• 20.04.2005, 14:31:43
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  • OTS0213 OTW0213

Riegler: Globalisierung bedroht ländlichen Raum

Wien (OTS) - "Die ab etwa 1990 immer massiver einsetzende
Globalisierung von Teilbereichen der Wirtschaft führt zu enormen
Auswirkungen auf die standortgebundenen Unternehmen und damit
insbesondere auf strukturschwächere ländliche Regionen. Das schafft
nicht nur eine problematische Schieflage in Bezug auf die
Wettbewerbssituation, sondern ist auch eine der Ursachen für die
immer schwieriger werdende Lage in den öffentlichen Haushalten - von
der Gemeinde bis zum Staat. Alle Bemühungen der EU um Ankurbelung des
Wirtschaftswachstums, Bewältigung des riesigen Problems der
Arbeitslosigkeit sowie Sanierung der öffentlichen Haushalte werden
solange nicht zielführend sein, solange man nicht mit aller Energie
beginnt, gegen die immer bedrohlicher werdende globale Schieflage
anzukämpfen. Immer mehr Ideen und Konzepte für die Überwindung der
größten globalen Ungerechtigkeiten stehen zur Diskussion", resümierte
der Präsident des Ökosozialen Forums Österreich, Vizekanzler a. D. DI
Dr. h. c. Josef Riegler, bei der vom Österreichisch-Französischen
Zentrum für Annäherung in Europa und dem Ökosozialen Forum Österreich
veranstalteten Kongress über "Die ländliche Entwicklung im
erweiterten Europa' in Budapest am 18. und 19. April 2005.

Beispielhaft sind die Millenium-Entwicklungsziele der UNO vom Jahr
2000 zu nennen, die das Ziel verfolgen, bis 2015

- die ärgste Armut (weniger als 1 US-Dollar pro Tag) zu halbieren,
 - jedem Kind eine Grundschulausbildung möglich zu machen,
 - die Situation für die Frauen entscheidend zu verbessern,
 - Aids, Malaria und andere Krankheiten zu bekämpfen,
 - bezüglich der Ressourcenzerstörung eine Trendwende herbeizuführen
   und
 - eine partnerschaftliche Entwicklungszusammenarbeit sicherzu-
   stellen.

Wenn man diese Ziele wirklich ernst nimmt, dann braucht man dafür
zusätzliche Mittel. Daher gibt es diesbezüglich eine Reihe von
Vorschlägen:

- Staatspräsident Jacques Chirac fordert die Einführung einer
   Kapitaltransferabgabe, eine angemessene Besteuerung von
   Unternehmensgewinnen transnationaler Konzerne und Lenkungs-
   abgaben auf Treibhausgase, Waffenhandel und internationale
   Lotterien.
 - Großbritannien hat für die Periode seiner EU-Ratspräsidentschaft
   und G8-Präsidentschaft prioritär die Themen neue
   Finanzierungsquellen für Entwicklungszusammenarbeit, Hilfe für
   Afrika, Nachhaltigkeit und die Schaffung eines Global Marshall
   Plan vorgesehen.

Im Jahr 2004 entwickelten daher der Club of Rome, das Ökosoziale
Forum Europa, der Club of Budapest, die Stiftung Weltvertrag und eine
Reihe anderer befreundeter Organisationen und Persönlichkeiten das
Projekt "Global Marshall Plan für eine weltweite Ökosoziale
Marktwirtschaft' und stellten es der Öffentlichkeit vor.

Hauptziel dieser Initiative ist eine Win-win-Strategie im Sinne
eines "Weltwirtschaftsprogramms'. Dabei geht es konkret um:

1. faire Entwicklungschancen für alle durch ausreichende und
    innovative Finanzierung der Millenium-Entwicklungsziele,
 2. faire Marktwirtschaft für alle durch verbindliche soziale,
    ökologische und prozedurale Standards in allen globalen
    Institutionen (Welthandelsorganisation etc.) sowie Ko-
    Finanzierung bei Einführung dieser Standards und Marktöffnung.
 3. Durch die Schaffung einer bescheidenen Kaufkraft für die drei
    Milliarden ärmsten Menschen der Welt, durch vielfältige
    Investitionsimpulse infolge der Realisierung der Millenium-
    Entwicklungsziele und einen dadurch ausgelösten Wachstumsschub
    besteht die Chance auf ein "Weltwirtschaftswunder und
    Beschäftigung.

'Wohlstand für alle' als Markenzeichen der Ökosozialen
Marktwirtschaft könnte zu einer Erfolgsstrategie für den gesamten
Globus werden.

OTS0213    2005-04-20/14:31

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