Jugendkongress des ÖGB: Schwerpunkt Bildungs- und Ausbildungsoffensive

ÖGJ fordert mehr Ausbildungsplätze, mehr Qualität in Aus- und Weiterbildung, mehr soziale Sicherheit

Wien (ÖGJ/ÖGB) - Fast 42.000 Arbeitslose zwischen 15 und 24 Jahren, etwa 16.000 Jugendliche, die auf der Suche nach einer Lehrstelle sind: "Es muss etwas passieren, um diesen Jugendlichen die Chance auf Ausbildung und damit auf eine Zukunft zu geben", begründet ÖGJ-Vorsitzender Jürgen Eder den Schwerpunkt des 29. Jugendkongresses des ÖGB. Die Delegierten haben einen Leitantrag beschlossen, der ein Maßnahmenpaket fordert, um wieder allen Jugendlichen in Österreich die Chance auf Ausbildung und gerechten Zugang zur Bildung zu geben.++++

Im Leitantrag heißt es: "Anstatt in die Bildung, Aus- und Weiterbildung der Jugendlichen und somit in die Zukunft zu investieren, werden von der Regierung Kürzungen im gesamten Bildungsbereich vorgenommen. Alle Maßnahmen dienten bis jetzt ausschließlich der Wirtschaft und nicht den Jugendlichen oder der Ausbildungsqualität. Für viele Jugendliche bedeutet dies eine massive Verschlechterung ihrer Ausbildung, aber auch ihrer Zukunftschancen."

Betriebe und Schule neu definieren

Die Delegierten fordern eine Neudefinition der Rolle sowohl der Betriebe als auch der Schule. "Betriebe, die den gesamten Inhalt eines Berufsbildes nicht vermitteln können,..., haben verpflichtende zusätzliche Ausbildungen in Kursen oder Partnerbetrieben anzubieten", so der Antrag. Auch für die AusbilderInnen wird verpflichtende Weiterbildung im Mindestumfang von einer Woche innerhalb von drei Jahren gefordert.

Alternativangebote für fehlende betriebliche Lehrstellen

Damit alle Jugendlichen einen Ausbildungsplatz finden, der ihrem Berufswunsch entspricht, muss das Lehrstellenangebot um 12 Prozent höher sein als die Nachfrage. Weil die Betriebe dieses Angebot derzeit nicht zur Verfügung stellen, müssen zukunftsorientierte Alternativangebote geschaffen werden: Auffangmaßnahmen, wo die darin verbrachte Ausbildungszeit verpflichtend auf eine nachfolgende Lehre angerechnet wird. Wird keine Leerstelle gefunden, muss der/die Jugendliche die Ausbildung bis zur Lehrabschlussprüfung in der Maßnahme abschließen können.

Berufsschule als Ort der Weiterbildung

Die Berufsschule soll in Zukunft nicht nur der Ort sein, an dem die theoretische Wissensvermittlung erfolgt. Auch vorhandene Defizite (Lern- und Leseschwächen, Wissensdefizite,...) müssen dort korrigiert werden. Außerdem muss die Berufsschule auch zu einem Ort der Weiterbildung werden: Rechtsanspruch auf gebührenfreie Vorbereitung bzw. das Ablegen der Berufsreifeprüfung an den Berufsschulen, auch nach der Lehrabschlussprüfung. Die Berufsschulen müssen auch technologisch (zB Internet-Anschlüsse) und finanziell besser ausgestattet werden, um den neuen Ansprüchen gerecht werden zu können.

Gleiche Bildungschancen für alle

Bildung ist aus gewerkschaftlicher Sicht als Bildung für alle Menschen zu verstehen. Vermögen und Einkommen dürfen ebenso wenig eine Rolle spielen wie Muttersprache oder individuelle Lernschwierigkeiten. Der Jugendkongress fordert daher freien Hochschulzugang und die sofortige Abschaffung der Studiengebühren, das gebührenfreie Nachholen von Bildungsabschlüssen, eine gemeinsame Schule für alle 6- bis 15-Jährigen sowie die Senkung der Schülerzahl auf höchstens 15 pro Klasse.

ÖGB, 21. Mai 2005 Nr. 326

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