- 03.11.2004, 11:15:00
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ÖBB: Architekturwettbewerb Praterstern 5 abgeschlossen
Spannender städtebaulicher Vorschlag macht Praterstern kantiger

Wien (OTS) - Mit der finalen Jurysitzung vom 22. Oktober 2004
haben die ÖBB als Auslober den Architekturwettbewerb für die
Entwicklung eines Bürogebäudes auf der noch unbebauten ÖBB
Liegenschaft Praterstern 5 abgeschlossen. Als Sieger ging das
Architektenteam Richter/Tillner hervor, an die 2. Stelle gereiht
wurden Delugan/Meissl. Ziel des Ideenwettbewerbs war, geeignete
Lösungsansätze für einen der hochwertigsten und zugleich sensibelsten
Bauplätze Wiens zu erlangen.****
Hohe Anforderungen der ÖBB
Mit rund 5.800 m2 Grundfläche begrenzt durch den Bahnhof Wien
Nord, dem ÖBB-Bürogebäude Praterstern 3/4, der Nordbahnstraße und dem
Praterstern selbst ist die derzeit vom Container-Dorf der
ÖBB-Bahnhofsoffensive dominierte Fläche eine der zukunftsträchtigsten
innerstädtischen Liegenschaften Wiens. Gelegen an einem der
hochwertigsten Knotenpunkte des öffentlichen Verkehrs mit fünf
S-Bahnlinien, diversen Eil- und Regionalzug-Linien, künftig zwei
U-Bahnlinien und mehreren Straßenbahnlinien ist sie als Standort für
erstklassige Büroeinheiten vorprogrammiert.
Ziel des Wettbewerbs war daher, intelligente, funktionale und
wirtschaftlich darstellbare Lösungen für ein Bürogebäude mit rund
20.000 m2 Bruttogeschoßfläche und rund 800 Mitarbeiter sowie
ergänzende Nutzungen im Erdgeschoß (Geschäfte, Gastronomie, Services)
zu finden. Ein konkreter Bauherr oder Nutzer wurde ausdrücklich nicht
festgelegt, weswegen Flexibilität, leichte Veränderbarkeit im Inneren
und Mietteilbarkeit in die Bürolösung einfließen mussten. Die Bauhöhe
ist mit der Bauklasse V beschränkt, was sieben Stockwerken plus
Dachgeschoß entspricht.
Der Praterstern selbst sollte durch den neuen Komplex nicht
unbeeinflusst bleiben. Denn Ziel war auch, die Einmündung der
Nordbahnstraße in den "Stern" markanter zu gestalten, indem der
Anfang dieser wichtigen Straßenachse durch das neue Gebäude deutlich
markiert wird. Der Praterstern sollte damit ein Stück kantiger werden
und sich an dieser Stelle nicht im Delta der Nordbahnstraße
verlieren.
Das Siegerprojekt von Richter/Tillner
Nach vier Wertungsdurchgängen fiel die Entscheidung der Jury auf
den städtebaulich interessanten und funktional besonders geeigneten
Vorschlag des Architektenbüros Richter/Tillner. Das Projekt schlägt
eine doppelte H-Struktur vor - mit einem Atriumhof und zwei
Hauptkernen als markante Elemente der Nord- bzw. Südfassade. Über
Verbindungsstege werden von diesen Hauptkernen aus die beiden
nord-südgerichteten Bürotrakte parallel zur Nordbahnstraße bzw. den
Bahngleisen erschlossen. Mehrere Haupteingänge, eine direkte
Anbindung an die U-Bahn und eine Tiefgarage mit 74 Stellplätzen
machen den Komplex zugänglich.
In ihrer Beurteilung würdigte die Jury ausdrücklich die großzügige
lärmgeschützte Innenhoflösung sowie die durchgängige Büroqualität und
die Büroaufteilung in Mieteinheiten. Einen Verbesserungsbedarf sieht
die Jury u.a. noch in der Ausformulierung der Erschließungstürme und
in der Durchgangssituation zur künftigen Bahnfußgängerpassage. Der
Sieger hat nun Gelegenheit, seinen Vorschlag den Empfehlungen der
Jury entsprechend zu überarbeiten. Gelingt dies nicht
zufriedenstellend, bekommt der zweitgereihte Vorschlag eine neue
Chance.
