• 29.03.2005, 11:05:00
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UNFALLBILANZ 2004: VERKEHRSSICHERHEITSZIEL WIEDER VERPASST

Zahl der Unfälle, Verletzten und Getöteten sinkt, Ziele des Verkehrssicherheitsprogrammes aber in weiter Ferne

Wien (OTS) - Die gute Nachricht: Im österreichischen
Straßenverkehr konnten 2004 bei Unfällen mit Personenschaden, bei den
Getöteten und bei den Verletzten Rückgänge verzeichnet werden!
"Nachdem wir 2003 bei den Unfällen und Verletzten Steigerungen
hinnehmen mussten, ist das ein ermutigendes Signal", meint Dr. Othmar
Thann, Direktor des Kuratoriums für Verkehrssicherheit. "Die Ziele
des Österreichischen Verkehrssicherheitsprogrammes erreichen wir aber
nur in sehr kleinen Schritten und eigentlich sind wir davon noch
ziemlich weit entfernt." Das Jahr 2004 sollte nämlich ein Meilenstein
mit zehn Prozent weniger Unfällen mit Personenschaden und 25 Prozent
weniger Getöteten werden: Den angepeilten 37.110 Unfällen stehen aber
42.657 tatsächliche Unfälle gegenüber und statt 755 mussten 878
Menschen sterben.
"Wenn wir bis 2010 die Zahl der Getöteten auf rund 500 senken wollen,
müssen wir uns gewaltig anstrengen", gibt Thann zu bedenken.
Besonders negativ seien im letzten Jahr die Unfälle auf Autobahnen,
Unfälle von Moped 15-Lenkern und Kindern als Fußgänger aufgefallen.

Das Jahr 2004 auf Österreichs Straßen

* 42.657 Unfälle mit Personenschaden entsprechen einem Minus von 1,8
Prozent (2003: 43.426).
* Die Zahl der Verletzten konnte ebenfalls um 1,8 Prozent auf 55.857
gesenkt werden (2003: 56.881).
* 878 Getötete sind der niedrigste Wert seit Bestehen der
Unfallstatistik und bedeuten einen Rückgang um weitere 5,7 Prozent
(2003: 931).

Todesfalle Autobahn?

2003 sackte die Anzahl der Getöteten auf Autobahnen dramatisch nach
unten, 2004 wurde dieser Erfolg aber wieder revidiert. Insgesamt 126
Menschen verloren ihr Leben im letzten Jahr auf der Autobahn und
damit um 17 mehr als 2003. Besonders auffällig ist, dass fast ein
Drittel davon in Folge eines Auffahrunfalles starb. "Bei dieser
Unfallart verzeichnen wir auf Autobahnen einen Anstieg der Getöteten
von 29 auf 38", weiß Thann. "Da liegt der Schluss nahe, dass die
Autofahrer auf den Autobahnen zu schnell und mit zu geringem Abstand
unterwegs sind." Tatsächlich fuhren 2004 23,2 Prozent der Autofahrer
auf Autobahnen schneller als 130 km/h. Am Wechsel und im Wiener
Kaisermühlentunnel sind mittlerweile Section Control-Anlagen im
Einsatz, deren Nutzen sich schon in geringeren Unfall- und
Getöteten-Zahlen dieser Abschnitte zeigt. Am 24. März 2005 wurde
zusätzlich die Section Control-Anlage auf Österreichs längster
Baustelle, der A1 zwischen Haid und Sattledt, in Betrieb genommen.
"Um ein härteres Vorgehen gegen Temposünder kommen wir nicht herum,
deshalb müssen die Toleranzgrenzen bei den Geschwindigkeitsmessungen
reduziert werden", fordert Thann. Insgesamt gab es 2004 auf
Österreichs Autobahnen 2.562 Unfälle (-2,3 Prozent) und 3.868
Verletzte
(-5,5 Prozent).

