"Tiroler Tageszeitung" - Kommentar: "Falsche Fährte" (Von Anita Heubacher)

Ausgabe vom 14. Jänner 2005

Innsbruck (OTS) - Zu Jahresbeginn hat man sich als Tiroler fast schon daran gewöhnt: Die Grenzwerte für die Schadstoffbelastung durch Staub und Stickstoffdioxid wurden überschritten. Was trocken klingt, ist mit einem Blick vom Berg ins Tal mit freiem Auge zu erkennen. Die Tiroler Luft ist dick.
Erstaunlich ist, dass sie in Imst und in Innsbruck im Stadtzentrum durch Staub besonders belastet ist. Die Imster mussten mit einer fünffach stärkeren Belastung durch Staub fertig werden als das transitgeplagte Unterland. Damit kommt der Landespolitik ein praktischer Sündenbock abhanden: der Transit. Praktisch insofern, als dass die Buhmänner im Ausland sitzen und vor allem nicht zur Wahlurne gehen.
Für die dicke Luft, egal ob Staub oder Stickstoffdioxid, wurde der Transit verantwortlich gemacht. Das hat vieles überdeckt und unbequeme Maßnahmen nicht erforderlich gemacht. Während im smoggeplagten Bozen sich auch Pkw-Fahrer an Fahrverbote gewöhnen mussten, wurde der Individualverkehr hierzulande niemals angerührt. Wer ständig mit dem Auto fahren kann, hat auch keinen Bedarf, auf Bus und Bahn umzusteigen. Der öffentliche Personennahverkehr grundelte in Tirol dahin, während die Vorarlberger die Liebe zu den Öffis entdeckten.
Ein schlecht ausgebautes öffentliches Netz liefert für jeden einzelnen eine gute Ausrede, sich ins Auto zu setzen. Freiwillig verzichtet niemand auf seinen fahrbaren Untersatz.
Wenn, dann müsste man schon von oben den Autofahrern das Autofahren vergällen. Fahrverbote zu verhängen ist allerdings in Tirol nicht so einfach wie in Italien. Dort kann der Bürgermeister die Autos verbannen, wenn die Luft zum Schneiden wird. In Österreich kann der Landeshauptmann erst im Nachhinein reagieren. Zuerst der Statusbericht, dann die Maßnahmen. Und wer will schon ein Gesetz ändern, um Wählerstimmen zu verlieren?

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