• 08.06.2005, 13:10:07
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Umfrage: Großstädter haben distanziertes Verhältnis zum Wald

Österreichische Forsttagung befasst sich mit Grünflächen rund um Ballungsräume

Wien (AIZ) - Die Wünsche und Ansprüche der Großstädter an den Wald
unterscheiden sich deutlich von denen der Landbevölkerung. Auch die
Begeisterung für den Forst nimmt mit der Entfernung deutlich ab.
Einig ist man sich in allen heimischen Bevölkerungsgruppen allerdings
über die besondere Bedeutung des Waldes für Natur und Umweltschutz;
stolz ist man auch auf Österreich als Waldland. Die Angst vor dem
Waldsterben nimmt aber immer mehr ab. Dies ist das Ergebnis einer
Fessel-GfK-Studie, die heute anlässlich der Österreichischen
Forsttagung in Wien präsentiert wurde.

Zwei Drittel fühlen sich zu wenig informiert

"Aus der Umfrage geht hervor, dass sich zwei Drittel der
Bevölkerung nicht sehr gut über den Wald informiert fühlen",
berichtete der Präsident des Österreichischen Forstvereins, Bertram
Blin. Immerhin würden aber 67% der Befragten erkennen, dass Wald für
die Erhaltung des Gleichgewichtes in der Natur eine wichtige Rolle
spielt und insgesamt auch der eigenen Seele gut tut (42%). Für 41%
seien die Wälder ein wichtiger Teil der österreichischen Kultur und
Identität. Bemerkenswert sei, dass nur mehr 17% die Ansicht
vertreten, die heimischen Wälder wären krank und müssten gerettet
werden beziehungsweise es sollte möglichst wenig Holz genutzt werden
(22%), so Blin.

Wanderbares Waldland

Die mit Abstand wichtigste Freizeitaktivität im Wald ist das
Wandern und Spazierengehen, 90% der Befragten benützen den Wald in
dieser Weise. Das Sammeln von Pilzen, Beeren und Pflanzen gehört mit
32% zur zweitwichtigsten Aktivität, das Mountainbiken wird nur von
10% genannt. Diesem Nutzungsmuster entsprechend, nennen - nach ihren
Wünschen zum Thema Wald befragt - 70% gut begehbare Forstwege. 51%
der Befragten wünschen sich darüber hinaus auch eine klare
Beschilderung, 39% hätten gerne freie Aussichtsmöglichkeiten und
zahlreiche Möglichkeiten zum Ausruhen.

Wiener haben distanzierteres Verhältnis zum Wald

Die Fessel-GfK-Umfrage ergab weiters deutliche Unterschiede
zwischen Stadt und Land, was die Wahrnehmung des Waldes betrifft: 43%
der Wiener genießen den Wald lieber im Fernsehen als in der Natur.
Sie suchen den Forst auch eher selten auf und erwarten dann auch hier
gut ausgebaute Straßen und eine perfekte Infrastruktur. Dazu gehört
beispielsweise ein gut funktionierendes Handynetz. Auf der anderen
Seite kritisiert dieselbe Gruppe, dass es im Wald zu viele Menschen
gibt. Im Gegensatz zu den Wienern umfasst diese Gruppe der
"Distanzierten" in den Bundesländern nur einen Anteil von 9%. Dafür
äußern sich 26% der Landbevölkerung enthusiastisch zum Wald.

Bewusstseinsbildung forcieren

"Je größer das Wissen über den Wald und je größer die räumliche
Nähe zum Wald ist, umso größer sind auch die positive Einstellung und
das Verständnis für die Vorgänge im Forst und für die Nutzung von
Holz. Im Spannungsfeld der Waldfunktionen spiegeln sich die
Grundbedürfnisse seiner Nutzer/-innen wider", fasste Blin das
Ergebnis der Umfrage zusammen. In der Vergangenheit sei der Wald für
die Stadt ein unverzichtbarer Energieträger gewesen, heute stehe die
Wohlfahrts- und Erholungsfunktion sowie die Versorgung mit
Trinkwasser im Mittelpunkt des Interesses.

"Die Anforderungen der Gesellschaft an die im Wald tätigen
Menschen werden immer vielfältiger, das Wissen um den Wald wird immer
weniger. Diese Umfrage zeigt, dass wir die Leistungen des Waldes und
der Forstwirtschaft in der Bevölkerung besser und vehementer
kommunizieren müssen", zeigte sich Friedolin Hietel, Obmann des
Forstvereines für Niederösterreich und Wien, überzeugt. Um die
Bewusstseinsbildung bereits bei den Kindern zu beginnen, führe etwa
Niederösterreich Waldjugendspiele durch - mit jährlich etwa 12.000
Teilnehmern.

Den Wald zu den Menschen bringen

Ähnlich äußerte sich auch Andreas Januskovecz, Forstdirektor der
Stadt Wien: "Wir müssen einerseits den Wald zu den Menschen bringen,
das tun wir in Wien unter anderem mit Neuauspflanzungen. Andererseits
müssen wir dafür sorgen, dass sich die Menschen im Wald wohl fühlen.
Auch hier führen unsere Aktivitäten bereits zu Erfolgen. Immerhin hat
eine IFES-Umfrage ergeben, dass 92% aller Wiener/-innen die
Erholungsgebiete am Rande der Stadt, die durchwegs vom Forstamt
betreut werden, mit 'gut' bis 'sehr gut' bewerten", so der
Forstdirektor. Sehr gut angenommen wurde laut Januskovecz auch das
Angebot der zwei Wiener Waldschulen. Dabei führen eigens dafür
ausgebildete Förster die Schulkinder durch den Wald und informieren
sie in spannender, kindgerechter Form über die forstliche Tier- und
Pflanzenwelt.

Waldöffnung bedeutet auch höhere Kosten

"Der Forstverein für NÖ und Wien unterstützt und fördert
Aktivitäten zur Öffnung des Waldes. Allerdings können die
Waldeigentümer die Belastungen der vermehrten Naturnutzung finanziell
auf Dauer nicht alleine tragen. Befestigte Wanderwege etwa
verursachen Kosten, denen in der Regel kein Einkommen entgegensteht.
Auf der anderen Seite ergeben sich durch die Grundinanspruchnahme
auch wirtschaftliche Chancen. Die Nutzung als Nationalpark oder
Biosphärenpark ist oft mit langfristigen Entschädigungen verbunden.
Aus diesem Bereich ergeben sich für manche unserer Kollegen auch neue
Berufsaussichten", stellte Hietel fest.

Der Österreichische Forstverein ist die Dachorganisation der
Landesforstvereine, er hat etwa 4.500 Mitglieder. Die jährliche
Forsttagung findet jedes Jahr in einem anderen Bundesland statt.
Heuer ist Wien an der Reihe (08. bis 10.06.), daher wurde auch das
Tagungsmotto "Der Wald und die Menschen - Grünflächen rund um
Ballungsräume" gewählt.
(Schluss) kam

Rückfragehinweis:
AIZ - Agrarisches Informationszentrum, Pressedienst
Tel: 01/533-18-43, mailto:[email protected]
http://www.aiz.info
FAX: (01) 535-04-38

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