Keine Bewegung bei den Alkoholunfällen

Viel zu wenig tut sich bei den Alkoholunfällen. Gerade einmal sechs
Alkoholunfälle weniger wurden 2004 registriert (2004: 2.835; 2003:
2.841), die Zahl der Verletzten sank sogar nur um 0,1 Prozentpunkte
von 4.020 im Jahr 2003 auf 4.017 im letzten Jahr. "Das sollte uns
sehr zu denken geben. An den Tageszeiten, zu denen die meisten
Alkoholunfälle passieren, hat sich ja auch nichts geändert - eine
gezielte Überwachung wäre also notwendig", streicht Thann hervor.
Freitag bis Sonntag in den späten Abend- und frühen Morgenstunden
herrscht "High Noon" bei den Alkohollenkern. Deswegen sollte gerade
in diesen Zeitspannen besonders intensiv kontrolliert werden, mit
Alkohol-Vortestgeräten wäre eine Verzehnfachung der Kontrolldichte
möglich. Tatsache ist momentan aber, dass man in Österreich
bestenfalls alle 33 Jahre in eine Alkoholkontrolle gerät - es gibt
kaum ein europäisches Land, in dem Alkosünder leichter durchs Netz
schlüpfen. Ein kontinuierlicher Negativ-Trend ist bei den
Alkohollenkerinnen festzustellen. 2003 erreichte das weibliche
Geschlecht mit 270 betrunkenen Fahrerinnen erstmals einen Anteil von
zehn Prozent an den Alkohollenkern. 2004 stieg die Zahl um weitere
neun Personen auf 279 Alkohollenkerinnen.

Moped 15 - Ungebrochener Anstieg bei Unfällen und Getöteten

Ursprünglich sollte der Mopedausweis für 15-Jährige jene Jugendlichen
mobiler machen, deren Arbeitsplatz oder Schule nicht oder nur schwer
mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen sind. Mittlerweile
werden die kleinen heißen Öfen von den Jugendlichen scheinbar
hauptsächlich für Freizeitaktivitäten genutzt - und das schlägt sich
in den Unfallzahlen nieder. Mit 712 Unfällen (2003: 663) und 668
Verletzten (2003: 625) hielt der beunruhigende negative Aufwärtstrend
bei 15-jährigen Mopedlenkern auch 2004 weiter an. Vier junge Menschen
mussten sterben (2003: 2). Drei dieser tödlichen Unfälle waren
Alleinunfälle, die zwischen 22 und 24 Uhr am Freitag oder Samstag
passierten. Auf Selbstüberschätzung und geringe Fahrkenntnis ist es
zurückzuführen, dass insgesamt 30 Prozent der Unfälle von Moped
15-Lenkern Alleinunfälle sind. In der neuen
Führerscheingesetz-Novelle wird mit sechs Fahrstunden erstmals eine
praktische Ausbildung vorgeschrieben. "Das ist ein erster Schritt zu
mehr Sicherheit für die 15-jährigen Mopedlenker", ist Thann
überzeugt. "Mit Blick auf die Unfallzahlen muss aber jedem klar sein,
dass weitere Maßnahmen notwendig sind."

Kinder - am Schutzweg schutzlos

22 Kinder mussten 2004 im Straßenverkehr sterben, elf von ihnen waren
als Fußgänger unterwegs (2003: 7 tote Kinder als Fußgänger). Bei den
getöteten Kindern als Fußgänger ist das der höchste Wert seit 1998
und damit liegt Österreich auch im internationalen Vergleich auf den
hinteren Rängen. "Erschreckend ist, dass Kinder auch auf Schutzwegen
zunehmend schutzlos sind", ist Thann besorgt. "Kinderunfälle auf
Schutzwegen sind 2004 um 11,9 Prozent auf 272 gestiegen und es wurden
um 13,1 Prozent mehr Kinder auf Schutzwegen verletzt, nämlich 277."

197 dieser 272 Unfälle haben sich auf ungeregelten Schutzwegen
ereignet. "Leider halten nur sechs von zehn Autofahrern vor einem
Schutzweg an, das Vorbeifahrverbot an angehaltenen Schülertransporten
wird oft ignoriert und im Ortsgebiet sind Autofahrer auch meistens
viel zu schnell unterwegs", beschreibt Thann die Ursachen. Das
Kuratorium für Verkehrssicherheit plädiert daher für mehr Kontrollen
bei Schutzwegen, bessere Beleuchtung und Optimierungen bei der
Planung. Eine effektive Gegenmaßnahme wäre auch die Installation von
Rotlicht-Kameras, um die Kollisionen von Fußgängern mit Autofahrern,
die bei Rot über die Kreuzung preschen, zu reduzieren. Aber auch auf
geregelten Schutzwegen nahmen die Zusammenstöße mit den schwächsten
Verkehrsteilnehmern bedenklich zu: 2004 wurden 75 Unfälle von Kindern
auf geregelten Schutzwegen verzeichnet, 2003 waren es hingegen 57!

