ÖGJ-Lindner: Eine Schule für alle Sechs- bis Fünfzehnjährigen

Individuelle Förderung ermöglicht mehr Bildungsgerechtigkeit

Wien (ÖGJ/ÖGB) - "Anstatt abwechselnd Lehrern, Eltern oder den MigrantInnen die Schuld am schlechten Abschneiden Österreichs zuzuschieben, sollte sich die Politik darum kümmern, dass das Bildungssystem besser und gerechter wird", fordert der Bundessekretär der Österreichischen Gewerkschaftsjugend (ÖGJ), Mario Lindner. Die Grundvoraussetzungen dafür: eine Gesamtschule für alle Sechs- bis Fünfzehnjährigen sowie Geld für zusätzliche Lehrkräfte zur Unterstützung jener, die die Schule nicht ohne individuelle Betreuung bewältigen.++++

Die Ergebnisse der PISA-Studie machen deutlich, dass jene Systeme, die zwar grundsätzliche Ähnlichkeiten mit Österreich aufweisen, aber im internationalen Vergleich besser abschneiden, einiges gemeinsam haben: Es handelt sich dort um Gesamtschulen, oft mit Ganztagsangeboten, mit hohem Betreuungsaufwand und gezielten Förderangeboten.

Die frühe Selektion der Schüler in Hauptschule und Gymnasium führt zu den großen Leistungsunterschieden, die PISA nun belegt hat. Länder wie Finnland setzen hingegen auf eine breite Beteiligung an Bildungsgängen mit höheren Abschlüssen und kombinieren in ganztägigen, gemeinsamen Schulen für alle Kinder Begabungsförderung, individuellen, nach Leistung differenzierten Unterricht und Fördermaßnahmen. "Die Gewerkschaftsjugend fordert daher den Ausbau ganztägiger Schul- und Betreuungsformen", so Lindner. Das wollen übrigens auch die Eltern: Fast zwei Drittel (62 Prozent) von ihnen sprachen sich bei einer AK-Befragung für ganztägige Betreuung aus -vor allem, damit ihre Kinder gute Unterstützung beim Lernen haben.

Außerdem sollte jede Schülerin und jeder Schüler das Recht auf Förderunterricht haben: "Förderunterricht in der Schule darf kein Restposten im Budget sein, sondern muss bei Bedarf verpflichtend angeboten werden", verlangt ÖGJ-Sekretär Lindner. Hingegen habe Bildungsministerin Gehrer in den vergangenen Jahren nicht nur reguläre Schulstunden bildungsfeindlich weggekürzt, sondern auch Begleitlehrer-Posten gestrichen. "Das hat vor allem die Bildungschancen der SchülerInnen mit nicht-deutscher Muttersprache weiter verschlechtert", kritisiert Lindner.

Als Gegenmaßnahme empfiehlt Lindner den Anspruch auf Betreuung für Kinder bereits im Jahr vor Schuleintritt: "In Zusammenarbeit von Kindergarten und Schule soll es ein Recht auf Unterstützung und Förderung für alle Kinder geben - braucht ein Kind zum Beispiel sprachliche Förderung, muss es diese Förderung bekommen, auch wenn es nicht den Kindergarten besucht."(fk)

ÖGB, 7. Dezember
2004
Nr. 816

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