine 75 Quadratmeter große Wohnung um ca. 300 Euro pro
Jahr teurer werden.
Die "Wohnkosten im Griff halten" - das gilt auch für zwei
Materien, mit denen der Wohnbau schon in Kürze konfrontiert sein
wird: Basel II und der Gebäudeenergiepass.
Bei der Umsetzung des Basel II-Abkommens für die neue
Kreditrichtlinien wird es vor allem darauf ankommen, Projekte im
Rahmen des geförderten Wohnbaus und die gemeinnützigen Bauträger
durch ihr geringes Risikopotential beim Rating entsprechend günstig
zu bewerten. Eine gute Eigenkapitalausstattung der Unternehmen ist
dabei eine der wesentlichen Voraussetzungen für die Erlangung
zinsgünstiger Darlehen.
Hinsichtlich des sowohl im Neubau als auch in sanierten Objekten
künftig erforderlichen Gebäudeenergieausweises plädieren die
Gemeinnützigen für eine wirtschaftliche und praxisgerechte Regelung,
damit das Dokument kostengünstig erstellt werden kann und für den
Wohnungsnutzer und Wohnungsinteressenten eindeutigen und
nachvollziehbaren Informationswert hat.
Am Verbandstag der gemeinnützigen Wohnungswirtschaft am 9. und 10.
Juni im Kongresshaus Innsbruck werden rund 250 Delegierte von
gemeinnützigen Bauvereinigungen aus ganz Österreich teilnehmen. Zur
öffentlichen Veranstaltung am 10. Juni, Beginn 9:30 Uhr, werden
zahlreiche Ehrengäste aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung
erwartet. Dazu GBV-Landesobmann Prof. Dr. Klaus Lugger: "Die
Anwesenheit der Österreichischen gemeinnützigen Wohnungswirtschaft
ist eine große Freude für die Stadt Innsbruck und das Land Tirol,
deren Repräsentanten unsere Wettbewerbsfähigkeit seit vielen Jahren
einfordern und uns damit gleichzeitig auch zu besonderen Leistungen
herausfordern".
Rückfragehinweis:
Platzermedia Dr. Bernhard Platzer Sonnenburgstraße 3 6020 Innsbruck Tel. 0512-561900 Fax: 0512-563777 Handy: 0664-1033555 e-mail: [email protected]
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