• 07.03.2005, 10:11:54
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DENN SIE WISSEN NICHT, WAS SIE TUN: ÖSTERREICHS JUNGE RASER

Drei Unfälle an diesem Wochenende in Oberösterreich zeigen: Autofahrer von 18 bis 24 Jahren sind die Unfallrisiko-Gruppe Nr. 1

Wien (OTS) - Zu hohe Geschwindigkeit und unerfahrene junge Lenker
sind eine schlechte Kombination: Oberösterreich hat mit neun
Verletzten - fast alle unter 20 Jahren - bei drei Unfällen ein
blutiges Wochenende hinter sich. Ein junger Mann ringt mit dem Tod.
"Viel zu oft sind junge Führerscheinbesitzer unter dem Motto 'Wer
bremst, verliert' unterwegs", bedauert Dr. Othmar Thann, Direktor des
Kuratorium für Verkehrssicherheit. "Über ein Drittel der getöteten
PKW-Lenker ist zwischen 18 und 24 Jahren alt, bei den Verletzten
sieht es nicht anders aus." Betrachtet man die Todesursachen dieser
Altersgruppe insgesamt, so sind allein 37 Prozent der Todesfälle auf
den Straßenverkehr zurückzuführen - noch vor Krankheiten (20%),
Selbstmord (20%), Drogen, Gift oder Alkohol (11%). 2003 wurden 138
Menschen zwischen 18 und 24 Jahren als PKW-Lenker oder Mitfahrer
getötet, 10.083 wurden verletzt.

Aus psychologischer Sicht ist es das Gefühl der Freiheit, der Wunsch
dazu zu gehören und die Suche nach dem Nervenkitzel, die ein Auto in
der Hand eines jungen Menschen zum tödlichen Geschoss werden lassen.
Der Führerschein in der Tasche bedeutet für sie Unabhängigkeit, mit
dem eigenen - möglichst prestigeträchtigen, leistungsstarken - Auto
definieren sie ihren Status im Freundeskreis und in der Gesellschaft.
Die Rangordnung wird mit dem Bleifuß am Gaspedal festgelegt, denn wer
schnell und unerschrocken ist, gehört zu den "Erfolgreichen". Dadurch
steigt die Risikobereitschaft, wodurch Jugendliche mit geringer
Frustrationstoleranz und geringer emotionaler Ausgeglichenheit noch
stärker gefährdet sind. Studien zeigen, dass Aussagen wie "Ich finde
es wichtig, beim Fahren die Grenzen meiner Fähigkeiten zu erproben",
"Ich finde es wichtig, andere Fahrer zu übertrumpfen" und "Schlechte
Fahrer erkennt man daran, dass sie zögern und ihre Möglichkeiten
nicht ausnützen" von jüngeren Befragten im Alter zwischen 20 und 24
Jahren signifikant häufiger bejaht werden.

Falsche Selbsteinschätzung

Zwischen der Selbsteinschätzung junger Autofahrer und ihrem
tatsächlichen Können klafft aber meistens eine große Lücke. Oft
glauben Anfänger, schon nach wenigen Wochen Fahrpraxis so sicher zu
sein, dass sie die Gefahren zu hoher Geschwindigkeit zu niedrig und
ihr eigenes Können zu hoch bewerten. Dazu kommt das mangelnde Gefühl
für fahrphysikalische Gefahren wie Straßenverhältnisse und Witterung.
Auf diese Weise sind auch die charakteristischen Unfallarten junger
Fahranfänger zu erklären: Abkommen von der Fahrbahn, Schleudern und
Zusammenstöße in Kurven wegen unangepasster Geschwindigkeit sind bei
jungen Lenkern besonders häufig zu beobachten. Wenn auch noch Alkohol
im Spiel ist und das Disco-Feeling mit Freunden ins Auto verlegt
wird, wird es besonders dramatisch: Mit rund 25 Prozent stellen die
18- bis 24-Jährigen den größten Anteil als Lenker bei
Alkoholunfällen. Vor allem in den frühen Morgenstunden am Samstag und
Sonntag kommt fast jeder zweite Alko-Lenker aus dieser Risikogruppe.

Mehrphasenausbildung schärft Bewusstsein

Um Führerscheinneulinge für ihr eigenes Verhalten und die Gefahren
des Autofahrens zu sensibilisieren, wurde mit 1. Januar 2003 die
Mehrphasenausbildung eingeführt. Zwei Perfektionsfahrten mit einem
Fahrlehrer und ein Fahrsicherheitstraining inklusive
verkehrspsychologischem Gruppengespräch sollen die angelernten
Fehler der ersten Monate ausmerzen und auf Risiken aufmerksam machen.
"In den Gesprächen werden die individuellen Gründe fürs Schnellfahren
aufgegriffen. Es sollte aber nicht mit dem erhobenen Zeigefinger
gemahnt, sondern die Frage gestellt werden, ob man für den
kurzfristigen 'Thrill' sein Leben und das Leben anderer aufs Spiel
setzen will", sagt Thann.

OTS0062    2005-03-07/10:11

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