Jeder zweite Lehrabsolvent wechselt den Beruf - AK fordert breitere Ausbildung und Alternativen zum dualen System

Linz (OTS) - Erhebliche Unzufriedenheit mit der
Ausbildungsqualität und den späteren Berufschancen förderte eine Befragung oberösterreichischer Lehrabsolventen zutage. Jeder zweite wechselt innerhalb weniger Jahre nach Lehrabschluss den Beruf oder beabsichtigt, dies zu tun. AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer fordert nun eine breitere Grundausbildung sowie neue Ausbildungsstrukturen.

Das Institut für Berufs- und Erwachsenenbildungsforschung (IBE) an der Universität Linz hat im Auftrag der Arbeiterkammer eine Untersuchung aus dem Jahre 1993 wiederholt. Oberösterreichische Lehrabsolventen wurden drei bis vier Jahre nach Lehrabschluss schriftlich über ihre Zufriedenheit mit der Lehrausbildung und ihre weitere Berufslaufbahn befragt.

Die wichtigsten Ergebnisse: Jeder zweite wechselt innerhalb weniger Jahre nach Lehrabschluss den Beruf bzw. beabsichtigt, dies zu tun (42 Prozent Wechsler plus zehn Prozent, die einen Wechsel beabsichtigen). 17 Prozent haben einen beruflichen Abstieg hinnehmen müssen und sind jetzt als an- oder ungelernte Arbeiter und Arbeiterinnen tätig. 25 Prozent sind "Aussteiger mit Karriere". Sie üben zwar den erlernten Beruf nicht mehr aus, sind aber als Facharbeiter, Angestellte, Beamte oder selbständig tätig.

An den "Absteigern" zeigt sich deutlich, dass der Lehre vorangegangene Selektionsmechanismen (Schultyp, Schulnoten, Berufs-und Betriebswahl) in der Lehrausbildung fortgesetzt werden. Absolventen von Polytechnischen Schulen und Hauptschulen haben ein deutlich höheres Risiko, nach der Lehre beruflich abzusteigen, als AHS- oder BHS-Abbrecher.

Nur 45 Prozent der Lehrabsolventen arbeiten drei bis vier Jahre nach Lehrabschluss noch im Lehrbetrieb. Ausschlaggebend für den Berufswechsel ist vielfach eine mangelhafte Lehrausbildung, vor allem in Kleinbetrieben. Nur 54 Prozent bewerten ihre Entscheidung für den erlernten Beruf positiv und gar nur 45 Prozent würden ihren Kindern die gleiche Ausbildung empfehlen!

"Die vielen Berufs- und Betriebswechsler innerhalb kürzester Zeit legen nahe, die berufliche Erstausbildung in Zukunft weniger betriebsnahe zu gestalten, sondern mehr in die Grundlagenvertiefung und in die Breite zu gehen", folgert AK-Präsident Kalliauer aus den Ergebnissen. Um der mangelhaften Ausbildungsfähigkeit von Kleinbetrieben zu begegnen, sollten verstärkt überbetrieblichen Ausbildungsstrukturen geschaffen werden.

Und dort, wo der Lehrstellenmarkt Strukturschwächen zeigt, sollten durch die Öffnung der Berufsschulen und neue praxisorientierte Ausbildungsformen ohne betriebliche Beteiligung dauerhafte strukturelle Alternativen - vor allem in zukunftsweisenden Ausbildungszweigen - geschaffen und zugelassen werden. "Das", so Kalliauer, "ist besonders wichtig für die Mädchen, die durch ein eingeschränktes Lehrstellenangebot von vorneherein benachteiligt werden."

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