UNFALLBILANZ 2004: VERKEHRSSICHERHEITSZIEL WIEDER VERPASST

Zahl der Unfälle, Verletzten und Getöteten sinkt, Ziele des Verkehrssicherheitsprogrammes aber in weiter Ferne

Wien (OTS) - Die gute Nachricht: Im österreichischen Straßenverkehr konnten 2004 bei Unfällen mit Personenschaden, bei den Getöteten und bei den Verletzten Rückgänge verzeichnet werden! "Nachdem wir 2003 bei den Unfällen und Verletzten Steigerungen hinnehmen mussten, ist das ein ermutigendes Signal", meint Dr. Othmar Thann, Direktor des Kuratoriums für Verkehrssicherheit. "Die Ziele des Österreichischen Verkehrssicherheitsprogrammes erreichen wir aber nur in sehr kleinen Schritten und eigentlich sind wir davon noch ziemlich weit entfernt." Das Jahr 2004 sollte nämlich ein Meilenstein mit zehn Prozent weniger Unfällen mit Personenschaden und 25 Prozent weniger Getöteten werden: Den angepeilten 37.110 Unfällen stehen aber 42.657 tatsächliche Unfälle gegenüber und statt 755 mussten 878 Menschen sterben.
"Wenn wir bis 2010 die Zahl der Getöteten auf rund 500 senken wollen, müssen wir uns gewaltig anstrengen", gibt Thann zu bedenken. Besonders negativ seien im letzten Jahr die Unfälle auf Autobahnen, Unfälle von Moped 15-Lenkern und Kindern als Fußgänger aufgefallen.

Das Jahr 2004 auf Österreichs Straßen

  • 42.657 Unfälle mit Personenschaden entsprechen einem Minus von 1,8 Prozent (2003: 43.426).
  • Die Zahl der Verletzten konnte ebenfalls um 1,8 Prozent auf 55.857 gesenkt werden (2003: 56.881).
  • 878 Getötete sind der niedrigste Wert seit Bestehen der Unfallstatistik und bedeuten einen Rückgang um weitere 5,7 Prozent (2003: 931).

Todesfalle Autobahn?

2003 sackte die Anzahl der Getöteten auf Autobahnen dramatisch nach unten, 2004 wurde dieser Erfolg aber wieder revidiert. Insgesamt 126 Menschen verloren ihr Leben im letzten Jahr auf der Autobahn und damit um 17 mehr als 2003. Besonders auffällig ist, dass fast ein Drittel davon in Folge eines Auffahrunfalles starb. "Bei dieser Unfallart verzeichnen wir auf Autobahnen einen Anstieg der Getöteten von 29 auf 38", weiß Thann. "Da liegt der Schluss nahe, dass die Autofahrer auf den Autobahnen zu schnell und mit zu geringem Abstand unterwegs sind." Tatsächlich fuhren 2004 23,2 Prozent der Autofahrer auf Autobahnen schneller als 130 km/h. Am Wechsel und im Wiener Kaisermühlentunnel sind mittlerweile Section Control-Anlagen im Einsatz, deren Nutzen sich schon in geringeren Unfall- und Getöteten-Zahlen dieser Abschnitte zeigt. Am 24. März 2005 wurde zusätzlich die Section Control-Anlage auf Österreichs längster Baustelle, der A1 zwischen Haid und Sattledt, in Betrieb genommen. "Um ein härteres Vorgehen gegen Temposünder kommen wir nicht herum, deshalb müssen die Toleranzgrenzen bei den Geschwindigkeitsmessungen reduziert werden", fordert Thann. Insgesamt gab es 2004 auf Österreichs Autobahnen 2.562 Unfälle (-2,3 Prozent) und 3.868 Verletzte
(-5,5 Prozent).

