- 29.04.2005, 10:10:07
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Medizinische Universität: Broukal - Konkurrenzsituation und beschränkte Plätze Folge der Unterfinanzierung
Wien (SK) Viele Dinge, die von Studierenden als
"schicksalsartig" begriffen würden, wie etwa die Konkurrenzsituation
und die beschränkten Praktikumsplätze, seien "nicht gottgegeben und
auch nicht natürlich", sondern "Konsequenz dessen, wie wenig Geld den
Universitäten gegeben wird", unterstrich SPÖ-Wissenschaftssprecher
Josef Broukal am Donnerstagabend anlässlich einer von der
SPÖ-Zukunfts- und Kulturwerkstätte veranstalteten Podiumsdiskussion
zum Thema "Medizincurriculum neu - Welche ÄrztInnen braucht
Österreich?" Die Mittel seien nicht ausreichend, kritisierte Broukal.
Broukal bekräftigte, dass die SPÖ dafür stehe, "die österreichischen
Universitäten wieder ausreichend zu finanzieren". ****
Dutzende Studierende nützten die Anwesenheit von Rektor Schütz um
Einsicht in ihre Prüfungsunterlagen zu fordern. Andere Studierende
beklagten, dass sie mit dem Medizinstudium von vorne beginnen
müssten, sollte die Medizin-Uni Wien ihnen nicht letzte Prüfungen
nach dem alten Studienplan ermöglichen. Josef Broukal wird auf
Einladung von Vizerektor Mallinger als Mediator bei den vereinbarten
Einzelaussprachen zu diesem Thema tätig sein.
Carmen Fischer, VSStÖ-Spitzenkandidatin für die Medizinische
Universität Wien (MUW) zur ÖH-Wahl, kritisierte, dass man zwar mehr
ÄrztInnen wolle, gleichzeitig aber immer neue Beschränkungen an den
Universitäten einführe.
In Österreich liege nach wie vor keine öffentlich einsehbare
Studie darüber vor, wie viele ÄrztInnen eigentlich gebraucht würden,
rief Broukal ins Gedächtnis - und das, "obwohl dies eine der
grundlegenden Voraussetzungen dafür wäre, zu sagen, wie viel Geld die
medizinischen Universitäten benötigen". Zwar scheine es im Moment so
zu sein, als gebe es genug ÄrztInnen, die Prognosen für die Zukunft
deuteten allerdings an, dass es zu Problemen kommen werde, so Broukal
mit Hinweis auf das Problem der Überalterung. So werde in dreißig
Jahren der Anteil der Unter-15-Jährigen 15 Prozent ausmachen, während
die Zahl der Über-60-Jährigen auf 32 Prozent ansteige. Auch ein Blick
auf die stetig wachsende Zahl jener, die krankheits- und
invaliditätsbedingt vorzeitig aus dem Erwerbsleben ausscheiden
müssten, lege nahe, dass in Zukunft mehr Ärzte gebraucht würden,
merkte Broukal an. Auch hier vermisse er aussagekräftige Statistiken,
die das Sterbealter mit den ausgeübten Berufen korrelieren.
Das österreichische Gesundheitssystem sei in Gefahr, ausgehungert zu
werden. Derzeit sei es immer noch ein gutes. Dafür spreche auch der
Umstand, dass die Österreicher im Schnitt ein Jahr länger lebten als
etwa die Deutschen - und dies trotz der Tatsache, dass man in
Österreich 7,9 Prozent des BIP für Gesundheit ausgebe, während die
Deutschen mit rund 13 Prozent wesentlich mehr dafür aufwendeten.
Daher sei es auch noch möglich, "Verbesserungen zu finanzieren, ohne
international durch die Decke zu schießen", hob Broukal hervor.
Gleichwohl sei "die Gefahr sehr groß, dass das öffentliche
Gesundheitssystem in seinen Leistungen so reduziert wird, dass jeder,
der sich's leisten kann, eine private Versicherung nimmt" - in
Österreich täten dies schon eine Million Menschen, warnte Broukal. Da
müsse man "gut aufpassen, dass wir nicht eine Medizin bekommen, wo es
heißt: Wenn du arm bist, stirbst du früher". Österreich dürfe nicht
zu einem Land werden, in dem man in der Krankenhaus-Aufnahme nach der
Kreditkarte gefragt wird und nicht nach seinen Beschwerden, stellte
Broukal klar.
Die Podiumsdiskussion würde offenbar von vielen Studierenden als
"Aussprache" mit Rektor und Vizerektor genutzt, formulierte Broukal
angesichts des Umstands, dass viele Studierende auf Mängel bei der
Einsicht in Prüfungsergebnisse und Unzulänglichkeiten hinsichtlich
der Übergangsfristen zwischen altem und neuem Studienplan aufmerksam
machten. Der SPÖ-Wissenschaftssprecher unterstrich, dass "Studierende
als erwachsene Menschen ein Recht auf volle Partizipation" hätten.
Eine Studienplanumstellung sei eine "großangelegte Sache", bei der es
"reiner Zufall wäre, wenn es von Anfang an funktionieren würde". Hier
müsse das System "recht kurzfristig" aus den Erfahrungswerten jener
lernen, die "erleiden", was sich etwa die Curriculardirektoren
ausdächten. Für die Causa der mangelhaften Prüfungseinsicht regte
Broukal die Einführung mündlicher Besprechungen an, eine weitere
Möglichkeit sei die Ausweitung von "Begegnungsflächen und
Begegnungsmöglichkeiten" zwischen Studierenden und Lehrenden.
Auch bezüglich des Problems der Übergangsfristen bot sich der
SPÖ-Wissenschaftssprecher als Mediator an. Die betroffenen
Studierenden sollten sich mit den Professoren zusammensetzen und der
Politik bekannt geben, welche Fristerstreckung gebraucht würde.
Broukal versprach, dass es "nicht an einer Gesetzesänderung liegen
wird", wenn es darum geht, dieses Problem zu lösen - hier bestehe
unter den Wissenschaftssprechern der vier Parteien Konsens. Gerade
vor dem Hintergrund, dass nur eine recht kleine Gruppe von rund 100
Studierenden mit diesem Problem konfrontiert seien, müsse es möglich
sein, individuelle Lösungen im Sinne "maximaler Rücksichtnahme und
Großzügigkeit" zu finden, unterstrich Broukal. (Schluss) mb
OTS0084 2005-04-29/10:10
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