Motorräder - positiver Trend wegen Schlechtwetter

"Wir würden uns freuen, wenn die Abwärtsbewegung anhält. Es lässt
sich aber nicht leugnen, dass es 2004 - im Gegensatz zu 2003 - kein
tolles Motorradfahr-Wetter gab", erklärt Thann die rückläufigen
Unfallzahlen bei Motorrädern und Leichtmotorrädern. Die Unfälle
sanken um 8,3 Prozent auf 3.318 (2003: 3.617), die Zahl der Getöteten
um 10,1 Prozent auf 98 (2003: 109) und jene der Verletzten um 8,1
Prozent auf 3.442 (2003: 3.744).
Unter den Motorradfahrern haben sich die Unfälle in den letzten zehn
Jahren zwischen den 18- bis 24-Jährigen und den 35- bis 44-Jährigen
immer stärker gleich verteilt. Hinter der Lenkstange sitzen heute
viel mehr Vertreter der "Easy Rider-Generation" zwischen 35 und 44,
denn das Motorrad ist zum Freizeit-Utensil für die gehobeneren
Einkommensschichten geworden. Die geringe Fahrpraxis auf zwei
schweren Rädern und Fehler im Umgang mit dem Motorrad sind in dieser
Altersgruppe aber ebenfalls besonders ausgeprägt.

Lkw - Unfälle steigen

Sowohl bei den Lkw unter 3,5 Tonnen, als auch bei den Lkw über 3,5
Tonnen sind die Unfälle gestiegen. 2.172 Mal krachte es 2004 mit
Brummis über 3,5 Tonnen (2003: 2.166). Auf Autobahnen war in jeden
sechsten Unfall ein schwerer Lkw verwickelt, 36 Verkehrsteilnehmer
erlitten dabei tödliche Verletzungen.
Lkw unter 3,5 Tonnen waren in 2.324 und damit um 1,1 Prozent mehr
Unfälle verwickelt als 2003. Alarmierend ist die zunehmende Zahl der
Verletzten bei Unfällen mit Klein-Lkw: 2004 kamen 3.225 Menschen zu
Schaden, 2003 waren es 3.095. "Eine Ursache liegt darin, dass immer
häufiger diverse Verbote mit Hilfe von Klein-Lkw umgangen werden",
begründet Thann diesen Anstieg. "Die Fahrzeuge sind überladen, die
Ladung ist schlecht gesichert, oft wird im Konvoi gefahren. Und das
meistens viel zu schnell." Außerdem seien bei Klein-Lkw keine Lenk-
und Ruhezeiten zu beachten. Um diese Gefahr in den Griff zu kriegen,
fordert das KfV daher die Gleichstellung von Klein-Lkw mit schweren
Lkw!

Verkehrssicherheitsprogramm - auf dem Weg zum Ziel?

Österreich hat noch einen langen Weg vor sich, wenn die Ziele des
Verkehrssicherheitsprogrammes bis 2010 erreicht werden sollen. "Die
Unfälle lassen aus heutiger Sicht keinen signifikanten Abwärtstrend
erkennen. Deshalb wird die Schere wahrscheinlich auch bis 2010 weiter
auseinander klaffen", befürchtet Thann. "Die Zahl der Getöteten nimmt
zwar kontinuierlich ab, es müssen aber erst noch die vergangenen
Jahre aufgeholt werden."

Das Kuratorium für Verkehrssicherheit fordert:
* Reduktion der Geschwindigkeits-Toleranzgrenzen
* Fahren mit Licht am Tag
* Einsatz von Vortestgeräten bei Alkoholkontrollen
* Schutzwege: Mehr Kontrollen, bessere Beleuchtung, Optimierung der
Planung (auch im Streckenbereich der Schutzwege)
* Sanierung von Unfallhäufungsstellen
* Gleichstellung von Klein-Lkw mit schweren Lkw

OTS0074    2005-03-29/11:05

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | KVS

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