- 12.05.2005, 11:15:06
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Gusenbauer: Schulreformen nun endlich möglich - 2/3-Ausrede gilt ab heute nicht mehr
Wien (SK) Mit der heutigen weitgehenden Abschaffung der
2/3-Mehrheit bei den Schulgesetzen werde ein "richtiger und wichtiger
Schritt für substanzielle Reformen" gesetzt; "das ist aber nicht die
Garantie für ein gutes Schulsystem, sondern die Chance darauf",
erklärte SPÖ-Vorsitzender Alfred Gusenbauer Mittwoch im Nationalrat.
"Die 2/3-Ausrede gilt ab heute nicht mehr. Jede parlamentarische
Mehrheit ist nun für die Qualität im Schulsystem verantwortlich. Ich
bin neugierig, ob Bildungsministerin Gehrer auf unsere umfassenden
Vorschläge für eine moderne Schule eingehen wird - wir wären es
unseren Kindern allemal schuldig", so Gusenbauer. ****
Der SPÖ-Vorsitzende betonte, dass Reformen nicht nur möglich,
sondern auch dringend notwendig seien; Gusenbauer führte konkret drei
PISA-Ergebnisse als große Herausforderungen für die Zukunft an:
Erstens müsse es mit großer Sorge erfüllen, dass ein Fünftel der
15-Jährigen über keine ausreichenden Kenntnisse in Lesen und
Mathematik verfügen. Zweitens verstärke das österreichische
Schulsystem soziale Herkunftsunterschiede - "gleiche Chancen für alle
werden nicht geschaffen". Drittens sei unser Schulsystem derzeit in
vielen Bereichen den Anforderungen der modernen Arbeitsgesellschaft -
beide Elternteile sind berufstätig - nicht gewachsen. Mit dem
heutigen Tag werde die Chance auf eine Reform und die Beantwortung
dieser wichtigen Fragen geschaffen.
Gusenbauer stellte weiters klar, dass mit dem Verfassungstext
auch wesentliche Fragen außer Streit gestellt und wichtige Signale
gesendet würden. So werde die Schulgeldfreiheit verankert - "ein
wichtiges Signal angesichts der Tatsache, dass Studiengebühren
eingeführt wurden". Ein weiterer wesentlicher Eckpunkt sei die
Verankerung der Schul- und Berufsschulpflicht, ebenso wie die klare
Formulierung, dass der Staat die Aufgabe hat, ein öffentliches
Schulsystem mit bestmöglicher Qualität zur Verfügung zu stellen.
Damit werde allen Liberalisierungs- und Privatisierungstendenzen im
Schulwesen eine Absage erteilt. Besonders hob der SPÖ-Vorsitzende
hervor, dass im Text eine Zielbestimmung zur Chancengleichheit der
Kinder enthalten ist - "dies ist eine wesentliche Leitlinie für die
Schule der Zukunft" -, und es sei gut, dass der konfessionelle
Unterricht der Kirchen und Religionsgemeinschaften festgelegt wurde;
"Kulturkampf hat in der Schule keinen Platz."
Wie sieht die Schule der Zukunft aus?
Der SPÖ-Vorsitzende betonte, dass er pro Woche mindestens
eine Schule besuche, um mit den Schülern, Lehrern und Eltern zu
diskutieren und deren Bedürfnisse kennen zu lernen. "Ich wünsche mir
daher eine Volksschule, in die die Kinder kommen und über
ausreichende Deutschkenntnisse verfügen und nicht
Herkunftsunterschiede mitschleppen. Ich wünsche mir eine Schule, in
der die Schwächeren gefördert und die Begabten gefordert werden. Ich
wünsche mir eine Schule, in der man sich nicht an einem imaginären
Durchschnitt orientiert, sondern jedes einzelne Kind im Zentrum des
Lernens steht. Ich wünsche mir eine Schule mit ganztägig
verschränkten Einheiten von Lernen/Sport/Kultur/Freizeit; eine
Schule, in der das Thema 'Schule' am Nachmittag beendet ist und die
Freizeit den Eltern und Freunden gewidmet werden kann; eine Schule,
in der privater Nachhilfeunterricht nicht mehr notwendig ist. Ich
wünsche mir eine Schule, in der die Klassenschülerzahlen so sind,
dass auf jedes einzelne Kind eingegangen werden kann. Ich wünsche mir
eine Schule, in der sich die Lehrerinnen und Lehrer wohlfühlen", so
der SPÖ-Vorsitzende.
"Und ich wünsche mir eine Schule, bei der es nicht um ein
ideologisches Dogma geht, sondern darum, was den Kindern und
Jugendlichen am meisten hilft." Jedes Kind müsse maximale
Möglichkeiten in der Schule haben - "und so muss die Schule auch
organisiert sein". Gusenbauer betonte, dass dabei die erste Frage
nicht die der äußeren Form sei, sondern das Wichtigste sei, was in
den Klassenzimmern passiert. "Hier muss noch einiges getan werden",
so der SPÖ-Vorsitzende, der in diesem Zusammenhang auf ÖVP-Schilcher
verweist, der heute für einen modernen Bildungsbegriff eintritt. "Die
ÖVP sollte diesen Appell ihres Parteikollegen ernstnehmen", so
Gusenbauer abschließend. (Schluss) cs
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