• 04.01.2005, 11:02:17
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Jeder zweite Lehrabsolvent wechselt den Beruf - AK fordert breitere Ausbildung und Alternativen zum dualen System

Linz (OTS) - Erhebliche Unzufriedenheit mit der
Ausbildungsqualität und den späteren Berufschancen förderte eine
Befragung oberösterreichischer Lehrabsolventen zutage. Jeder zweite
wechselt innerhalb weniger Jahre nach Lehrabschluss den Beruf oder
beabsichtigt, dies zu tun. AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer fordert
nun eine breitere Grundausbildung sowie neue Ausbildungsstrukturen.

Das Institut für Berufs- und Erwachsenenbildungsforschung (IBE) an
der Universität Linz hat im Auftrag der Arbeiterkammer eine
Untersuchung aus dem Jahre 1993 wiederholt. Oberösterreichische
Lehrabsolventen wurden drei bis vier Jahre nach Lehrabschluss
schriftlich über ihre Zufriedenheit mit der Lehrausbildung und ihre
weitere Berufslaufbahn befragt.

Die wichtigsten Ergebnisse: Jeder zweite wechselt innerhalb
weniger Jahre nach Lehrabschluss den Beruf bzw. beabsichtigt, dies zu
tun (42 Prozent Wechsler plus zehn Prozent, die einen Wechsel
beabsichtigen). 17 Prozent haben einen beruflichen Abstieg hinnehmen
müssen und sind jetzt als an- oder ungelernte Arbeiter und
Arbeiterinnen tätig. 25 Prozent sind "Aussteiger mit Karriere". Sie
üben zwar den erlernten Beruf nicht mehr aus, sind aber als
Facharbeiter, Angestellte, Beamte oder selbständig tätig.

An den "Absteigern" zeigt sich deutlich, dass der Lehre
vorangegangene Selektionsmechanismen (Schultyp, Schulnoten, Berufs-
und Betriebswahl) in der Lehrausbildung fortgesetzt werden.
Absolventen von Polytechnischen Schulen und Hauptschulen haben ein
deutlich höheres Risiko, nach der Lehre beruflich abzusteigen, als
AHS- oder BHS-Abbrecher.

Nur 45 Prozent der Lehrabsolventen arbeiten drei bis vier Jahre
nach Lehrabschluss noch im Lehrbetrieb. Ausschlaggebend für den
Berufswechsel ist vielfach eine mangelhafte Lehrausbildung, vor allem
in Kleinbetrieben. Nur 54 Prozent bewerten ihre Entscheidung für den
erlernten Beruf positiv und gar nur 45 Prozent würden ihren Kindern
die gleiche Ausbildung empfehlen!

"Die vielen Berufs- und Betriebswechsler innerhalb kürzester Zeit
legen nahe, die berufliche Erstausbildung in Zukunft weniger
betriebsnahe zu gestalten, sondern mehr in die Grundlagenvertiefung
und in die Breite zu gehen", folgert AK-Präsident Kalliauer aus den
Ergebnissen. Um der mangelhaften Ausbildungsfähigkeit von
Kleinbetrieben zu begegnen, sollten verstärkt überbetrieblichen
Ausbildungsstrukturen geschaffen werden.

Und dort, wo der Lehrstellenmarkt Strukturschwächen zeigt, sollten
durch die Öffnung der Berufsschulen und neue praxisorientierte
Ausbildungsformen ohne betriebliche Beteiligung dauerhafte
strukturelle Alternativen - vor allem in zukunftsweisenden
Ausbildungszweigen - geschaffen und zugelassen werden. "Das", so
Kalliauer, "ist besonders wichtig für die Mädchen, die durch ein
eingeschränktes Lehrstellenangebot von vorneherein benachteiligt
werden."

OTS0048    2005-01-04/11:02

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | AKO

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