Gesundheitsreform: Ärztekammer warnt vor Aushöhlung des niedergelassenen Bereichs

Geplante Verlegung von Kassenstellen ins Spital ruft Proteste hervor

Wien (OTS) - Scharfe Kritik kommt seitens der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) zum Plan einiger landeseigener Spitalsgesellschaften, Kassenstellen niedergelassener Ärzte ins Spital zu verlegen und auf diese Weise neue Ärztezentren zu etablieren. "Neue Ärztezentren sollten im niedergelassenen Bereich geschaffen werden und dazu dienen, die wohnortnahe Versorgung zu stärken. Schafft man sie in Spitälern, wird der Gedanke ad absurdum geführt: Man höhlt die wohnortnahe Versorgung aus und zentriert alles in für die Patienten oft nur mühsam erreichbaren Spitäler", kritisierte der Präsident der Österreichischen Ärztekammer, Dr. Reiner Brettenthaler in einer Aussendung am Montag. Brettenthaler:
"Wenn diese Regelung kommt, wird es in der Ärzteschaft einen Aufstand geben. Ein Ausspielen der Ärzteschaft zu Lasten der Patienten werden wir uns nicht gefallen lassen."

Konkret hegen nach Angaben von Ärztevertretern die burgenländische Krages (burgenländische Krankenanstaltengesellschaft) und die steirische Kages (steirische Krankenanstaltengesellschaft) die Absicht, Kassenstellen mit einem Abschlag von bis zu 30 Prozent auf die Honorare ins Spital zu verlegen und auf diese Weise so genannte Ärztezentren zu schaffen. Das bedeute im Fall einer Realisierung der Pläne eine "eklatante Ausdünnung des Angebots im niedergelassenen Bereich für die Menschen in den meist ländlichen Gebieten", stellte auch der Obmann der Bundeskurie Niedergelassene Ärzte in der Österreichischen Ärztekammer, Dr. Jörg Pruckner, fest. Werde diese "Gleichschaltung der Medizin" auf die Spitze getrieben, bliebe den Menschen keine Auswahlmöglichkeiten mehr, Wartezeiten in überlasteten Spitälern seien vorprogrammiert. Pruckner: "Was die Patienten brauchen, sind mehr Kassenstellen auf dem Land, mehr niedergelassene Fachärzte, mehr niedergelassene Allgemeinmediziner und nicht weniger."

Auch in Oberösterreich ist nach Angaben der Ärztevertreter eine Entwicklung im Gang, die die ÖÄK zu geharnischter Kritik veranlasst. Dort wird unter anderem der Einsatz von Spitalsärzten während ihrer Dienstzeit in - neu zu schaffenden - medizinischen Ambulanzen von Pflegeheimen überlegt. "Das wäre dann eine weitere Dimension der Ausbeutung der überlasteten Spitalsärzte", warnte der Obmann der Bundeskurie Angestellte Ärzte, Dr. Harald Mayer. Bei einer derzeitigen Wochen-Arbeitszeit von zu 100 Stunden und mehr sei eine weitere Arbeitsbelastung von Spitalsärzten "noch dazu in extralozierten Ambulanzen unmöglich denkbar". Mayer: "Als Arbeitsroboter und Manövriermasse im Gesundheitssystem lassen sich Spitalsärzte sicher nicht missbrauchen. Sollte diese Regelung kommen, wird es breite Proteste geben."

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