Agrarressort: Erfolgreiche Exportoffensive für Schweine- und Rinderproduzenten

ZAR, VÖS und ARGE Rind ziehen positive Zwischenbilanz

Wien (AIZ) - Das Landwirtschaftsministerium stellte 2004 im Rahmen einer Exportoffensive erstmals gezielt Budgetmittel für Projekte zur Verfügung, die zur Unterstützung von Exportaktivitäten in der österreichischen Tierproduktion dienen. Gefördert wurden dabei vor allem Qualitätsverbesserungs-Maßnahmen sowie Absatz fördernde Aktivitäten im In- und Ausland. Zu Jahresende zogen nunmehr die beteiligten Verbände - ZAR, ARGE Rind und VÖS - eine positive Zwischenbilanz: Die Initiative des Ministeriums ist bisher sehr erfolgreich verlaufen, anhand von konkreten Projekten zeigen sich bereits positive Effekte. Diese Form der Förderung wird von den betroffenen Organisationen als sehr sinnvoll angesehen und sollte unbedingt weitergeführt werden, weil die gestarteten Projekte über mehrere Jahre laufen und Kontinuität erforderlich sei, wird betont.

"Die österreichische Rinderzucht ist in hohem Maße vom Export abhängig. Vor wenigen Jahren wurden über 12.000 Zuchttiere jährlich in Drittländer exportiert. Durch den BSE-Fall im Dezember 2001 brach dieses Exportvolumen beinahe völlig ein. So konnten wir im Jahr 2002 lediglich 5.000 Zuchttiere außerhalb der EU exportieren. Durch große persönliche und finanzielle Anstrengungen konnten die Exportzahlen in den letzten Jahren wieder aufgebaut werden", schildert Franz Sturmlechner von der Zentralen Arbeitsgemeinschaft österreichischer Rinderzüchter (ZAR) die Ausgangslage.

Exportstrategie basiert auf zahlreichen Standbeinen

"Auf Grund der Erfahrungen mit BSE oder Maul- und Klauenseuche verfolgt die österreichische Rinderzucht das Konzept der 'zahlreichen Standbeine'. Wir bauen zu allen relevanten Exportmärkten Kontakte auf, pflegen und nutzen sie auch entsprechend. Dabei werden individuelle Betreuungskonzepte für die einzelnen Länder entwickelt, die von der Unterstützung in den Bereichen Fütterung, Haltung und Management der Tiere, über Beratung im Veterinärwesen bis zum Aufbau von Zuchtorganisationen und zum finanziellen und technischen Support beim Bau von Verteilungs- und Quarantäneställen reicht", erläutert Sturmlechner.

Diese Strategie habe mehrfache Vorteile. Neben dem Vertrauensgewinn und der Schaffung langfristiger Geschäftsbeziehungen könne damit auch zunehmend ein besserer Absatzpreis erzielt beziehungsweise ein Preisverfall teilweise kompensiert werden. "Nachdem diese Strategie aber arbeits- und kostenintensiv ist, sind wir auf Unterstützung angewiesen, die Exportinitiative des Ministeriums ist dafür wie geschaffen", betont der ZAR-Geschäftsführer.

Mehrere Projekte gestartet

Bisher konnten laut Sturmlechner mit Hilfe dieser Exportförderung bereits mehrere Projekte der ZAR gestartet werden: Er nennt insbesondere die Schaffung einer neuen Dachmarke "Genetic Austria". Das in Rumänien begonnene Projekt "Leistungs- und Qualitätssteigerung der Rinderzucht" hat mittlerweile zu Zuchtrinderexporten von 600 Stück geführt, bis Projektabschluss sollen es 1.500 Tiere sein. Eine ähnliche Initiative in Albanien (Errichtung eines Zuchtrinderverteilzentrums) hat den Export von 1.000 Zuchtrindern zum Ziel. 800 Tiere sind bereits geliefert worden.

Unterstützt wurden mit diesen Förderungen auch die Grenzöffnungsaktivitäten in Bulgarien, Serbien und der Ukraine. Inzwischen wird nach Bulgarien bereits wieder Zuchtvieh exportiert. Serbien hat ebenfalls die Grenzen für Zuchtvieh geöffnet und auch in der Ukraine stehen die Chancen für eine baldige Grenzöffnung sehr gut. "Unter der Voraussetzung von stabilen veterinären und rechtlichen Rahmenbedingungen gehen wir davon aus, im Jahr 2005 wieder an die Hürde von 12.000 exportierten Zuchttieren heranzukommen", zeigt sich Sturmlechner zuversichtlich.

