- 12.04.2005, 12:26:59
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Medizinstudium: Ärztekammer für Zugangsbeschränkungen
Brettenthaler: "Zugangsbeschränkungen werden im Bereich der Medizin-Unis unumgänglich" - Lage mehr als angespannt - Bundesregierung soll nicht auf EuGH-Urteil warten
Wien (OTS) - Der Präsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK),
Dr. Reiner Brettenthaler, hat sich für die Einführung eines
propädeutischen Jahres im Vorfeld des Medizinstudiums ausgesprochen.
In dieser Orientierungsphase sollten sowohl Studenten als auch
Universitäten anhand verschiedener Tests die Gelegenheit haben, die
subjektive und objektive Eignung für das Studium zu prüfen, forderte
Brettenthaler in einer Aussendung am Dienstag. Generell sei eine
quantitative Beschränkung der Studienplätze unumgänglich, da das
moderne Medizinstudium mehr Wert auf praktische Übungen in
Kleingruppen und Patientenkontakte lege als früher, berichtete
Brettenthaler. Die Bundesregierung solle daher nicht erst die
Entscheidung des EuGH abwarten, sondern den Universitäten noch vor
dem Wintersemester durch geeignete gesetzliche Maßnahmen den Weg für
professionelle Zulassungsverfahren zu öffnen. Brettenthaler: "Das ist
ein Gebot der Fairness den jungen Menschen gegenüber."
Die Qualität der Ausbildung an den Medizinischen Universitäten sei
schon jetzt durch Geldmangel und den jährlich steigenden Zahl von
Medizinanfängern gefährdet, sagte Brettenthaler. "Es gibt daher keine
andere Möglichkeit, die Qualität des Medizinstudiums sicher zu
stellen, als die Zahl der Studenten an die personellen,
organisatorischen und materiellen Gegebenheiten anzupassen", meinte
Brettenthaler. Benötigt würde außerdem eine langfristige
Ärzte-Bedarfsplanung. Diese sollte durch ein unabhängiges
Expertengremium, an dem die Ärztekammer nicht notwendigerweise
beteiligt sein muss, erarbeitet werden. Seit Jahren schon würden
Tausende von Ärzten zuviel ausgebildet, erläuterte der ÖÄK-Chef.
"Auch diese Bedarfsplanung sollte man forcieren, um den
Studienanfängern zu zeigen, wie die späteren Berufsaussichten
aussehen", forderte Brettenthaler.
Der Präsident der Österreichischen Ärztekammer nahm mit seiner
Aussendung auf die heutige Presseberichterstattung über das in Kürze
zu erwartende EuGH-Urteil zum österreichischen Hochschulzugang für
ausländische Studenten bezug. Beobachter erwarten, dass die hiesige
Regelung, wonach ausländische Studenten in Österreich einen
Studienplatz in ihren Heimatländern vorweisen müssen, um hierzulande
studieren zu können, fallen wird. Österreich will mit einem Antrag
auf Wiedereröffnung des Verfahrens gegen die Verurteilung wegen
Diskriminierung ausländischer Studenten ankämpfen.
OTS0131 2005-04-12/12:26
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