• 16.03.2005, 09:55:34
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RECHNET SICH VERKEHRSSICHERHEIT?

Internationale Verkehrs- und Wirtschaftsexperten beraten am 18. März in Wien, wie Verkehrssicherheitsmaßnahmen monetär bewertet werden können

Wien (OTS) - Es sind die spektakulären Unfälle, die im Gedächtnis
bleiben. Gegen Geisterfahrer und Nebelraser verlangt die
Öffentlichkeit rasche Gegenmaßnahmen, die auch berechtigt sind.
Allerdings fordern nicht die spektakulären Unfälle die meisten Toten
und Verletzten, sondern der "Straßenalltag" mit seinen zahlreichen
Gefahrenquellen. Daher liegen dort auch die größten Möglichkeiten, um
das Ziel des Österreichischen Verkehrssicherheitsprogrammes zu
erreichen - nämlich weniger als 500 Verkehrstote bis 2010. Tatsache
ist aber, dass sich die Ausgaben für Verkehrssicherheitsmaßnahmen
nach den straffen Vorgaben des Staatsbudgets richten sollen - Kosten
und Nutzen müssen einander gegenübergestellt werden.

Aber welche Bewertungsansätze sollen dafür herangezogen werden? Das
von der Europäischen Kommission initiierte Experten-Netzwerk ROSEBUD
(Road Safety and Environmental Benefit-Cost and Cost-Effectiveness
Analysis for Use in Decision Making) geht der Frage nach, wie das
bekannte Instrument der Kosten-Nutzen-Analyse auf
Verkehrssicherheitsmaßnahmen übertragen werden kann. Am 18. März 2005
treffen sich rund 60 Verkehrssicherheits- und Wirtschaftexperten auf
Einladung des Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV) in Wien, um zu
beraten, welche Entscheidungswerkzeuge man der Politik in die Hand
geben kann, um mit vorhandenen finanziellen Mitteln die größtmögliche
Unfall-Reduktion zu erreichen. "Mit einheitlichen
Bewertungsgrundlagen und Rechenmethoden können wir alternative
Lösungen aufzeigen und klare Empfehlungen formulieren, wie etwa die
Ziele des Österreichischen Verkehrssicherheitsprogrammes am
effizientesten erreicht werden können", erklärt Dr. Othmar Thann,
Direktor des KfV.

Kosteneffiziente Maßnahmen sind auch wirkungsvoll

"Die Forschung kann der Verkehrssicherheitspolitik helfen, die Folgen
und die Effektivität von Maßnahmen abzuschätzen und sie dadurch auch
aus Kostensicht vergleichbar zu machen", sagt Rune Elvik, Chief
Research Officer beim norwegischen Institute of Transport Economics
(TOI) und einer der führenden Experten im ROSEBUD-Projektteam.
"Deshalb suchen wir auf europäischer Ebene nach einheitlichen
Bewertungsmethoden für Unfallkosten, Schadstoffausstoß, Lärm und
Wegzeiten." Untersuchungen in Norwegen und Schweden hätten gezeigt,
dass sich 50 bis 60 Prozent der tödlichen Unfälle vermeiden lassen,
wenn die Prioritäten für Sicherheitsmaßnahmen zukünftig konsequent
auf der Kosten-Nutzen-Analyse basierend gesetzt werden. "Behält man
die derzeitige Vorgehensweise bei, können innerhalb der nächsten zehn
Jahre nur 10 bis 15 Prozent vermieden werden", weiß Elvik. ROSEBUD
führt daher das international vorhandene Wissen und die Erfahrung bei
der Anwendung monetärer Beurteilungsinstrumente aus Wissenschaft,
Politik und Praxis zusammen und stellt so den Anwendern wichtige
Informationen für ihre Aufgabenerfüllung zur Verfügung.

Ein kosteneffizientes Beispiel: Section Control im Kaisermühlentunnel

Die "Section Control"-Anlage im Wiener Kaisermühlentunnel wurde vom
KfV einer Kosten-Nutzen-Analyse unterzogen. In den vier Jahren vor
der Einführung der Section Control ereigneten sich dort im Schnitt
jährlich sieben Unfälle mit Personenschaden (ein Getöteter, ein
Schwerverletzter und zehn Leichtverletzte), die volkswirtschaftliche
Unfallkosten bis zu einer Höhe von 1,1 Millionen Euro pro Jahr
verursachten. Einzige Gegenmaßnahme war eine Radarbox, mit der die
durchschnittliche Kfz-Geschwindigkeit von 85 km/h aber nicht
reduziert werden konnte.
Der Bau der Section Control-Anlage kostete 1,5 Millionen Euro. Im
Jahresvergleich August 2003 bis August 2004 zeigte sich, dass die
Durchschnittsgeschwindigkeit dadurch von 85 auf 75 km/h gesunken war.
Und der besonders positive Effekt: Es gab bei fünf Unfällen keine
Toten und auch die Verletzungsschwere wurde durch die geringere
Geschwindigkeit deutlich reduziert (7 Leichtverletzte). Die
volkswirtschaftlichen Unfallkosten im Jahr nach Einführung der
Section Control betragen nur noch 60.000 Euro. Vergleicht man Kosten
und Nutzen miteinander, so spart die Anlage rund fünf Mal mehr an
Unfall- und Umweltkosten ein, als sie letztendlich gekostet hat.
"Natürlich bedeutet das nicht, dass jede Section Control-Anlage so
erfolgreich sein muss", betont Thann. "Jeder Standort müsste
hinsichtlich täglichem Verkehr, lokalem Unfallgeschehen und
Fahrgeschwindigkeiten geprüft werden. Und genau das ist mit dem
Instrument der Kosten-Nutzen-Rechnung sehr gut möglich."

Unfallhäufungsstellenmanagement - einfache Maßnahmen mit großer
Wirkung

Rund 25 Prozent der Unfälle passieren an so genannten
Häufungsstellen. Auf österreichischer und internationaler Ebene liegt
ein Schwerpunkt der Verkehrssicherheitsarbeit deshalb auf der
Entschärfung dieser Stellen. Eine Untersuchung in der norwegischen
Gemeinde Hamar ergab ein Kosten-Nutzen-Verhältnis von 1:35 für
Maßnahmen, die sofort gegen Unfälle an diesen Stellen gesetzt werden
konnten. Das heißt, dass selbst ein einfacher Maßnahmen-Mix wie die
Errichtung von Hinweis- und Vorrangschildern, Verbesserung der
Bodenmarkierungen, Sturzräume, Sichtweiten und Straßenbeläge 35 Mal
weniger kostete als er an Unfall-, Umwelt- und Zeitkosten einsparen
konnte.

OTS0069    2005-03-16/09:55

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