• 05.04.2005, 09:47:39
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Bildungspolitik: Niederwieser ortet "Rückenwind" für SPÖ-Bildungsprogramm durch PISA und Zukunftskommission

SPÖ tritt im Unterschied zur ÖVP für ein chancengerechtes, zeitgemäßes Schulsystem ein

Wien (SK) Wer bei der nächsten Wahl für die ÖVP votiere,
nehme nicht nur in Kauf, dass diese weiterhin bei der Bildung spart,
sondern müsse auch mit der Möglichkeit eines Schulgelds rechnen,
warnte SPÖ-Bildungssprecher Erwin Niederwieser in seinem auf
Einladung der SPÖ-Währing gehaltenen Referat Montagabend zum Thema
"PISA-Studie - Ausgangspunkt einer neuen Bildungspolitik in
Österreich". Österreich sei zwischen den Jahren 2000 und 2003 in
allen PISA-Kategorien um mehrere Plätze zurückgefallen, besonders
erschreckend sei aber, dass ganze 20 Prozent der 15-Jährigen nicht
mehr sinnerfassend lesen könnten, so Niederwieser. Der SPÖ werde in
Umfragen die größte Kompetenz in Schul- und Bildungsfragen
zugesprochen, zudem habe man im SPÖ-Bildungsprogramm alle Punkte
vereint, die ein zeitgemäßes und chancengerechtes Bildungssystem
garantieren. Durch die Abschaffung der Zwei-Drittel-Mehrheit in
Schulfragen wolle sich die SPÖ für den Fall einer zukünftigen
Regierungsverantwortung "Spielraum für Reformen" schaffen, hob
Niederwieser hervor. ****

An zentralen Eckpunkten des SPÖ-Bildungsprogramms nannte
Niederwieser die sprachliche Frühförderung, ganztägige Schulformen,
eine gemeinsame Lehrerausbildung, Projekte und Maßnahmen zur
Qualitätssicherung sowie eine gemeinsame Schule bis zum 15.
Lebensjahr. Die sprachliche Frühförderung (etwa in den Kindergärten)
könne Sprach- und Kommunikationsproblemen in einem Alter begegnen, in
dem noch spielerisch und leicht gelernt wird, so Niederwieser. Hierzu
bedürfe es aber einer "gemeinsamen, nationalen Anstrengung", die sich
Bund, Länder und Gemeinden teilen müssten. Ganztägige Schulformen,
die Unterricht und Freizeit miteinander verschränken, würden Eltern,
Kinder, aber auch Lehrer entlasten, zudem sei eine solche Schulform
ein wichtiger Schritt in Richtung Vereinbarkeit von Beruf und
Familie, meinte Niederwieser. Weiters trete die SPÖ in ihrem
Bildungsprogramm für eine gemeinsame Lehrerausbildung an den neuen
pädagogischen Hochschulen ein, nicht zuletzt sei das auch eine
Maßnahme zur Qualitätssicherung der Lehrerausbildung.

Nach wie vor sei festzustellen, dass im gegenwärtigen Schulsystem
viel zu früh selektiert werde, hier sei eine gemeinsame Schule für
alle bis zum 15. Lebensjahr wünschenswert und erklärtes Ziel des
SPÖ-Bildungsprogramms. Dieser Schultyp habe eine individuelle
Ausrichtung etwa durch Projektgruppen im Auge. Darüber hinaus könnten
hier Alternativen zum gewohnten Notensystem, das bisher auch als
Auslese-Instrument diente, zur Anwendung kommen, beispielsweise
Tests, die die Güte der Zusammenarbeit zwischen Lehrern und Schülern
erheben. Die SPÖ sei "bildungspolitisch gut aufgestellt", was auch
daran ablesbar sei, dass sich einige Punkte aus dem
SPÖ-Bildungsprogramm in den Vorschlägen der Zukunftskommission
wiederfinden, wie etwa die einheitliche Lehrerausbildung, die
Ganztagsschule und die sprachliche Frühförderung, betonte
Niederwieser.

Die SPÖ wolle allen in einem integrativen System gerechte Chancen
geben, eine weitere Zielsetzung bestehe darin, sozio-ökonomische
Unterschiede auszugleichen, die durch das gegenwärtige Schulsystem
sogar noch verstärkt werden, meinte der SPÖ-Bildungssprecher, der
darauf hinwies, dass das SPÖ-Bildungsprogramm durch die PISA-Studien
2000 und 2003 sowie durch die Zukunftskommission "Rückenwind"
bekommen habe. PISA habe gezeigt, dass Österreich zwischen 2000 und
2003 in allen von PISA getesteten Kategorien (Lesen, Mathematik,
Naturwissenschaften) zurückgefallen ist, besonders schlimm sei auch,
dass 20 Prozent der 15-Jährigen nicht sinnerfassend lesen können -
doch die ÖVP reagiere darauf mit Mittelkürzungen und dem Streichen
von Lehrerposten.

Durch das Festhalten an der Zwei-Drittel-Mehrheit in Schulfragen sei
es zu einer Erstarrung des Bildungssystems gekommen, kritisierte der
SPÖ-Bildungssprecher. Der SPÖ sei es "dank" des Bremsklotzes ÖVP in
der Vergangenheit nicht möglich gewesen, Reformen durchzuführen.
Daher gelte es für die Zeit einer SPÖ-Regierungsverantwortung
"Spielraum" für nötige Reformen zu schaffen. Diese Reformvorschläge,
die von alternativen Beurteilungsmethoden über eine gemeinsame Schule
bis hin zur Ganztagsschule reichten, würden aber von einer
Reform-desinteressierten ÖVP bereits schlechtgeredet. Die ÖVP sei
offenbar an einem Schulsystem interessiert, das Unterschiede schafft
und Chancengerechtigkeit unterbindet, unterstrich der
SPÖ-Bildungssprecher. Gerade bezüglich jener Punkte, die den Menschen
wichtig sind, passiere von Seiten der ÖVP nichts - das sei auch in
der Bildungspolitik nicht anders, so Niederwieser.

Die SPÖ strebe eine chancen- und geschlechtergerechte Schule an, in
der eine positive Leistungsmotivation durch Orientierung an den
Interessen der Schüler im Vordergrund stehen müsse. Weiters gelte es,
die Mitbestimmung für Eltern, Schüler und Lehrer auszubauen, eine
Ausrichtung an den Interessen der Schüler vorzunehmen und eine Schule
zu ermöglichen, die berufliche Bildung gewährleistet, aber auch
Kinder mit Behinderungen und Lernschwierigkeiten integriert, meinte
der SPÖ-Bildungssprecher abschließend. (Schluss) mb

OTS0050    2005-04-05/09:47

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