- 05.04.2005, 13:58:56
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Produktion im 21. Jahrhundert: Österreichs Industrie für Internationalisierung gerüstet
Führende Unternehmer und Wirtschaftsexperten erörtern Zukunft der industriellen Fertigung
Wien (PWK240) - Industrielle Produktion wird künftig noch
verstärkt dort stattfinden, wo die Gesamtkosten am günstigsten sind.
Moderne Kommunikationsmittel und geringe Transportkosten machen dies
möglich. Weniger klar ist, wie großräumig - oder auch wie kleinräumig
- diese Arbeitsteilung sein wird. Ob sie letztlich doch eher regional
oder tatsächlich global sein wird. Welche Kernkompetenzen in den
traditionellen Industrieländern verbleiben (oder auch neu gebildet)
werden. Und, nicht zuletzt, wie dieser Weg der Unternehmen in eine
ungewisse, spannende und chancenreiche Zukunft durch Politik und
andere "stakeholders" bestmöglich begleitet werden kann - Das sind
einige der Thesen, mit denen sich die neueste Ausgabe der
Fachpublikation "industrie aktuell" auseinandersetzt. In dem heute,
Dienstag, dazu stattgefundenen Pressegespräch, erörterten namhafte
Unternehmer und Wirtschaftstreibende ihre Positionen zur Zukunft der
industriellen Produktion.
Alfred Brogyányi, Präsident der Kammer der Wirtschaftstreuhänder
Österreichs, näherte sich diesem Thema aus Sicht der
Wirtschaftstreuhänder, die längst über die nationale Perspektive
hinaus gewachsen sind: "Wirtschaftstreuhänder sind heute
selbstverständlich in der Lage, ihre Klienten über die Grenzen hinweg
begleiten." Viele Unternehmen haben ihre ersten Schritte der
Internationalisierung über die offenen Grenzen in die neuen
EU-Mitgliedsländer gesetzt. "Die Kammer der Wirtschaftstreuhänder hat
vielfältige Aktivitäten gesetzt, um den Informationsfluss und die
persönliche Begegnung über diese offenen Grenzen hinweg zu
intensivieren", betonte Brogyányi. Offene Grenzen bedeuten - bei
Vorliegen der entsprechenden Qualifikationen - auch, dass
Steuerberater und Wirtschaftstreuhänder ihre Dienstleistungen in
anderen EU-Ländern anbieten können.
Für Christian Helmenstein, Leiter der Abteilung Industriepolitik &
Ökonomie der Industriellenvereinigung, befindet sich Österreich in
einer günstigen Ausgangsposition. Mit einem Exportwachstum von 450
Prozent seit 1980 liegt Österreich im internationalen Vergleich sehr
gut. So verzeichneten die USA im selben Zeitraum ein Exportwachstum
von knapp 230 Prozent, Deutschland ein Plus von 285 Prozent und Japan
263 Prozent. "Aus dieser Perspektive zeigt sich, dass der Beitritt
Österreichs zur EU und eine rasche Erweiterung ein enormes
Wachstumspotential freigesetzt hat", so Helmenstein. Spektakulär sei
dagegen das Exportwachstum Chinas, das sich innerhalb von 23 Jahren
ver24facht habe.
Der IV-Ökonomieexperte sieht vom sich intensivierenden Wettbewerb
zunehmend auch Hochtech¬nologiebereiche betroffen: "Die
Intensivierung des Wettbewerbs erfasst inzwischen auch
Wirtschaftszweige, die sich bis dato nicht der Konkurrenz von
Niedriglohnstandorten ausgesetzt sahen." Insbesondere die neuen
EU-Mitgliedsländer haben technologische Fortschritte erzielt, die
geradezu als "tektonische Veränderungen" zu bezeichnen sind. Daraus
erwächst eine enorme Herausforderung für den Produktionsstandort
Österreich und somit auch für die Standortpolitik. Helmenstein: "Es
gilt, den Wettbewerb selbst durch adäquate Regulierung besser zu
organisieren und laufend durchzusetzen. Zu einem funktionierenden
Europäischen Binnenmarkt, nicht zuletzt im Bereich der
(industrienahen) Dienstleistungen, gibt es keine attraktive
Alternative."
Investkredit-Generaldirektor Wilfried Stadler unterstreicht, dass
Österreichs Unternehmen hinsichtlich der neuen Herausforderungen
vielfach besser "aufgestellt" sind als ihre europäischen
Konkurrenten: "Österreichs Industrie ist im Umgang mit der
Binnenmarkt-Erweiterung - die nichts anderes ist als eine
‚Globalisierung vor der eigenen Haustür‘ - äußerst erfolgreich." Um
diesen Erfolg abzusichern sind weitere Maßnahmen zur Verbesserung der
Standortvoraussetzungen in Österreich notwendig: etwa in den
Bereichen Infrastruktur-, Bildungs- und Technologiepolitik.
Die größte Gefahr sieht Stadler darin, dass die internationalen
Spielregeln keineswegs ausreichen, ein globales "level playing field"
mit einigermaßen vergleichbaren Bedingungen für alle Konkurrenten zu
schaffen. Österreichs Unternehmen müssen vielfach gegen Konkurrenz
bestehen, die "oft ohne demokratische, soziale und ökologische
Mindeststandards operiert."
Der Unternehmer Klaus Woltron (Minas-Gruppe) skizziert das Bild
einer durch internationale Konkurrenz stark bedrohte Industrie in den
(westlichen) "Industrieländern": Die Infrastruktur in den
Schwellenländern entwickle sich rasend schnell und der Stellenwert
von Forschung und Entwicklung nehme gerade dort rasend zu.
Gleichzeitig sieht Woltron reits aufgrund der Trends in den
Nachbarländern (Ungarn, Tschechien, usw.), dass sich aufgrund der
steigenden Sozialstandards und der wachsenden Gehälter und Löhne die
Industrie bereits weiter in die Ukraine und nach Weißrussland
verlagere: "Es bildet sich ein Gürtel, der positiv für Zentraleuropa
sein wird, weil ein Ausgleich entsteht."
Sein Konzept eines arbeitsplatzwirksamen und umweltneutralen Weges
ist die verstärkte Hinwendung zur Befriedigung der persönlichen
Bedürfnisse der Menschen in den Bereichen Bildung, Kultur,
Gesundheit, Kinder- und Altenpflege, direkter Dienst am Menschen;
damit könnten Millionen neuer Arbeitsplätze geschaffen werden. "Die
Erschließung des Nachfragepotentials für persönliche
Dienstleistungen wird es ermöglichen, das Angenehme mit dem
Nützlichen zu verbinden."
Die Quartalszeitschrift "industrie aktuell" wird von IWI
(Industriewissenschaftliches Institut), Bundessparte Industrie (WKÖ)
, Industriellenvereinigung und Investkredit gemeinsam herausgegeben.
(us)
OTS0191 2005-04-05/13:58
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