• 18.05.2005, 09:00:00
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  • OTS0036 OTW0036

Mittelfristig langsame Erholung der Inlandsnachfrage

Prognose der österreichischen Wirtschaft bis 2009

Wien (WIFO) - Ein reges Wachstum des Welthandels, die hohe
preisliche Wettbewerbsfähigkeit und die Verbesserung der
Standortbedingungen werden in den kommenden Jahren den heimischen
Export begünstigen. Dies wird eine Verstärkung der
Investitionstätigkeit nach sich ziehen. Der Ausbau der
Verkehrsinfrastruktur und die Belebung des Wohnbaus schlagen sich in
einer Zunahme der Bauproduktion nieder. Die Prognose unterstellt,
dass der Konsum der privaten Haushalte seine lange Schwächephase
allmählich überwindet. Die Wirtschaft könnte unter diesen
Rahmenbedingungen bis 2009 um durchschnittlich 2 1/4% pro Jahr
wachsen. Dies ermöglicht eine Verringerung des Budgetdefizits, reicht
aber aufgrund des hohen Zustroms an Arbeitskräften nicht aus, um eine
Trendwende auf dem Arbeitsmarkt herbeizuführen.

Österreichs Wirtschaft wuchs in den letzten fünf Jahren real um
nur 1,6% pro Jahr. Für die kommenden fünf Jahre erwartet die
mittelfristige Prognose des WIFO eine leichte Erholung der
Konjunktur, das Wachstum könnte sich auf 2,3% pro Jahr beschleunigen.
Damit könnte die Rate etwas höher sein als im Euro-Raum (+2,1%, EU 25
+2,3%). Österreich profitiert vom Aufholprozess der
ostmitteleuropäischen Länder überproportional. Positive
Wachstumseffekte könnte auch eine Verlagerung öffentlicher und
privater Aufwendungen zugunsten von Zukunftsausgaben auslösen, etwa
in den Bereichen Bildung, Innovation und Informationstechnologien,
wie sie auch der Lissabon-Prozess der EU vorsieht.

Wichtige Impulse erhält die heimische Wirtschaft vom Export. Der
Welthandel bleibt, getragen von der günstigen Entwicklung in Asien
(vor allem in China) und in Nordamerika, rege. Davon könnte
allmählich auch die Wirtschaft des Euro-Raumes profitieren, deren
Hauptprobleme aber die Schwäche der Binnennachfrage und die geringe
Zuversicht der Konsumenten bleiben. Die Prognose basiert auf der
Annahme, dass sich die Überbewertung des Euro gegenüber dem Dollar
mittelfristig verringert und die Erdölpreise auf dem Weltmarkt
sinken.

Von der Ausweitung des Welthandels profitiert die heimische
Wirtschaft besonders stark, weil ihre Wettbewerbsfähigkeit günstig
ist und die Standortbedingungen laufend verbessert werden. Aufgrund
des kräftigen Produktivitätswachstums und der mäßigen
Lohnsteigerungen gingen die Arbeitskosten je erzeugte Einheit seit
1980 absolut und auch in Relation zu den Handelspartnern stark
zurück. Während die preisliche Wettbewerbsfähigkeit hoch ist, haben
die heimischen Unternehmen in ihrer Innovationskraft noch nicht die
einem Hocheinkommensland angemessene Position erreicht. Die Exporte
werden bis zum Jahr 2009 real um 6 1/2% pro Jahr zunehmen. Die
Ausweitung der Ausfuhr zieht mit gewisser Verzögerung eine Erholung
der Ausrüstungsinvestitionen nach sich. Deren Wachstum sollte sich im
Jahr 2007 auf 5% beschleunigen, im Durchschnitt der Jahre 2004/2009
wird ein Anstieg um 3 1/2% erwartet.

Während Export und Ausrüstungsinvestitionen von 2004 bis 2009 etwa
gleich rasch wachsen wie in den letzten fünf Jahren, wird für die
Binnennachfrage eine merkliche Erholung angenommen. Die Schwäche der
Konsumnachfrage und der Bauinvestitionen prägte die ungünstige
Wirtschaftsentwicklung der letzten Jahre. Das Wachstum der
Konsumausgaben der privaten Haushalte sollte sich von 1,4% auf 2,1%
pro Jahr beschleunigen. Dazu tragen der Anstieg der Beschäftigung,
etwas höhere Lohnabschlüsse und kurzfristig auch die Effekte der
Steuerreform 2005 bei. Die Prognose unterstellt, dass die Zunahme der
Sparneigung, die zusammen mit der geringen Ausweitung der verfügbaren
Einkommen seit dem Jahr 2001 den Konsum bremst, ab 2007 einer
leichten Erhöhung der Konsumneigung weicht. Die Investitionen in die
Infrastruktur, etwa in Zusammenhang mit dem Ausbau der
Transeuropäischen Netze, und eine Steigerung der Nachfrage nach
Wohnungen aufgrund der regen Zuwanderung sollten die Bauinvestitionen
beleben. Ihr Wachstum wird von durchschnittlich 1% in den letzten
fünf Jahren auf 2% pro Jahr steigen.

