• 07.12.2004, 14:14:21
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ÖGJ-Lindner: Eine Schule für alle Sechs- bis Fünfzehnjährigen

Individuelle Förderung ermöglicht mehr Bildungsgerechtigkeit

Wien (ÖGJ/ÖGB) - "Anstatt abwechselnd Lehrern, Eltern oder den
MigrantInnen die Schuld am schlechten Abschneiden Österreichs
zuzuschieben, sollte sich die Politik darum kümmern, dass das
Bildungssystem besser und gerechter wird", fordert der Bundessekretär
der Österreichischen Gewerkschaftsjugend (ÖGJ), Mario Lindner. Die
Grundvoraussetzungen dafür: eine Gesamtschule für alle Sechs- bis
Fünfzehnjährigen sowie Geld für zusätzliche Lehrkräfte zur
Unterstützung jener, die die Schule nicht ohne individuelle Betreuung
bewältigen.++++

Die Ergebnisse der PISA-Studie machen deutlich, dass jene Systeme,
die zwar grundsätzliche Ähnlichkeiten mit Österreich aufweisen, aber
im internationalen Vergleich besser abschneiden, einiges gemeinsam
haben: Es handelt sich dort um Gesamtschulen, oft mit
Ganztagsangeboten, mit hohem Betreuungsaufwand und gezielten
Förderangeboten.

Die frühe Selektion der Schüler in Hauptschule und Gymnasium führt
zu den großen Leistungsunterschieden, die PISA nun belegt hat. Länder
wie Finnland setzen hingegen auf eine breite Beteiligung an
Bildungsgängen mit höheren Abschlüssen und kombinieren in
ganztägigen, gemeinsamen Schulen für alle Kinder Begabungsförderung,
individuellen, nach Leistung differenzierten Unterricht und
Fördermaßnahmen. "Die Gewerkschaftsjugend fordert daher den Ausbau
ganztägiger Schul- und Betreuungsformen", so Lindner. Das wollen
übrigens auch die Eltern: Fast zwei Drittel (62 Prozent) von ihnen
sprachen sich bei einer AK-Befragung für ganztägige Betreuung aus -
vor allem, damit ihre Kinder gute Unterstützung beim Lernen haben.

Außerdem sollte jede Schülerin und jeder Schüler das Recht auf
Förderunterricht haben: "Förderunterricht in der Schule darf kein
Restposten im Budget sein, sondern muss bei Bedarf verpflichtend
angeboten werden", verlangt ÖGJ-Sekretär Lindner. Hingegen habe
Bildungsministerin Gehrer in den vergangenen Jahren nicht nur
reguläre Schulstunden bildungsfeindlich weggekürzt, sondern auch
Begleitlehrer-Posten gestrichen. "Das hat vor allem die
Bildungschancen der SchülerInnen mit nicht-deutscher Muttersprache
weiter verschlechtert", kritisiert Lindner.

Als Gegenmaßnahme empfiehlt Lindner den Anspruch auf Betreuung für
Kinder bereits im Jahr vor Schuleintritt: "In Zusammenarbeit von
Kindergarten und Schule soll es ein Recht auf Unterstützung und
Förderung für alle Kinder geben - braucht ein Kind zum Beispiel
sprachliche Förderung, muss es diese Förderung bekommen, auch wenn es
nicht den Kindergarten besucht."(fk)

ÖGB, 7. Dezember
2004
Nr. 816

OTS0167    2004-12-07/14:14

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