- 28.02.2005, 09:02:39
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GBH zur Arbeitszeit: Flexibilität mit Vernunft Ja! - Lohnkürzung: Nein!
ArbeitnehmerInnen schon jetzt mehr als flexibel!
Wien (GBH/ÖGB) - "Es ist erschütternd und gleichzeitig entlarvend,
wenn IV-Präsident Sorger versichert, die Industrie wolle keinen
Lohnraub, und in den Nebensätzen und Erläuterungen dann sein wahres
Gesicht zeigt. Genauso verhält es sich, wenn IV-Präsident Sorger die
bewährte Sozialpartnerschaft lobt und gleichzeitig mitten in einem
Verhandlungsprozess der Sozialpartner gemeinsam mit der
Wirtschaftskammer einen Gesetzesentwurf zur Arbeitszeitverlängerung
und Lohnkürzung mit seinen Forderungen präsentiert, die die
Sozialpartner auf ArbeitnehmerInnenseite zuvor schon als inakzeptabel
bezeichnet haben", so der ÖGB-Vizepräsident und Bundesvorsitzende der
Gewerkschaft Bau-Holz Johann Driemer in Reaktion auf die Äußerungen
Sorgers in den letzten Tagen. ++++
Driemer weiter: "IV-Präsident Sorger behauptet nach wie vor und
entgegen den Meinungen zahlreicher Experten, wenn die Menschen zehn
bis 12 Stunden am Tag, 60 Stunden in der Woche arbeiteten, würden
dadurch mehr Arbeitsplätze entstehen. Er hat freilich noch nie
erklären können, wie das funktionieren soll. Der ÖGB und die
Gewerkschaften haben oft genug bewiesen, dass in den
Kollektivverträgen sehr wohl die Möglichkeit besteht, jegliche
Produktionsspitzen effizient abzudecken und vermehrte
Jahresbeschäftigung zu schaffen. Was Sie wollen, Herr IV-Präsident,
ist, dass die ArbeitnehmerInnen diese zusätzlichen Leistungen gratis
erbringen. Dazu kommt noch, dass Mehrbelastungen zu
Gesundheitsschäden und vermehrter Krankheit führen. Und das ist weder
für die Gewerkschaften noch für die betroffenen ArbeitnehmerInnen
akzeptabel!"
In Österreich wird hervorragende Arbeit geleistet, und diese
hervorragende Arbeit gemeinsam mit einer hohen Produktivität und
niedrigen Lohnstückkosten macht die österreichischen Unternehmen
wettbewerbsfähig. Driemer: "Es ist erschütternd, wenn Sie, Herr
IV-Präsident Sorger, meinen, dass Sie nach der Streichung von
Überstundenzuschlägen ohnehin bereit wären, im Falle eines
betrieblichen Mehrertrages auch den ArbeitnehmerInnen ein Stückchen
vom Erfolg abtreten zu wollen. Die ArbeitnehmerInnen leisten laufend
hervorragende Arbeit und steigern so die Wettbewerbsfähigkeit ihrer
Unternehmen. Dafür müssen sie auch entsprechend entlohnt werden und
zwar nicht nur dann, wenn es dem Unternehmer gerade passt. Sie wissen
ganz genau, Herr IV-Präsident, dass mangelnder Unternehmenserfolg im
überwiegenden Teil der Fälle an Management- und Finanzierungsfehlern
liegt und nicht an der Qualität der geleisteten Arbeit."
Driemer abschließend: "Ich sage es noch einmal: Die
Kollektivverträge ermöglichen schon seit langem flexible und wenn
nötig auch längere und auf die Bedürfnisse der Branche abgestimmte
Arbeitszeitregelungen. Auch über eine Jahresarbeitszeit und
Jahreseinkommen hat die Gewerkschaft Bau-Holz mit Vertretern der
Bauwirtschaft bereits 2003 gesprochen. In den Bau- und Holzbranchen
besteht kein Bedarf nach anderen Regelungsinstrumenten als die der
Kollektivverträge. Die Gewerkschaften wissen um die Notwendigkeit der
Abdeckung von Auftragsspitzen und Maschinenlaufzeiten und handeln
seit Jahren im Arbeitszeitbereich danach. Diese Modelle dürfen aber
nicht als Vorwand für Lohnkürzungen dienen. Flexibilität darf keine
Einbahnstraße zu Lasten der ArbeitnehmerInnen sein. Was IV-Präsident
Sorger will, ist eine reine Lohnkürzung auf dem Rücken der
ArbeitnehmerInnen, über die er das Mäntelchen der Globalisierung und
wirtschaftlichen Notwendigkeit hängt. Das ist der falsche Weg. Eine
Lohnkürzung führt ganz sicher nicht zu der von der Volkswirtschaft
dringend benötigten Kaufkraftsteigerung. Herr IV-Präsident: Die GBH
wird im Schulterschluss mit dem ÖGB nicht zulassen, dass es zu
weiteren Gesundheitsbelastungen und Umverteilungen von
Arbeitnehmerinnen-Einkommen zu Gunsten der Gewinnmaximierung der
Unternehmen und des Finanzkapitals kommt."
ÖGB, 28. Februar
2005
Nr. 122
OTS0033 2005-02-28/09:02
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