Auf dem Arbeitsmarkt zeichnet sich keine Trendwende ab. Der
anhaltende Anstieg der Zahl der Arbeitslosen (auf fast 260.000 im
Jahr 2009) bleibt das Hauptproblem der Wirtschaftsentwicklung in
Österreich. Im gesamten Prognosezeitraum wächst die Beschäftigung
kräftig (+0,9% pro Jahr). Die Erholung von Exportindustrie und
Bauwirtschaft wird auch eine Ausweitung der Vollzeitarbeitsplätze
zulassen, überwiegend dürfte sie aber Teilzeitstellen betreffen. Noch
rascher wächst allerdings das Angebot an Arbeitskräften. Dies geht
auf hohe Einbürgerungsraten, regen Zustrom ausländischer
Arbeitskräfte und die Anhebung des Frühpensionsalters zurück. Die
durchschnittliche Arbeitslosenquote verharrt im Prognosezeitraum auf
dem Niveau des Jahres 2005 (7,1% der unselbständigen Erwerbspersonen
bzw. 4,5% der Erwerbspersonen laut Eurostat); dieses liegt deutlich
über jenem der Periode 1999/2004 (6,6% bzw. 4,1%).

Die Inflation bleiben schwach, sie dürfte auf Verbraucherebene bis
2009 im Durchschnitt etwa 1 3/4% pro Jahr betragen. Zwar bestehen
Risken in Bezug auf die Rohstoffpreise sowie auf indirekte Steuern
und Gebühren. Doch der scharfe internationale Wettbewerb wird den
Preisauftrieb ebenso dämpfen wie der geringe Anstieg der nominellen
Lohnstückkosten. Die mäßigen Lohnsteigerungen tragen zu einem
weiteren Rückgang der Lohnquote bei.

Seit 2001 steigt das Defizit der öffentlichen Haushalte laufend.
Die Prognose geht davon aus, dass sich dieser Trend umkehrt, der
Finanzierungssaldo des Staates wird sich kontinuierlich bis auf -1/2%
des BIP im Jahr 2009 verbessern. Dazu trägt vor allem die Annahme
eines stetigen Wirtschaftswachstums bei, das das Wachstum der
Staatseinnahmen - nach dem Ausklingen der dämpfenden Effekte der
Steuerreform - auf 3 1/2% pro Jahr beschleunigt. Besonders kräftig
wächst das Aufkommen an Lohnsteuer, auch die
Sozialversicherungsbeiträge nehmen stark zu. Die Prognose unterstellt
eine restriktive Ausgabenpolitik der öffentlichen Hand. Subventionen
und Personalausgaben wachsen nur schwach, auch die Sozialausgaben
nehmen trotz steigender Aufwendungen für Arbeitslosengeld und
Kinderbetreuungsgeld nicht rascher zu als in den letzten fünf Jahren.
Die zentralen Herausforderungen für die Budgetpolitik bestehen in
einer Reform der Struktur des Abgabensystems und der Staatsausgaben.

Übersicht 1: Hauptergebnisse - auf der WIFO-Website
(http://www.wifo.ac.at/presse)

Die Unsicherheiten der Prognose liegen zunächst in den
optimistischen Annahmen einer Korrektur der Überbewertung des Euro
gegenüber dem Dollar und eines Rückgangs der hohen Weltmarktpreise
von Erdöl. Zudem ist nicht gesichert, dass die Wirtschaftspolitik der
Schwäche der Konsumnachfrage der privaten Haushalte im Euro-Raum und
in Österreich wirksam begegnen kann. Die Annahme eines leichten
Rückgangs der Sparquote ab 2007 könnte sich angesichts der hohen
Arbeitslosigkeit und umfangreicher Reformen im Sozialsystem als zu
optimistisch erweisen. Andererseits könnte die Weltwirtschaft
angetrieben von der Expansion in China rascher wachsen als
angenommen, und in der EU könnte ein Bedeutungsgewinn der
Zukunftsausgaben im Rahmen des Lissabon-Prozesses und der
Transeuropäischen Netze Wachstumsimpulse bieten. Von beiden
Entwicklungen würde Österreich aufgrund der hohen preislichen
Wettbewerbsfähigkeit der Exportunternehmen besonders profitieren.
Auch im Inland würde eine Beschleunigung des Strukturwandels durch
eine Verbesserung des Bildungs- und Innovationssystems neue
Wachstumskräfte entfalten.

Nähere Informationen entnehmen Sie bitte dem WIFO-Monatsbericht
5/2005!

Rückfragehinweis:

Dr. Serguei Kaniovski
   Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung - WIFO
   Tel. +43 1 798 26 01-231 * Fax. +43 1 798 93 86
   mailto:[email protected]
   
   Dr. Markus Marterbauer
   Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung - WIFO
   Tel. +43 1 798 26 01-303 * Fax. +43 1 798 93 86
   mailto:[email protected]
   
   Mag. Josef Baumgartner
   Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung - WIFO
   Tel. +43 1 798 26 01-230 * Fax. +43 1 798 93 86
   mailto:[email protected]

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