MOLTERER: GESCHICHTE IST NICHT VERGANGENHEIT, SONDERN GEGENWART UND ZUKUNFT!

ÖVP-Klubobmann zum Buch "Vergessene Schicksale" des ehemaligen ÖVP-Abg.Anton Bayr

Wien (ÖVP-PK) - Im heurigen Gedankenjahr 2005 ist es an der Tagesordnung, über die Geschichte Österreichs nachzudenken. Doch Geschichte ist nicht nur Vergangenheit. Geschichte ist Gegenwart und Zukunft, sagte ÖVP-Klubobmann Mag. Wilhelm Molterer gestern, Dienstag, Nachmittag, bei einer Buchpräsentation im Hohen Haus und mahnte, "dass ein Teil unserer Probleme der Aufarbeitung darin besteht, dass Geschichte immer nur in der Vergangenheit angesiedelt wurde. Vielen Jugendlichen in unserem Land sagt der Begriff Eiserner Vorhang nichts mehr. Für sie ist der Zweite Weltkrieg genau so weit weg wie der 30jährige Krieg", betonte Molterer.****

Präsentiert wurde das Buch "Vergessene Schicksale" des ehemaligen ÖVP-Abgeordneten und Bildungssprechers Anton Bayr. Bayr, Jahrgang 1927, beschreibt in diesem Buch an Hand seines heimlich geführten Tagebuches seine zweieinhalbjährige Gefangenschaft im Ural. Die Lagerorte, in denen Bayr ein von Hunger, Kälte und harter Arbeit geprägtes Leben führen musste, lagen mitten im "Archipel GULAG", wo er auch anderen Opfern des stalinistischen Terrorregimes begegnete. Bayr widmet daher ein Kapitel auch dem Schicksal der Russlanddeutschen, Kalmüken und Krimtataren.

Molterer dankte dem Autor des Buches für dessen Beitrag zur Bearbeitung von Geschichte im Interesse des Verständnisses von Gegenwart und Zukunft. "Geschichte ist so oft mit persönlichen Schicksalen verbunden. Diese persönliche Betroffenheit zeigt uns heute ein Mann, der mit 16 Jahren in den Krieg gezwungen wurde und mit 17einhalb Jahren für zweieinhalb Jahre in russische Gefangenschaft geriet. Es gibt einen Grund, warum Anton Bayr 60 Jahre gebraucht hat, um diese Geschichte aufzuschreiben. Es braucht Distanz, um persönlich damit umgehen zu können."

"Danke für das, was Du niedergeschrieben hast. Wir sehen das als Auftrag, über die Schicksale unserer Väter zu reden", schloss Molterer.

BAYR: ICH WILL DIE EREIGNISSE VOR DEM VERGESSEN BEWAHREN

Im Jahr 1999 war Bayr noch einmal in den einstigen Lagerorten. Die Eindrücke von Begegnungen mit ehemals Internierten sind ebenfalls in dem Buch verarbeitet. "Es wäre mir eine Freude und es ist mein Ziel, mit meinem Buch ein Umdenken und eine verstärkte Auseinandersetzung mit der Geschichte zu erreichen und die Ereignisse des Zweiten Weltkrieges vor dem Vergessen zu bewahren", sagte der Buchautor Anton Bayr. "Der Zweite Weltkrieg ist für meisten Mitmenschen schon kein Thema mehr. Aber
wir müssen der Jugend bewusst machen, dass Krieg und Diktaturen ein Fluch für die Menschen sind. Jeder Krieg kann nur zu Tod und Leid führen."

In der Folge schilderte Bayr an Hand einer Power-Point-Präsentation seine zwei Tage "an der Front", seine Flucht und Gefangennahme, seinen Weg quer durch Osteuropa in die sowjetischen Gefangenenlager und sein leidvolles Leben dort.

Das Buch "Vergessene Schicksale. Überlebenskampf in sowjetischen Lagern - ein Kriegsgefangener erinnert sich" ist im Waldemar Weber Verlag, Augsburg, erschienen. Es ist um 17 Euro im Buchhandel erhältlich.
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