• 25.04.2005, 13:01:31
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Geschichtsverbunden und zukunftsorientiert: Gewerkschaft Bau-Holz feiert

GBH: 138 Jahre und 60 Jahre in der 2. Republik für die ArbeiterInnen

Wien (GBH/ÖGB) - Die Gewerkschaft Bau-Holz (GBH) feierte ihr
60-jähriges Bestehen in der 2. Republik heute mit einem
Fest-Bundesvorstand.
Vor den zahlreichen geladenen Gästen führte Dr. Walter Göhring durch
ein abwechslungsreiches Programm.++++

Eröffnet wurde der Fest-Bundesvorstand durch ÖGB-Präsident Fritz
Verzetnitsch und GBH-Bundesvorsitzenden Johann Driemer.

ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch ging in seiner Begrüßungsrede auf
die Bedeutung der Gewerkschaft Bau-Holz für den ÖGB ein und betonte,
dass die GBH mit Josef Hesoun nicht zuletzt auch einen Sozialminister
gestellt hat, der wesentlich zur sozialen Sicherheit in Österreich
beigetragen hat. Verzetnitsch: "Gerade die Bau- und Holzarbeiter
haben immer wieder hervorragende Arbeit für die Demokratie
geleistet."

Verzetnitsch kritisierte in seiner Rede die Versäumnisse der
Bundesregierung vor allem in Hinblick auf die hohe Arbeitslosigkeit.
272.000 Menschen in Österreich sind ohne Beschäftigung, dazu kommen
noch Tausende Arbeitssuchende, die sich in Schulungen befinden. Es
nütze den arbeitslosen Menschen gar nichts, so Verzetnitsch, wenn die
Verantwortlichen der Bundesregierung die derzeitige
Arbeitsmarkt-Situation mit internationalen Vergleichen schönzureden
versuchen.

Verzetnitsch endete mit einem Ausblick auf die Zukunft und die
zukünftige Arbeit des ÖGB und der Gewerkschaften: "Verstummen werden
wir nie. Denn wir werden Politik machen, bevor die anderen mit uns
Politik machen."

GBH-Bundesvorsitzender Johann Driemer betonte in seiner
Begrüßungsrede die Bedeutung der Gewerkschaft Bau-Holz im ÖGB ebenso
wie für die Durchsetzung von ArbeitnehmerInnen-Interessen. Driemer
wörtlich: "In einer immer unmenschlicher werdenden Zeit des
Finanzkapitals und der Globalisierung haben die nationalen und
internationalen Gewerkschaftsverbände eine besondere Aufgabe und
Verantwortung für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Diese
Verantwortung nehmen die Gewerkschaften heute in immer größerem
Ausmaß in internationaler Zusammenarbeit wahr. Denn in Zeiten einer
weltweiten Globalisierung ist es unbedingt notwendig, gemeinsam mit
internationalen Partnergewerkschaften eine 'soziale Globalisierung'
als Gegenpol zu schaffen."

Es waren die Bau-Holz-Gewerkschafter Josef Battisti und Johann
Böhm, die noch in den letzten Kriegstagen wesentlich zur Gründung des
überparteilichen ÖGB beigetragen haben. Die Gewerkschaft Bau-Holz
wurde ebenfalls bereits am 16. April 1945 gegründet und stellte mit
Johann Böhm nicht nur den ersten Präsidenten des ÖGB, sondern auch
einen weiteren ÖGB-Präsidenten, Minister, Abgeordneten und sogar
Nationalratspräsidenten. Immer standen dabei die Interessen der
ArbeitnehmerInnen im Vordergrund.

Die größten Erfolge der GBH in ihrer Geschichte waren die
Einführung eines Urlaubsrechts für Bauarbeiter 1946, die ersten
Bundeskollektivverträge, die abgeschlossen wurden, 1948, die massive
Mithilfe an der Niederschlagung des Kommunisten-Aufstandes 1950, das
Schlechtwetterentschädigungsgesetz 1954, die Urabstimmung der
Bauarbeiter 1960, die ersten Abfertigungsansprüche für Bauarbeiter
1972, die Aktivitäten der GBH zur Konjunkturbelebung u.a. 1969, 1975,
1986, 1988 und 1996, das Bauarbeiter-Urlaubs- und Abfertigungsgesetz
1987, das Jahresbeschäftigungsmodell für die Bauarbeiter 1996, die
Erfolge bei der Reduzierung von Baustoffgewichten seit 1999, die
"Abfertigung Neu" 2002 und nicht zuletzt die stetige
Weiterentwicklung der Löhne und Arbeitsbedingungen durch
Kollektivvertragsverhandlungen. Die soziale Kälte der letzten Jahre
hat viele weitere soziale Maßnahmen verhindert - es ist dem ÖGB und
den Gewerkschaften allerdings immer wieder gelungen, die größten
Härten in neuen Gesetzen zu verhindern.

Zeitzeugen-Gespräche

Zeitzeugen erfüllten die Geschichte der GBH mit Leben: So erzählte
Else Wappenik, eine GBH-Mitarbeiterin der ersten Stunde seit 1945,
Gewerkschaftsgeschichte "von innen", während Koll. Alfred Ströer,
Widerstandskämpfer und überzeugter Gewerkschafter, einen Überblick
über die politischen Geschehnisse geben konnte.

Herbert Glaser, Wiener Landesobmann der Gewerkschaft Bau-Holz,
Landtagsabgeordneter und Direktor der "Neuen Heimat" a.D., erklärte
die Beweggründe, warum die Gewerkschaft Bau-Holz sich beim "Sozialen
Wohnen" engagierte: Es war eines der größten Anliegen der 50er und
frühen 60er-Jahre, den Arbeiterfamilien leistbares und dennoch
qualitätsvolles Wohnen zu ermöglichen. Das bewerkstelligte die GBH
einerseits durch das Engagement bei sozialen Wohnbaugenossenschaften,
andererseits bei der heute noch berühmten "SW-Möbelaktion", die es
den Arbeiterfamilien ermöglichte, zu leistbaren Preisen
Qualitätsmöbel aus Österreich zu kaufen.

Johann Köteles, ehemaliger Leitender Zentralsekretär der
Gewerkschaft Bau-Holz und Nationalratsabgeordneter a.D., beleuchtete
in seinen Ausführungen unter anderem auch das Prinzip der
Sozialpartnerschaft, während Franz Hackl, Mitglied des
Hauptvorstandes (heute Bundesvorstand) der Gewerkschaft Bau-Holz und
Kammerrat a.D, die Überparteilichkeit des ÖGB und der GBH aus der
Sicht eines Funktionärs aus der Fraktion Christlicher Gewerkschafter
beleuchtete.
GBH-Bundessekretär Anton Korntheuer berichtete u.a. über die wichtige
Arbeit der GBH bei der Umsetzung eines Jahresarbeitszeitmodells und
anderer sozialer Errungenschaften für die Bau- und HolzarbeiterInnen
und über das Engagement der GBH im Bereich des
ArbeitnehmerInnenschutzes.
Die GBH schaut aber nicht nur in die Vergangenheit, sondern auch in
die Zukunft. Erich Thullner, Mitglied des Bundesvorstandes der
Gewerkschaft Bau-Holz und Ausbilder beim bfi Wien, berichtete über
die Anforderungen der Zukunft für die Gewerkschaftsbewegung.

ÖGB, 25. April
2005
Nr. 249

OTS0153    2005-04-25/13:01

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