- 18.02.2005, 10:00:00
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Umweltdachverband: Countdown für den Biosphärenpark Wienerwald!
Umweltdachverband legt Forderungen und Zeitfahrplan für den Biosphärenpark auf den Tisch
Wien (OTS) - "Am 1. Mai ist es zu spät! Der Countdown für den
Biosphärenpark Wienerwald muss sofort beginnen", fordert Dr. Gerhard
Heilingbrunner, Präsident des Umweltdachverbandes. Am 30. April 2005
ist Einreichtermin bei der UNESCO - und bis dahin und auch danach
gibt es noch alle Hände voll zu tun.
Aktueller Stand der Biosphärenpark-Planung
8,5 % der Waldfläche im Planungsgebiet, das sind 5.577 Hektar,
sollen als Kernzone ausgewiesen werden, 4.778 ha als Pflegezone Wald.
Weiters ist geplant, 12.050 ha als Pflegezone Offenland zu
kennzeichnen. "Diese Flächengrößen sind akzeptable Startvarianten, es
dürfen jedoch keinesfalls weitere Abstriche gemacht werden", sagt
Heilingbrunner. Entsprechend der Machbarkeitsstudie Biosphärenpark
Wienerwald 2002 - die unter Federführung des Umweltdachverbandes
ausgearbeitet wurde - und der UNESCO-Vorgaben sollen Kern- und
Pflegezone zusammen mindestens 20 % an der Gesamtfläche des
Biosphärenparks aufweisen. "Der derzeitige Stand der Planung würde
dem entsprechen, ist allerdings ein Mindestmaß, das nicht zu
unterschreiten ist", konstatiert Heilingbrunner.
Schaffung rechtlicher Grundlagen und organisatorischer Voraussetzungen
"Fest steht, dass auch über die rechtliche Verankerung des
Biosphärenparks noch keine akzeptablen Regelungen absehbar sind",
bedauert Heilingbrunner. In Niederösterreich ist derzeit ein Entwurf
für ein "Biosphärenpark Wienerwald-Gesetz" in Ausarbeitung, in Wien
ist keine rechtliche Verankerung vorgesehen. "Eine gesetzliche
Verankerung des Biosphärenparks sollte entweder in Form eigener
Biosphärenpark-Gesetze oder durch Novellierungen der
Naturschutzgesetze erfolgen. Zur Regelung organisatorischer und
finanzieller Fragen muss ein §15a-Staatsvertrag zwischen der Republik
und den Ländern Wien und NÖ unter Einbindung des Bundes abgeschlossen
werden", so Heilingbrunner. Darüber hinaus müssen Bund und Länder
ausreichende personelle und finanzielle Ressourcen zur Verfügung
stellen.
Entschädigungsforderungen der ÖBf AG: Unfinanzierbarkeit droht!
Die Bundesforste fordern für die Einbringung ihrer
Kernzonenflächen im Ausmaß von rund 4.300 ha in den zukünftigen
Biosphärenpark die Summe von rund 1,7 Millionen Euro an jährlicher
Entschädigung. Unter Berücksichtigung auch der privaten Grundflächen
würden damit allein die notwendigen Mittel für die
Flächenbereitstellung in den Kernzonen etwa 2 Mio. Euro im Jahr
ausmachen. "Die Latte darf hier jedoch bei maximal 1,1 Mio. liegen",
sagt Heilingbrunner. Noch nicht einmal inkludiert in den
Entschädigungsforderungen der Bundesforste sind allfällige
Einschränkungen der Jagd sowie etwaige Abgeltungen für die
Pflegezonen. Dazu kommen noch Personalkosten und Sachmittel für
Naturschutz-, Forschungs- und Bildungs-Projekte und sonstige
Aktivitäten des Biosphärenparkmanagements. Über die
Entschädigungszahlungen hinaus fordert die ÖBf AG auch eine
Einbindung in die zukünftige Management-Struktur nach dem Vorbild der
Nationalparks Donau-Auen und Kalkalpen mit der Einrichtung eines
"Geschäftsführenden Ausschusses". Damit würde der Biosphärenpark
Wienerwald teurer als die beiden NÖ Nationalparks Donau-Auen und
Thayatal zusammen. Österreichweit für alle Nationalparks und
Schutzgebiete zusammen lukrieren die Bundesforste in Summe 2,3 Mio.
Euro jährlich an Entschädigungen für Flächenbereitstellung. "Eine
ähnlich hohe Summe allein im Wienerwald zu verlangen, ist
inakzeptabel. Im Maximalfall sind 750.000 Euro jährlich an
Entschädigung vorstellbar. Eine Bereicherung aus Naturschutzmitteln
und die Einrichtung einer Doppelverwaltung, die nur zu
Verwaltungsaufblähung und Geldverschwendung führt, sind vehement
abzulehnen", stellt Heilingbrunner fest.
Umweltdachverband gibt Countdown vor
Fazit: Über wesentliche Fragen - rechtliche Verankerung,
Organisation, Personalausstattung und Finanzierung des
Biosphärenparks - sind wenige Wochen vor dem UNESCO-Einreichtermin
noch keine akzeptablen Regelungen absehbar. Der Umweltdachverband
legt daher folgenden Zeitfahrplan zum Biosphärenpark Wienerwald vor:
- März 2005: Fertigstellung der Planungsarbeiten. - Bis 31. März 2005: Politische Beschlüsse hinsichtlich Entschädigungen, Organisation, rechtliche Verankerung. - 31. März 2005: Einreichtermin MaB-Komitee bzw. Österreichische UNESCO-Kommission. - April 2005: Aufbereitung und englische Übersetzung der Einreichdokumente. - 30. April 2005: Einreichtermin UNESCO Paris. - Herbst 2005: Schaffung der rechtlichen Voraussetzungen - Landesgesetze - in Wien und NÖ. - Herbst 2005: Abschluss eines §15a-Staatsvertrages zwischen Bund und Ländern zur Errichtung des Biosphärenparks Wienerwald. - Herbst 2005: Errichtung einer eigenen Biosphärenpark-Wienerwald- Management-GmbH mit entsprechender finanzieller und personeller Ausstattung. - Dezember 2005: Entscheidung der UNESCO über die internationale Anerkennung des Biosphärenparks Wienerwald.
"Es ist höchste Zeit, Nägel mit Köpfen zu machen", appelliert
Heilingbrunner abschließend an die politisch Verantwortlichen.
Fotos zum Wienerwald sind auf Anfrage erhältlich, bzw. als
Downloads auf:
http://www.umweltdachverband.at/service/presse/index.htm
OTS0046 2005-02-18/10:00
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