Gusenbauer: Schulreformen nun endlich möglich - 2/3-Ausrede gilt ab heute nicht mehr

Wien (SK) Mit der heutigen weitgehenden Abschaffung der 2/3-Mehrheit bei den Schulgesetzen werde ein "richtiger und wichtiger Schritt für substanzielle Reformen" gesetzt; "das ist aber nicht die Garantie für ein gutes Schulsystem, sondern die Chance darauf", erklärte SPÖ-Vorsitzender Alfred Gusenbauer Mittwoch im Nationalrat. "Die 2/3-Ausrede gilt ab heute nicht mehr. Jede parlamentarische Mehrheit ist nun für die Qualität im Schulsystem verantwortlich. Ich bin neugierig, ob Bildungsministerin Gehrer auf unsere umfassenden Vorschläge für eine moderne Schule eingehen wird - wir wären es unseren Kindern allemal schuldig", so Gusenbauer. ****

Der SPÖ-Vorsitzende betonte, dass Reformen nicht nur möglich, sondern auch dringend notwendig seien; Gusenbauer führte konkret drei PISA-Ergebnisse als große Herausforderungen für die Zukunft an:
Erstens müsse es mit großer Sorge erfüllen, dass ein Fünftel der 15-Jährigen über keine ausreichenden Kenntnisse in Lesen und Mathematik verfügen. Zweitens verstärke das österreichische Schulsystem soziale Herkunftsunterschiede - "gleiche Chancen für alle werden nicht geschaffen". Drittens sei unser Schulsystem derzeit in vielen Bereichen den Anforderungen der modernen Arbeitsgesellschaft -beide Elternteile sind berufstätig - nicht gewachsen. Mit dem heutigen Tag werde die Chance auf eine Reform und die Beantwortung dieser wichtigen Fragen geschaffen.

Gusenbauer stellte weiters klar, dass mit dem Verfassungstext auch wesentliche Fragen außer Streit gestellt und wichtige Signale gesendet würden. So werde die Schulgeldfreiheit verankert - "ein wichtiges Signal angesichts der Tatsache, dass Studiengebühren eingeführt wurden". Ein weiterer wesentlicher Eckpunkt sei die Verankerung der Schul- und Berufsschulpflicht, ebenso wie die klare Formulierung, dass der Staat die Aufgabe hat, ein öffentliches Schulsystem mit bestmöglicher Qualität zur Verfügung zu stellen. Damit werde allen Liberalisierungs- und Privatisierungstendenzen im Schulwesen eine Absage erteilt. Besonders hob der SPÖ-Vorsitzende hervor, dass im Text eine Zielbestimmung zur Chancengleichheit der Kinder enthalten ist - "dies ist eine wesentliche Leitlinie für die Schule der Zukunft" -, und es sei gut, dass der konfessionelle Unterricht der Kirchen und Religionsgemeinschaften festgelegt wurde; "Kulturkampf hat in der Schule keinen Platz."

Wie sieht die Schule der Zukunft aus?

Der SPÖ-Vorsitzende betonte, dass er pro Woche mindestens eine Schule besuche, um mit den Schülern, Lehrern und Eltern zu diskutieren und deren Bedürfnisse kennen zu lernen. "Ich wünsche mir daher eine Volksschule, in die die Kinder kommen und über ausreichende Deutschkenntnisse verfügen und nicht Herkunftsunterschiede mitschleppen. Ich wünsche mir eine Schule, in der die Schwächeren gefördert und die Begabten gefordert werden. Ich wünsche mir eine Schule, in der man sich nicht an einem imaginären Durchschnitt orientiert, sondern jedes einzelne Kind im Zentrum des Lernens steht. Ich wünsche mir eine Schule mit ganztägig verschränkten Einheiten von Lernen/Sport/Kultur/Freizeit; eine Schule, in der das Thema 'Schule' am Nachmittag beendet ist und die Freizeit den Eltern und Freunden gewidmet werden kann; eine Schule, in der privater Nachhilfeunterricht nicht mehr notwendig ist. Ich wünsche mir eine Schule, in der die Klassenschülerzahlen so sind, dass auf jedes einzelne Kind eingegangen werden kann. Ich wünsche mir eine Schule, in der sich die Lehrerinnen und Lehrer wohlfühlen", so der SPÖ-Vorsitzende.

"Und ich wünsche mir eine Schule, bei der es nicht um ein ideologisches Dogma geht, sondern darum, was den Kindern und Jugendlichen am meisten hilft." Jedes Kind müsse maximale Möglichkeiten in der Schule haben - "und so muss die Schule auch organisiert sein". Gusenbauer betonte, dass dabei die erste Frage nicht die der äußeren Form sei, sondern das Wichtigste sei, was in den Klassenzimmern passiert. "Hier muss noch einiges getan werden", so der SPÖ-Vorsitzende, der in diesem Zusammenhang auf ÖVP-Schilcher verweist, der heute für einen modernen Bildungsbegriff eintritt. "Die ÖVP sollte diesen Appell ihres Parteikollegen ernstnehmen", so Gusenbauer abschließend. (Schluss) cs

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