Keine Bewegung bei den Alkoholunfällen

Viel zu wenig tut sich bei den Alkoholunfällen. Gerade einmal sechs Alkoholunfälle weniger wurden 2004 registriert (2004: 2.835; 2003:
2.841), die Zahl der Verletzten sank sogar nur um 0,1 Prozentpunkte von 4.020 im Jahr 2003 auf 4.017 im letzten Jahr. "Das sollte uns sehr zu denken geben. An den Tageszeiten, zu denen die meisten Alkoholunfälle passieren, hat sich ja auch nichts geändert - eine gezielte Überwachung wäre also notwendig", streicht Thann hervor. Freitag bis Sonntag in den späten Abend- und frühen Morgenstunden herrscht "High Noon" bei den Alkohollenkern. Deswegen sollte gerade in diesen Zeitspannen besonders intensiv kontrolliert werden, mit Alkohol-Vortestgeräten wäre eine Verzehnfachung der Kontrolldichte möglich. Tatsache ist momentan aber, dass man in Österreich bestenfalls alle 33 Jahre in eine Alkoholkontrolle gerät - es gibt kaum ein europäisches Land, in dem Alkosünder leichter durchs Netz schlüpfen. Ein kontinuierlicher Negativ-Trend ist bei den Alkohollenkerinnen festzustellen. 2003 erreichte das weibliche Geschlecht mit 270 betrunkenen Fahrerinnen erstmals einen Anteil von zehn Prozent an den Alkohollenkern. 2004 stieg die Zahl um weitere neun Personen auf 279 Alkohollenkerinnen.

Moped 15 - Ungebrochener Anstieg bei Unfällen und Getöteten

Ursprünglich sollte der Mopedausweis für 15-Jährige jene Jugendlichen mobiler machen, deren Arbeitsplatz oder Schule nicht oder nur schwer mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen sind. Mittlerweile werden die kleinen heißen Öfen von den Jugendlichen scheinbar hauptsächlich für Freizeitaktivitäten genutzt - und das schlägt sich in den Unfallzahlen nieder. Mit 712 Unfällen (2003: 663) und 668 Verletzten (2003: 625) hielt der beunruhigende negative Aufwärtstrend bei 15-jährigen Mopedlenkern auch 2004 weiter an. Vier junge Menschen mussten sterben (2003: 2). Drei dieser tödlichen Unfälle waren Alleinunfälle, die zwischen 22 und 24 Uhr am Freitag oder Samstag passierten. Auf Selbstüberschätzung und geringe Fahrkenntnis ist es zurückzuführen, dass insgesamt 30 Prozent der Unfälle von Moped 15-Lenkern Alleinunfälle sind. In der neuen Führerscheingesetz-Novelle wird mit sechs Fahrstunden erstmals eine praktische Ausbildung vorgeschrieben. "Das ist ein erster Schritt zu mehr Sicherheit für die 15-jährigen Mopedlenker", ist Thann überzeugt. "Mit Blick auf die Unfallzahlen muss aber jedem klar sein, dass weitere Maßnahmen notwendig sind."

Kinder - am Schutzweg schutzlos

22 Kinder mussten 2004 im Straßenverkehr sterben, elf von ihnen waren als Fußgänger unterwegs (2003: 7 tote Kinder als Fußgänger). Bei den getöteten Kindern als Fußgänger ist das der höchste Wert seit 1998 und damit liegt Österreich auch im internationalen Vergleich auf den hinteren Rängen. "Erschreckend ist, dass Kinder auch auf Schutzwegen zunehmend schutzlos sind", ist Thann besorgt. "Kinderunfälle auf Schutzwegen sind 2004 um 11,9 Prozent auf 272 gestiegen und es wurden um 13,1 Prozent mehr Kinder auf Schutzwegen verletzt, nämlich 277."

197 dieser 272 Unfälle haben sich auf ungeregelten Schutzwegen ereignet. "Leider halten nur sechs von zehn Autofahrern vor einem Schutzweg an, das Vorbeifahrverbot an angehaltenen Schülertransporten wird oft ignoriert und im Ortsgebiet sind Autofahrer auch meistens viel zu schnell unterwegs", beschreibt Thann die Ursachen. Das Kuratorium für Verkehrssicherheit plädiert daher für mehr Kontrollen bei Schutzwegen, bessere Beleuchtung und Optimierungen bei der Planung. Eine effektive Gegenmaßnahme wäre auch die Installation von Rotlicht-Kameras, um die Kollisionen von Fußgängern mit Autofahrern, die bei Rot über die Kreuzung preschen, zu reduzieren. Aber auch auf geregelten Schutzwegen nahmen die Zusammenstöße mit den schwächsten Verkehrsteilnehmern bedenklich zu: 2004 wurden 75 Unfälle von Kindern auf geregelten Schutzwegen verzeichnet, 2003 waren es hingegen 57!