Delugan/Meissl auf Platz 2
Bei Platz 2 legte sich die Jury auf einen Vorschlag fest, der eine
geschlossene Blockrandverbauung mit gleichen Trakttiefen vorsieht und
entlang der Nordbahnstraße eine zurückdriftende Front aufweist, was
eine akzentuierte Orientierung der Südwest-Ecke des Bauwerks hin zum
Praterstern zur Folge hat. Der Innenhof ist mit einem Glasdach
geschützt, und der Zwischenraum zum bestehenden ÖBB-Gebäude ist mit
einer Grünfläche und einem Verbindungssteg gestaltet, der allerdings
von der Jury als optional bewertet wird. 80 PKW-Stellplätze befinden
sich in Tieflage.
Nach Ansicht der Jury punktet der Vorschlag durch sein klares
städtebauliches Konzept und dem subtilen Umgang mit der urbanen
Umgebung des Bauplatzes. Der klar definierte Eingangsbereich wertet
das Gebäude architektonisch auf. Allerdings sieht die Jury auch einen
Verbesserungsbedarf bei der inneren Organisation der Büroeinheiten
und der Verbindungswege, und auch der Innenhof scheint der Jury zu
knapp bemessen.
Daten zum Wettbewerb und weitere Entwicklung
Als Wettbewerbsbüro haben die ÖBB die Bene Consulting GesmbH
eingesetzt, die als Kontaktstelle zu den eingeladenen Teilnehmern
fungierte. Die Auslobung erfolgte als einstufiger, anonymer
städtebaulicher Ideenwettbewerb eingegrenzt auf zehn geladene
Architekturbüros und wurde am 16. Juli 2004 gestartet. Das endgültige
Siegerprojekt soll schließlich als Grundlage für den Flächenwidmungs-
und Bebauungsplan dienen. Die entsprechenden Verfahren werden von den
ÖBB in enger Zusammenarbeit mit der Stadt Wien bereits im kommenden
Jahr eingeleitet. Eine Bebauung ist ab dem Jahr 2008 möglich - nach
dem Abschluss des Umbaus des Bahnhofes Wien Nord.
Ausstellung der einzelnen Beiträge
Modelle, Pläne und Visualisierungen der zehn Wettbewerbsteilnehmer
sind ab heute bis 17. Dezember 2004 in den Hallen der
Güterabfertigung des Wiener Westbahnhofes in der Felberstraße 1
ausgestellt. Die Ausstellung kann täglich von 10:00 bis 17:00 Uhr bei
freiem Eintritt besucht werden. Der Weg zur Ausstellung ist ab der
Bahnhofshalle ausgeschildert.
Liste der eingeladenen Architekturbüros
- Architektur Consult (Eisenköck, Domenig, Peyer), Graz - Baumschlager / Eberle, Dornbirn - BEHF (Bernard, Hasenauer, Ferency), Wien - BRT Bothe / Richter / Teherani, Hamburg - Delugan / Meissl, Wien - Pittino / Ortner, Graz - Podrecca, Wien - RKW (Rhode / Kellermann / Wawrowsky), Düsseldorf - Richter / Tillner, Wien - Runser / Prantl, Wien
Zusammensetzung der Jury
- Arch. DI. Albert Wimmer (Vorsitzender) - Arch. DI. Dr. techn. Patricia Zacek (Stv. Vorsitzende) - Arch. DI. Günter Siegl (Schriftführer, ÖBB PE-T) - Ing. Johannes Mühlbachler (Stv. Schriftführer, ÖBB IM) - Arch. DI. Markus Geiswinkler - DI. Andrea Kreppenhofer (Stadt Wien MA 19) - Bezirksvorsteher Gerhard Kubik (2. Bezirk)
Anwesende Ersatzpreisrichter (ohne Stimmrecht):
- Arch. DI. Günther Katherl, Caramel Architekten ZT GmbH - Arch. DI. Lisa Zentner - Arch. DI: Peter Sapp, Querkraft Architekten - GR Karlheinz Hora, GR 2. Bezirk
Vorprüfung:
- Mag. Karl Friedl (Bene Consulting) - Mag. Eva Haas (ÖBB IM) - DI. Franz Kobermaier (Stadt Wien MA 21) - DI. Gerhard Nestler (Büro Mittnik, Verkehrsplanung)
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OTS0108 2004-11-03/11:15
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