"Presse"-Kommentar: Das Mittel gegen rot-braune Flecken (von Rainer Nowak)

Ausgabe vom 14. Jänner 2005

Wien (OTS) - Es wird wohl kein Zufall sein. Während heute am Abend National- und Bundesrat den Auftakt zum österreichischen Jubiläumsjahr zelebrieren, wird Caspar Einem zuvor in seiner Eigenschaft als Präsident des Bundes Sozialdemokratischer Akademiker die historische Aufarbeitung der sogenannten braunen Flecken präsentieren. Kein angenehmer Job, haben die beiden beauftragten Wissenschaftler Wolfgang Neugebauer und Peter Schwarz in ihrem neuen Bericht doch klar nachgewiesen, dass der BSA nach 1945 ehemalige NS-Mitglieder systematisch aufgenommen und gefördert haben.
Was die neuen "Sozialisten" in der NS-Zeit genau gemacht hatten, wurde vielfach nicht oder nur oberflächlich überprüft. Dadurch bekamen auch schwer belastete Nazis ihren begehrten "Persilschein", darunter sogar Gestapo- und SS-Angehörige. Oder ein Richter, der bis 1945 an Hinrichtungen beteiligt war, und dann im Justizdienst weiter arbeitete.
Die Autoren konnten auch vor allem nachweisen, dass hochrangige Parteifunktionäre dieses System nicht nur voll deckten, sondern für die neuen Mitglieder sogar persönlich intervenierten. Potenzielle Kritiker der braunen Genossen wurden in einzelnen Fällen sogar ausgeschlossen. Damit schufen sie ihr eigenes Tabu österreichischer NS-Vergangenheit.
Dass damit erst heute Schluss gemacht wird, ist mehr als bemerkenswert. Nach dem BSA muss nun noch die Bundespartei ihren Braune-Flecken-Bericht vorlegen. Und dann? Man fand bei den Recherchen auch Interventionen hoher VP-Politiker für Ex-Nazis. Auch dies ein dringender Historiker-Auftrag für die VP-Zentrale. Von Vergangenheitsbewältigung bei den Freiheitlichen ganz zu schweigen.

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