"Neues Volksblatt" Kommentar: "Zu simpel" (Von Christian Buchar)

Ausgabe vom 25. November 2004

Linz (OTS) - =

Lassen wir die Kirche im Dorf: Die Ergebnisse der
letzten PISA-Studie waren zweifellos erfreulich, die große Jubelstimmung lösten sie - gemäß altem Reflex - aber wohl primär durch die Distanzierung des großen Nachbarn Deutschland aus. Bei detaillierter Sicht war Österreich punktemäßig nur ganz knapp vor einer Reihe anderer Staaten, sodass eine winzige Verschiebung - etwa eine stärkere Berücksichtigung von lesemäßig in der Regel schwächeren Berufsschülern, wie sie in der aktuellen Studie gegeben sein dürfte -sehr rasch zum Verlust einiger Plätze in der Rangliste führen kann. Der automatische Rückschluss auf eine damit auch gegebene Qualitätsverschlechterung ist politisch gedacht legitim, bei nüchterner Betrachtung aber noch keineswegs erwiesen.
Das heißt natürlich nicht, dass sich die Bildungspolitik nun einfach zurücklehnen kann. Lehrpläne, Lehrerausbildung, Schulstrukturen sind ständig auf Schwächen und mögliche Verbesserungen hin zu analysieren. Aus den Daten den großen Aufreger zu konstruieren und zum Sturm Richtung Ganztagsschule zu blasen, ist aber schlicht zu simpel gestrickt.

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