"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Irrtum mit Folgen" (Von MICHAELA SPIRK-PAULMICHL)

Ausgabe vom 1. Juni 2005

Innsbruck (OTS) - Die Agrargemeinschaften beherrschen als Herren über Grund und Rechte das Geschehen in so mancher Tiroler Gemeinde. Dass sie derzeit auch die Schlagzeilen in den Medien dominieren, haben sie wohl vor allem einigen ihrer eigenen Vertretern zu verdanken. Hätten sie es mit der Gewinnmaximierung in den vergangenen Jahren nicht auf die Spitze getrieben, nicht ihre soziale Verantwortung den Gemeinden gegenüber vergessen, dann wäre vielleicht nie ein Bürgermeister auf den Gedanken gekommen, der ganzen Sache mit der Übertragung des Gemeindeguts näher auf den Grund zu gehen.

Wie es eigentlich dazu kommen konnte, dass die Agrargemeinschaften heute über ein Viertel des ganzen Landes verfügen, auf diese Frage gab es schließlich eine Antwort mit Knalleffekt: Eine ganze Behörde soll einem gewaltigen Rechtsirrtum aufgesessen sein. Diese Aussage von Hermann Arnold, dem früheren Mitarbeiter der Agrarbehörde, lässt sich nicht so einfach vom Tisch wischen.

Und trotzdem wird derzeit genau dieser Eindruck erweckt: Denn anstatt die nur schwer verständliche Vorgehensweise im Landhaus vor 40 Jahren näher unter die Lupe zu nehmen und über eine Berichtigung zu diskutieren, wird weiterhin beschwichtigt. Da wird auf die wichtigen Leistungen der Agrargemeinschaften verwiesen und darauf, dass die Gemeinden nicht mehr auf sie verzichten könnten. Die Arbeit der Bauern wird in Tirol tatsächlich niemand missen können, doch sie sind heute in den Agrargemeinschaften nur mehr eine Minderheit. Die anderen werden sich die Frage gefallen lassen müssen, ob sie berechtigt sind, Aktionäre öffentliches Gutes zu sein.

Die Gemeinden haben nichts zu verschenken: früher nicht und heute noch viel weniger. Die gewonnenen Rechte der Agrargemeinschaften dürfen deshalb keine g`mahte Wiesn sein, in der man sich zufrieden ausruhen kann.

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