Motorräder - positiver Trend wegen Schlechtwetter

"Wir würden uns freuen, wenn die Abwärtsbewegung anhält. Es lässt sich aber nicht leugnen, dass es 2004 - im Gegensatz zu 2003 - kein tolles Motorradfahr-Wetter gab", erklärt Thann die rückläufigen Unfallzahlen bei Motorrädern und Leichtmotorrädern. Die Unfälle sanken um 8,3 Prozent auf 3.318 (2003: 3.617), die Zahl der Getöteten um 10,1 Prozent auf 98 (2003: 109) und jene der Verletzten um 8,1 Prozent auf 3.442 (2003: 3.744).
Unter den Motorradfahrern haben sich die Unfälle in den letzten zehn Jahren zwischen den 18- bis 24-Jährigen und den 35- bis 44-Jährigen immer stärker gleich verteilt. Hinter der Lenkstange sitzen heute viel mehr Vertreter der "Easy Rider-Generation" zwischen 35 und 44, denn das Motorrad ist zum Freizeit-Utensil für die gehobeneren Einkommensschichten geworden. Die geringe Fahrpraxis auf zwei schweren Rädern und Fehler im Umgang mit dem Motorrad sind in dieser Altersgruppe aber ebenfalls besonders ausgeprägt.

Lkw - Unfälle steigen

Sowohl bei den Lkw unter 3,5 Tonnen, als auch bei den Lkw über 3,5 Tonnen sind die Unfälle gestiegen. 2.172 Mal krachte es 2004 mit Brummis über 3,5 Tonnen (2003: 2.166). Auf Autobahnen war in jeden sechsten Unfall ein schwerer Lkw verwickelt, 36 Verkehrsteilnehmer erlitten dabei tödliche Verletzungen.
Lkw unter 3,5 Tonnen waren in 2.324 und damit um 1,1 Prozent mehr Unfälle verwickelt als 2003. Alarmierend ist die zunehmende Zahl der Verletzten bei Unfällen mit Klein-Lkw: 2004 kamen 3.225 Menschen zu Schaden, 2003 waren es 3.095. "Eine Ursache liegt darin, dass immer häufiger diverse Verbote mit Hilfe von Klein-Lkw umgangen werden", begründet Thann diesen Anstieg. "Die Fahrzeuge sind überladen, die Ladung ist schlecht gesichert, oft wird im Konvoi gefahren. Und das meistens viel zu schnell." Außerdem seien bei Klein-Lkw keine Lenk-und Ruhezeiten zu beachten. Um diese Gefahr in den Griff zu kriegen, fordert das KfV daher die Gleichstellung von Klein-Lkw mit schweren Lkw!

Verkehrssicherheitsprogramm - auf dem Weg zum Ziel?

Österreich hat noch einen langen Weg vor sich, wenn die Ziele des Verkehrssicherheitsprogrammes bis 2010 erreicht werden sollen. "Die Unfälle lassen aus heutiger Sicht keinen signifikanten Abwärtstrend erkennen. Deshalb wird die Schere wahrscheinlich auch bis 2010 weiter auseinander klaffen", befürchtet Thann. "Die Zahl der Getöteten nimmt zwar kontinuierlich ab, es müssen aber erst noch die vergangenen Jahre aufgeholt werden."

Das Kuratorium für Verkehrssicherheit fordert:
* Reduktion der Geschwindigkeits-Toleranzgrenzen
* Fahren mit Licht am Tag
* Einsatz von Vortestgeräten bei Alkoholkontrollen
* Schutzwege: Mehr Kontrollen, bessere Beleuchtung, Optimierung der Planung (auch im Streckenbereich der Schutzwege)
* Sanierung von Unfallhäufungsstellen
* Gleichstellung von Klein-Lkw mit schweren Lkw

Rückfragen & Kontakt:

Kuratorium für Verkehrssicherheit
Mag. Dolores Omann
Marketing & Kommunikation
Tel.: 01-717 70-225
E-Mail: dolores.omann@kfv.at

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