• 23.05.2005, 12:47:02
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  • OTS0136 OTW0136

Gemeinnützige plädieren für Sachlichkeit in der Wohnbau-Debatte

Wien (OTS) - "Unkenntnis der Rahmenbedingungen, unter denen die
gemeinnützigen Bauvereinigungen agieren sowie die Intention der
Diffamierung statt der sachlichen Auseinandersetzung" sieht Mag. Karl
Wurm, Obmann des Dachverbandes der Gemeinnützigen in den jüngst
veröffentlichten Kernaussagen der Beratungs- und Marktforschungsfirma
Kreutzer, Fischer & Partner zum Wohnbau.

Den Gemeinnützigen ein "ungeniertes Ausnützen von
Förderungstöpfen" vorzuwerfen wäre empirisch eindeutig widerlegt,
meinte Wurm, da der überwiegende Teil der Mittel für Neubau und
Sanierung an private und gewerbliche Bauträger fließe. Der Anteil der
Gemeinnützigen liege bei rund einem Drittel.

Zum Vorwurf überhöhter Gewinnmargen verwies Wurm auf die
gesetzlichen Regelungen der Gewinnbeschränkung und der Verpflichtung
der Unternehmen, ihre Erträge dem Eigenkapital zuzuführen. Eine
solide Eigenkapitalausstattung sei vor allem auch erforderlich, um
nicht bei jeder Investition in einem Haus auf eine externe
Finanzierung wie etwa auf Förderungsmittel angewiesen zu sein. Wie
die Marktforscher darauf kämen, die Gemeinnützigen hätten
offensichtlich "enorme Rücklagen" auf der hohen Kante, sei ebenfalls
nicht nachvollziehbar: "Unsere Unternehmen haben ihr Eigenkapital
widmungsgemäß im Neubau und der Sanierung sowie der
Grundstücksbevorratung investiert. Überdies sieht das
Körperschaftsteuergesetz für Eigenkapital, das nicht im Wohnbau
eingesetzt wird, die Besteuerung vor".

"Bei den Häusern, die wir ankaufen, handelt es sich zumeist um
alte Bauten, die in einem sehr sanierungsbedürftigen Zustand sind",
stellt Wurm klar. Es wären vielfach Städte und Gemeinden oder die
bisherigen Eigentümer, die an die Gemeinnützigen herantreten, diese
Bauten zu übernehmen: "Was hier schlecht sein soll, wenn - nicht
zuletzt im Sinne der Stadterneuerung und der Nutzung bereits
erschlossener Liegenschaften - derartige Objekte erworben und auf
zeitgemäßen Wohnstandard gebracht werden, ist absolut
unverständlich". Den Gemeinnützigen daraus einen Vorwurf zu machen,
wie das die Studien-Autoren tun, zeige nur von mangelnder
Sachkenntnis der Aufgabenstellungen im Wohn- und Städtebau.
Zum Vorwurf mangelnden Kostenbewusstseins der Gemeinnützigen bei
Errichtung und Planung von Wohnungen stellt der GBV-Obmann fest, dass
für alle Bauleistungen Ausschreibungen erfolgen. Nachdem es sich bei
der Vielzahl der Projekte um kleinere Bauvorhaben handle, kämen dabei
auch die klein- und mittelständischen Unternehmen in Österreich zum
Zuge. Was nicht nur der Struktur der heimischen Wirtschaft
entspräche, sondern auch von hoher Bedeutung für das
Beschäftigungsniveau sei. "Wenn Kreutzer und Co hier generell
überteuerte Preise konstatieren, so stellen sie damit einen wichtigen
Teil der österreichischen Wirtschaft unter Generalverdacht".

Trotz der hohen qualitativen und ökologischen Anforderungen im
geförderten Wohnbau gelingt es den Gemeinnützigen, betont Wurm, die
Kosten günstig zu halten: "Wie die Daten der letzten Jahre zeigen,
liegen die Baukosten der gewerblichen Bauträger um 5 bis 10 Prozent
über jenen der Gemeinnützigen, zuletzt war die Differenz noch höher.
Quadratmeterkosten im Geschossbau 2001: Gemeinnützige Bauträger 1.347
Euro, gewerbliche Bauträger: 1.528 Euro (Datenquelle: Statistik
Austria, Bereinigung um Vorsteuer: Schätzmodell GBV).
Denn hohen Anteil an handwerklicher Arbeit und individueller Planung
im Wohnbau zu bemängeln heiße nichts anderes, gibt Wurm zu bedenken,
als für die "Einheitswohnung" und Monotonie im Städtebau zu
plädieren. "Die Wohnungssuchenden wollen heute eine in
Raumkonfiguration und Ausstattung sehr individuell gestaltete Wohnung
in einem attraktiven Wohnumfeld. Die Bauträger haben auf diese
Bedürfnisse Rücksicht zu nehmen. Die hohe Wohnzufriedenheit in
Österreich beweist, dass das der richtige Kurs ist". Gerade die
Marktforscher hätten immer als Erste den Befund geliefert, wie sehr
sich die Leute gegen den standardisierten und normierten Wohnbau
ausgesprochen haben: "Man kann heute nicht als Vorwurf erheben, was
man gestern nach Marktbeobachtung als dringend notwendig erachtet
hat".

"Für eine Diskussion über die Entwicklung der Wohnkosten, über
Trends in Architektur, Bauausführung und Bauabwicklung sind wir
jederzeit zu haben,", betont der Obmann der Gemeinnützigen, "aber sie
sollte sachlich und konstruktiv geführt werden". "Ùnd wir werden uns
weiterhin zu Wort melden, wenn es darum geht aufzuzeigen, dass - wie
durch die geplante Abschaffung der Steuerbegünstigung für
Wohnbauanleihen - Kostenerhöhungen im Wohnbau drohen".

Rückfragehinweis:
Österreichischer Verband gemeinnütziger Bauvereinigungen
Mag. Karl Wurm
Tel. 1/ 401 09 / 10 DW

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