RECHNET SICH VERKEHRSSICHERHEIT?

Internationale Verkehrs- und Wirtschaftsexperten beraten am 18. März in Wien, wie Verkehrssicherheitsmaßnahmen monetär bewertet werden können

Wien (OTS) - Es sind die spektakulären Unfälle, die im Gedächtnis bleiben. Gegen Geisterfahrer und Nebelraser verlangt die Öffentlichkeit rasche Gegenmaßnahmen, die auch berechtigt sind. Allerdings fordern nicht die spektakulären Unfälle die meisten Toten und Verletzten, sondern der "Straßenalltag" mit seinen zahlreichen Gefahrenquellen. Daher liegen dort auch die größten Möglichkeiten, um das Ziel des Österreichischen Verkehrssicherheitsprogrammes zu erreichen - nämlich weniger als 500 Verkehrstote bis 2010. Tatsache ist aber, dass sich die Ausgaben für Verkehrssicherheitsmaßnahmen nach den straffen Vorgaben des Staatsbudgets richten sollen - Kosten und Nutzen müssen einander gegenübergestellt werden.

Aber welche Bewertungsansätze sollen dafür herangezogen werden? Das von der Europäischen Kommission initiierte Experten-Netzwerk ROSEBUD (Road Safety and Environmental Benefit-Cost and Cost-Effectiveness Analysis for Use in Decision Making) geht der Frage nach, wie das bekannte Instrument der Kosten-Nutzen-Analyse auf Verkehrssicherheitsmaßnahmen übertragen werden kann. Am 18. März 2005 treffen sich rund 60 Verkehrssicherheits- und Wirtschaftexperten auf Einladung des Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV) in Wien, um zu beraten, welche Entscheidungswerkzeuge man der Politik in die Hand geben kann, um mit vorhandenen finanziellen Mitteln die größtmögliche Unfall-Reduktion zu erreichen. "Mit einheitlichen Bewertungsgrundlagen und Rechenmethoden können wir alternative Lösungen aufzeigen und klare Empfehlungen formulieren, wie etwa die Ziele des Österreichischen Verkehrssicherheitsprogrammes am effizientesten erreicht werden können", erklärt Dr. Othmar Thann, Direktor des KfV.

Kosteneffiziente Maßnahmen sind auch wirkungsvoll

"Die Forschung kann der Verkehrssicherheitspolitik helfen, die Folgen und die Effektivität von Maßnahmen abzuschätzen und sie dadurch auch aus Kostensicht vergleichbar zu machen", sagt Rune Elvik, Chief Research Officer beim norwegischen Institute of Transport Economics (TOI) und einer der führenden Experten im ROSEBUD-Projektteam. "Deshalb suchen wir auf europäischer Ebene nach einheitlichen Bewertungsmethoden für Unfallkosten, Schadstoffausstoß, Lärm und Wegzeiten." Untersuchungen in Norwegen und Schweden hätten gezeigt, dass sich 50 bis 60 Prozent der tödlichen Unfälle vermeiden lassen, wenn die Prioritäten für Sicherheitsmaßnahmen zukünftig konsequent auf der Kosten-Nutzen-Analyse basierend gesetzt werden. "Behält man die derzeitige Vorgehensweise bei, können innerhalb der nächsten zehn Jahre nur 10 bis 15 Prozent vermieden werden", weiß Elvik. ROSEBUD führt daher das international vorhandene Wissen und die Erfahrung bei der Anwendung monetärer Beurteilungsinstrumente aus Wissenschaft, Politik und Praxis zusammen und stellt so den Anwendern wichtige Informationen für ihre Aufgabenerfüllung zur Verfügung.

Ein kosteneffizientes Beispiel: Section Control im Kaisermühlentunnel

Die "Section Control"-Anlage im Wiener Kaisermühlentunnel wurde vom KfV einer Kosten-Nutzen-Analyse unterzogen. In den vier Jahren vor der Einführung der Section Control ereigneten sich dort im Schnitt jährlich sieben Unfälle mit Personenschaden (ein Getöteter, ein Schwerverletzter und zehn Leichtverletzte), die volkswirtschaftliche Unfallkosten bis zu einer Höhe von 1,1 Millionen Euro pro Jahr verursachten. Einzige Gegenmaßnahme war eine Radarbox, mit der die durchschnittliche Kfz-Geschwindigkeit von 85 km/h aber nicht reduziert werden konnte.
Der Bau der Section Control-Anlage kostete 1,5 Millionen Euro. Im Jahresvergleich August 2003 bis August 2004 zeigte sich, dass die Durchschnittsgeschwindigkeit dadurch von 85 auf 75 km/h gesunken war. Und der besonders positive Effekt: Es gab bei fünf Unfällen keine Toten und auch die Verletzungsschwere wurde durch die geringere Geschwindigkeit deutlich reduziert (7 Leichtverletzte). Die volkswirtschaftlichen Unfallkosten im Jahr nach Einführung der Section Control betragen nur noch 60.000 Euro. Vergleicht man Kosten und Nutzen miteinander, so spart die Anlage rund fünf Mal mehr an Unfall- und Umweltkosten ein, als sie letztendlich gekostet hat. "Natürlich bedeutet das nicht, dass jede Section Control-Anlage so erfolgreich sein muss", betont Thann. "Jeder Standort müsste hinsichtlich täglichem Verkehr, lokalem Unfallgeschehen und Fahrgeschwindigkeiten geprüft werden. Und genau das ist mit dem Instrument der Kosten-Nutzen-Rechnung sehr gut möglich."

Unfallhäufungsstellenmanagement - einfache Maßnahmen mit großer Wirkung

Rund 25 Prozent der Unfälle passieren an so genannten Häufungsstellen. Auf österreichischer und internationaler Ebene liegt ein Schwerpunkt der Verkehrssicherheitsarbeit deshalb auf der Entschärfung dieser Stellen. Eine Untersuchung in der norwegischen Gemeinde Hamar ergab ein Kosten-Nutzen-Verhältnis von 1:35 für Maßnahmen, die sofort gegen Unfälle an diesen Stellen gesetzt werden konnten. Das heißt, dass selbst ein einfacher Maßnahmen-Mix wie die Errichtung von Hinweis- und Vorrangschildern, Verbesserung der Bodenmarkierungen, Sturzräume, Sichtweiten und Straßenbeläge 35 Mal weniger kostete als er an Unfall-, Umwelt- und Zeitkosten einsparen konnte.

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Kuratorium für Verkehrssicherheit
Mag. Dolores Omann
Marketing & Kommunikation
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