• 29.04.2005, 13:30:34
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"Arbeit und Alter": "Unsere Zukunft hängt davon ab, dass wir das Potenzial aktiven Alterns nutzen"

EU-Kommissar Spidla und österreichische Sozialpartner diskutieren Maßnahmen, Menschen länger in Beschäftigung zu halten

Wien (PWK308) - "Wir haben uns verstärkt mit der steigenden
Lebenserwartung einerseits sowie den rückläufigen Geburtenzahlen
andererseits und den daraus resultierenden Folgen für das
Arbeitsleben auseinanderzusetzen", erklärte Anna Maria Hochhauser,
Generalsekretärin der Wirtschaftskammer Österreich, anlässlich einer
gemeinsamen Veranstaltung der Sozialpartner zum Thema "Arbeit und
Alter - Erfahrungen und Beispiele aus Europa", am Freitag im Haus der
Wirtschaft. Der EU-Kommisar für Beschäftigung, Soziales und
Chancengleichheit, Vladimir Spidla, zahlreiche internationale
Experten sowie Vertrete aller Sozialpartner diskutierten über die
demographische Entwicklung in Österreich und Europa und die sich
daraus ergebenden Herausforderungen an die Arbeitswelt sowie
notwendige umfassende Strategien aktiven Alterns.

"Die Zahl der Personen über 60 Jahre in Österreich wird von 21,1%
im Jahre 2001 auf 32,1% im Jahre 2030 und auf 36% bis zum Jahr 2050
anwachsen. Die Zahl der bis 14jährigen wird von 16,8% im Jahr 2001
bis auf 13,2% im Jahr 2030 und auf 12,2% bis zum Jahr 2050 sinken",
umriss Hochhauser die durchaus dramatische Entwicklung und betonte,
dass die "produktive Beschäftigung älterer Arbeitnehmer und die
Schaffung einer altersgerechten Arbeitswelt ein zentrales Anliegen
der österreichischen Sozialpartner ist und in den kommenden Jahren
sein wird".

Auch EU-Kommissar Spidla untermauerte die zentrale Bedeutung des
starken Engagements der Sozialpartner für dieses Thema:
"Partnerschaft und sozialer Dialog sind von zentraler Bedeutung, um
die effektive Umsetzung der notwendigen Reformen an der Basis
sicherzustellen. Ihr Einsatz ist auch wichtig im Rahmen des sozialen
Dialogs auf europäischer Ebene, um den Beitrag der Sozialpartner zur
EU Strategie für Wachstum und Beschäftigung voranzubringen." Eine
umfassende Strategie aktiven Alterns stehe mit gutem Grund weit oben
auf der Sozialpolitischen Agenda, die die Europäische Kommission vor
kurzem vorgelegt habe: "In den letzten 40 Jahren ist die
Lebenserwartung in der EU um acht bis zehn Jahre gestiegen. Im selben
Zeitraum jedoch ist die Zahl der älteren Arbeitnehmer kontinuierlich
gesunken. So sind heute in Europa nur 40% der 55- bis 64-Jährigen
erwerbstätig." Dies sei weit entfernt von dem EU-Ziel, eine
Beschäftigungsquote von 50% für diese Altersgruppe zu erreichen. In
Österreich liegt die Beschäftigungsquote älterer Arbeitnehmer gar nur
bei 30%, was Spidla für eine vorrangige politische Herausforderung
für die heimische Politik hält. Denn die EU gibt zwar einen
koordinierten Handlungsrahmen vor und biete Unterstützung durch den
Sozialfonds, aber damit der "Motor zur Beschäftigung Älterer" auch
laufe, brauche man den Reformwillen und die konsequente Umsetzung in
den Mitgliedsstaaten.

Die notwendigen Vorraussetzungen, um das gemeinsame Ziel, die
Menschen länger im Berufsleben zu halten, umriss Herbert Tumpel,
Präsident der Bundesarbeitskammer, in seinem Eröffnungsstatement.
Neben dem lebenslangen Lernen und der innerbetrieblichen
Weiterbildung besonders für ältere Arbeitnehmer hält Tumpel vor allem
die gesundheitliche Vorsorge für eine Hauptvoraussetzung: "Das
Eindämmen systematischer einseitiger Belastungen auch in der
Arbeitswelt muss schon rechtzeitig ansetzen, was diesen Prozess
durch die längere Vorlaufzeit sicher schwieriger macht als etwa das
schon erfolgreiche Modell der Unfallvermeidung." Für das gemeinsame
Anliegen sei es auch unbedingt notwendig, dass insgesamt genug
Arbeitsplätze geschaffen würden. Man müsse konsequent und rechtzeitig
mit den notwendigen Programmen beginnen, denn "es brennt unter den
Nägeln", so der AK-Präsident.

Erste Schritte, wie die Entlastung von Arbeitszusatzkosten für
ältere Mitarbeiter, neue Arbeitszeitmodelle (z.B.Arbeitsteilzeit),
eine Abflachung der Einkommenskurve durch neue Entgeltsysteme,
Maßnahmen des Arbeitsmarktservice für Betriebe und Arbeitskräfte,
neue Beratungsleistungen oder technische Entwicklungen, die die
physischen Belastungen und damit altersbedingte
Abnützungserscheinungen gering halten, seien bereits gesetzt, so
Markus Beyrer, Generalsekretär der Industriellenvereinigung. Man
brauche aber weitere Verbesserungen der Rahmenbedingungen seitens der
Politik, um den Anteil älterer Menschen in der Arbeitswelt zu
steigern. Er könne sich die Anhebung des bereits bestehenden
allgemeinen Ausbildungsfreibetrages von 20% auf 40% für über
45-jährige Mitarbeiter ebenso vorstellen, wie die Senkung des
Beitrages zur Unfallversicherung und des Wohnbauförderungsbeitrages
(jeweils um 0,2 Prozentpunkte) und in weiterer Folge auch die Senkung
des Insolvenzbeitrages. Keinesfalls dürfe es aber neue rechtliche und
bürokratische Erschwernisse, Hemmnisse oder Kosten geben, denn das
wäre zur Beschäftigung Älterer kontraproduktiv.

Die heutige Veranstaltung soll einen Überblick über die
Erfahrungen aus anderen Ländern geben und gleichzeitig Beispiele
betrieblicher Praxis näher bringen.Die vielen Beispiele auf der
gemeinsamen website www.arbeitundalter.at zeigen auf, wie sich
Unternehmer auf eine älter werdende Belegschaft aktiv einstellen
können. Denn, so EU-Kommissar Spidla abschließend: "Unsere Zukunft
wird wesentlich davon abhängen, dass wir das wachsende Potential
aktiven Alterns nutzen. Ältere Arbeitnehmer sind essentiell für
nachhaltiges wirtschaftliches Wachstum, steuerliche Einnahmen und
tragfähige Sozialschutz- und Pensionssysteme. Sie sind nicht Teil des
Problems in Europa - sie sind ein Teil der Lösung." (EBK)

OTS0244    2005-04-29/13:30

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