- 23.05.2005, 10:27:11
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Gesundheitsreform: Ärztekammer warnt vor Aushöhlung des niedergelassenen Bereichs
Geplante Verlegung von Kassenstellen ins Spital ruft Proteste hervor
Wien (OTS) - Scharfe Kritik kommt seitens der Österreichischen
Ärztekammer (ÖÄK) zum Plan einiger landeseigener
Spitalsgesellschaften, Kassenstellen niedergelassener Ärzte ins
Spital zu verlegen und auf diese Weise neue Ärztezentren zu
etablieren. "Neue Ärztezentren sollten im niedergelassenen Bereich
geschaffen werden und dazu dienen, die wohnortnahe Versorgung zu
stärken. Schafft man sie in Spitälern, wird der Gedanke ad absurdum
geführt: Man höhlt die wohnortnahe Versorgung aus und zentriert alles
in für die Patienten oft nur mühsam erreichbaren Spitäler",
kritisierte der Präsident der Österreichischen Ärztekammer, Dr.
Reiner Brettenthaler in einer Aussendung am Montag. Brettenthaler:
"Wenn diese Regelung kommt, wird es in der Ärzteschaft einen Aufstand
geben. Ein Ausspielen der Ärzteschaft zu Lasten der Patienten werden
wir uns nicht gefallen lassen."
Konkret hegen nach Angaben von Ärztevertretern die burgenländische
Krages (burgenländische Krankenanstaltengesellschaft) und die
steirische Kages (steirische Krankenanstaltengesellschaft) die
Absicht, Kassenstellen mit einem Abschlag von bis zu 30 Prozent auf
die Honorare ins Spital zu verlegen und auf diese Weise so genannte
Ärztezentren zu schaffen. Das bedeute im Fall einer Realisierung der
Pläne eine "eklatante Ausdünnung des Angebots im niedergelassenen
Bereich für die Menschen in den meist ländlichen Gebieten", stellte
auch der Obmann der Bundeskurie Niedergelassene Ärzte in der
Österreichischen Ärztekammer, Dr. Jörg Pruckner, fest. Werde diese
"Gleichschaltung der Medizin" auf die Spitze getrieben, bliebe den
Menschen keine Auswahlmöglichkeiten mehr, Wartezeiten in überlasteten
Spitälern seien vorprogrammiert. Pruckner: "Was die Patienten
brauchen, sind mehr Kassenstellen auf dem Land, mehr niedergelassene
Fachärzte, mehr niedergelassene Allgemeinmediziner und nicht
weniger."
Auch in Oberösterreich ist nach Angaben der Ärztevertreter eine
Entwicklung im Gang, die die ÖÄK zu geharnischter Kritik veranlasst.
Dort wird unter anderem der Einsatz von Spitalsärzten während ihrer
Dienstzeit in - neu zu schaffenden - medizinischen Ambulanzen von
Pflegeheimen überlegt. "Das wäre dann eine weitere Dimension der
Ausbeutung der überlasteten Spitalsärzte", warnte der Obmann der
Bundeskurie Angestellte Ärzte, Dr. Harald Mayer. Bei einer
derzeitigen Wochen-Arbeitszeit von zu 100 Stunden und mehr sei eine
weitere Arbeitsbelastung von Spitalsärzten "noch dazu in
extralozierten Ambulanzen unmöglich denkbar". Mayer: "Als
Arbeitsroboter und Manövriermasse im Gesundheitssystem lassen sich
Spitalsärzte sicher nicht missbrauchen. Sollte diese Regelung kommen,
wird es breite Proteste geben."
Rückfragehinweis:
Pressestelle der
Österreichischen Ärztekammer
Tel.: (++43-1) 513 18 33
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