Rindfleisch: 40% der heimischen Produktion werden exportiert

"Auch im Rindfleischbereich ist Österreich ein klassisches Exportland, rund 40% der heimischen Produktion müssen im Ausland -vor allem am italienischen Markt -abgesetzt werden", gibt Rudolf Rogl von der ARGE Rind zu bedenken. Die Fast-Food-Kette Mc Donald’s ist in Österreich der größte Verarbeiter von heimischem Rindfleisch.

Mit Hilfe der Exportoffensive des Agrarressorts konnte die Qualitätssicherung in der Schlachtkuh-Vermarktung als Türöffner für neue Märkte forciert werden. Als erstes Vermarktungsunternehmen hat die ARGE Rind mit ihren angeschlossenen Erzeugergemeinschaften 2004 begonnen, die Qualitätssicherung vom landwirtschaftlichen Betrieb bis hin zur Verarbeitungsindustrie aufzubauen. In Österreich wurden bereits rund 3.500 Kuh haltende Betriebe für das Projekt gelistet. Derzeit werden wöchentlich circa 120 Kühe vermarktet, die je zur Hälfte für die österreichische und ungarische Hamburgerproduktion verwendet werden. Die Landwirte erhalten im Durchschnitt einen Qualitätszuschlag von EUR 21,- pro Kuh. "Für 2005 ist eine Verdoppelung der derzeitigen Vermarktungsmenge geplant, für diese Menge benötigen wir etwa 4.500 Kuhbetriebe", so Rogl.

Weiters vermarktet die ARGE Rind Gütesiegel-Stiere für die italienische Handelskette Esselunga. Die Erzeugergemeinschaften von Ober- und Niederösterreich liefern dafür wöchentlich etwa 120 Tiere. "Die in den letzten zehn Jahren aufgebaute Gütesiegel-Produktion bei Jungstieren in Österreich verschafft uns den Ruf als überdurchschnittlicher Qualitätslieferant bei Esselunga", freut sich Rogl. Jährlich werden auch 80.000 Nutzkälber und Einstellrinder in andere EU-Länder verbracht, wobei vorrangig der italienische Markt bedient wird. Diese Angebotsbündelung versetzt die Erzeugergemeinschaften in die Lage, bei ihren Mitgliedsbetrieben Qualitätsproduktion und -bezahlung nach bundesweit einheitlichen Richtlinien zu entwickeln.

Exportmärkte der Schweinezüchter können zielgerichtet bearbeitet werden

"Durch die Exportoffensive in Form der Sonderförderung für Marktbearbeitung in Drittstaaten wird es dem Verband österreichischer Schweinebauern (VÖS) ermöglicht, diese Märkte noch konzentrierter zu bearbeiten und die heimische Veredelungsbranche entsprechend für die Marktgegebenheiten in der erweiterten EU fit zu machen", berichtet VÖS-Geschäftsführer Georg Mayringer. Nachdem der Selbstversorgungsgrad bei Schweinefleisch in Österreich rund 100% ausmache, verfüge die Branche noch nicht über eine so große Präsenz auf den Exportmärkten. In einzelnen Ländern habe man aber schon Erfahrungen gesammelt, auf denen man nun in weiterführenden Projekten aufbauen könne.

Zu den im Jahr 2004 umgesetzten Projekten gehört laut Mayringer vor allem die Schaffung eines gemeinsamen Marktauftrittes in Form von PIG.AT. Während die österreichischen Zuchtorganisationen bisher meist einzeln auf den Ostmärkten aufgetreten seien, könne unter dem Dach des VÖS mit der neuen Marke (PIG.AT) nunmehr die Schlagkraft erhöht werden. Für den einheitlichen Auftritt und die Präsentation der österreichischen Zuchtschweinegenetik seien Präsentationsunterlagen erarbeitet sowie ein eigener Internetauftritt unter www.pig.at geschaffen worden.

Ebenfalls gestartet wurde eine Kooperation mit der Schweinezucht in Kroatien. Dabei wird die Zusammenarbeit mit verschiedenen Besamungsanstalten forciert. Durch eine Verbreiterung auswertbarer Daten und Leistungen von verkauften Tieren soll mittelfristig eine verbesserte Aussagekraft der Zuchtwertschätzung erreicht werden. Darüber hinaus wird Aufbauarbeit in den Exportmärkten Russland, Rumänien und Serbien geleistet. "Durch die effiziente Positionierung österreichischer Genetik auf den Wachstumsmärkten in Osteuropa schaffen wir die Basis für den Fortbestand österreichischer Zuchtbetriebe", unterstreicht Mayringer.
(Schluss) kam

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