- 16.12.2004, 12:09:30
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Ärztekammer und Erste Bank prämieren wissenschaftliche Arbeiten
Billroth-Preis und Erste-Forschungsförderungspreis vergeben
Wien (OTS) - Sechs medizinische Forschergruppen aus Wien wurden
für ihre wissenschaftlichen Anstrengungen belohnt: Heute, Donnerstag,
fand im Großen Sitzungssaal der Ärztekammer für Wien die Verleihung
des Theodor-Billroth-Preises der Ärztekammer für Wien 2004 sowie des
Forschungsförderungspreises der Erste Bank der oesterreichischen
Sparkassen AG 2004 statt.****
Bei der Vergabe des Billroth-Preises wurde Georg Schett von der
Wiener Universitätsklinik für Innere Medizin III, Klinische Abteilung
für Rheumatologie, für seine Arbeit "RANKL-Serumspiegel und das
Risiko nicht traumatischer Frakturen" mit dem ersten Preis
ausgezeichnet.
In ihrer Studie konnten Schett und Mitarbeiter einen neuen
wirksamen Test für das Risiko eines osteoporotischen, also durch
krankhaften Knochenabbau bedingten, Knochenbruchs entwickeln. Dabei
zeigte sich, dass die Messung des Eiweißes "RANKL" im Blut der
Probanden das Risiko eines späteren Knochenbruchs vorhersagen kann.
Jenes Drittel der Probanden mit dem niedrigsten Spiegel von "RANKL"
hatte im Vergleich zu jenem Drittel mit dem höchsten Serumspiegel ein
zehnfach erhöhtes Risiko, einen Knochenbruch zu erleiden. Das gilt
sowohl für Frauen als auch für Männer, egal welchen Alters.
Interessanterweise war dieses Risiko unabhängig von der
Knochendichte, sodass die Bestimmung von "RANKL" eine zusätzliche
Methode sein dürfte, das Risiko eines osteoporotischen Knochenbruchs
abzuschätzen.
Die Studie lief vor dem Hintergrund dramatischer epidemiologischer
Daten ab: Alle 30 Sekunden erleidet in Europa ein Mensch eine durch
krankhaften Knochenabbau hervorgerufene Fraktur. Etwa ein Drittel der
Frauen nach der Menopause sind davon betroffen.
Die beiden weiteren Billroth-Preisträger sind Veronika Sexl
(Institut für Pharmakologie, Wien: "JunB - Wachstumshemmer und
Tumorsuppressor in B-lymphoiden Zellen") sowie Tamara Kopp
(Universitätsklinik für Dermatologie, Klinische Abteilung für
Immundermatologie und Infektiöse Hautkrankheiten, Wien:
"Immunpathologische Merkmale des allergischen Kontaktekzems: Sind
plasmazytoide dendritische Zellen an der Pathogenese der Erkrankung
beteiligt?").
Neue Aspekt in der Tumorentstehung in Gefäßen
Erster Preisträger des Forschungsförderungspreises der Erste Bank
ist Berthold Streubel vom Klinischen Institut für Pathologie der
Medizinischen Universität Wien. Der Titel seiner Arbeit:
"Lymphomspezifische genetische Veränderungen in den mikrovaskulären
Gefäßen von B-Zellenlymphomen".
Das Wachstum der meisten Tumore hängt von einer ausreichenden
Durchblutung ab. Damit ist auch eine entsprechende Gefäßneubildung im
Rahmen des Tumorwachstums erforderlich. Im Gegensatz zu den genetisch
instabilen Tumorzellen nimmt man an, dass die Endothelzellen der
Tumorgefäße Zellen ohne genetische Veränderungen sind. Endothelzellen
kleiden die Gefäße aus und bilden damit gewissermaßen die "Tapeten"
des Gefäßsystems.
Streubel und sein Co-Autoren untersuchten nun die Endothelzellen
von 27 B-Zellenlymphomen (Tumorerkrankungen des Lymphgefäßsystems)
auf genetische Veränderungen, die in den Lymphomzellen gefunden
wurden. 15 bis 85 Prozent (Median 37 Prozent) dieser mikrovaskulären
Endothelzellen wiesen demnach lymphomspezifische chromosomale
Translokationen (Stückaustausche zwischen zwei Chromosomen) auf.
Lymphom- und Endothelzellen zeigten neben den Translokationen weiters
dieselben numerischen Chromosomenabweichungen. Die Daten lassen damit
vermuten, dass in B-Zellenlymphomen ein Teil der mikrovaskulären
Gefäße in enger Beziehung mit den Tumorzellen steht. Das wiederum
weist auf völlig neue Aspekte in der Tumorentstehung in Gefäßen hin.
Die weiteren Preisträger des Forschungsförderungspreises der Erste
Bank sind Peter Nagele (Universitätsklinik für Anaesthesie und
Allgemeine Intensivmedizin, Wien: "Lachgas benötigt den NMDA-Rezeptor
für seine Wirkung in C.elegans") und Paul Alexander Kyrle
(Universitätsklinik für Innere Medizin I, Klinische Abteilung für
Hämatologie und Hämostaseologie, Wien: "Das Rezidivrisiko der
Venenthrombose bei Männern und Frauen").
Beide Auszeichnungen hängen eng miteinander zusammen: Eine vom
Vorstand der Wiener Ärztekammer eingesetzte Jury unter Vorsitz von
Michael Weissel beurteilt die eingereichten Arbeiten beider Preise.
Die Preisverleihungen nahmen Ärztekammerpräsident Walter Dorner sowie
Herbert Bielesz von der Erste-Bank vor. (hpp)
OTS0121 2004-12-16/12:09
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