- 21.10.2026, 12:48:35
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Haufen voller Leben: Aus Laub, Ästen, Sand und Steinen werden wertvolle Lebensräume
Ein Haufen Laub, ein paar Äste oder aufgeschichtete Steine wirken auf den ersten Blick unscheinbar. Doch zwischen Blättern, Zweigen und in Spalten finden zahlreiche Tiere das, was in aufgeräumten Gärten und Landschaften oft fehlt: geschützte Rückzugsorte, Brutplätze, Jagdreviere und Winterquartiere. Wie aus einfachen Materialien vielfältige Lebensräume entstehen, zeigen Maria Schmidt und Harald Stoiber auf ihrem Naturschutzhof Going Artenreich am Wilden Kaiser.

Seit der Hofübernahme 2014 sind artenreiche Wiesen, eine Wildhecke, ein Naturteich und eine Streuobstwiese entstanden. Auch Sand- und Steinhaufen gehören dazu. „Wir schaffen Artenvielfalt. Das ist unser Produkt
“, sagt Maria Schmidt. Ihr Hof zeigt, welchen Beitrag vermeintlich unscheinbare Strukturen zur Artenvielfalt leisten können.
Kleine Strukturen mit vielen Bewohnern
Ein Asthaufen nach dem Heckenschnitt, aufgeschichtete Steine am Feldrand oder Laub unter einer Hecke: Solche Strukturen gehören zum Hofkonzept. Zwischen den Materialien entstehen geschützte Hohlräume und unterschiedliche Bedingungen auf kleinstem Raum. Diese Kombination macht die Haufen aller Art für zahlreiche Organismen attraktiv, schafft Verbindungen zwischen größeren Lebensräumen und erleichtert so vielen Tierarten die Bewegung durch die Landschaft.
Asthaufen, die häufig nach der Pflege von Hecken und Obstbäumen entstehen, bieten Igeln und Spitzmäusen Deckung und beherbergen zahlreiche Insekten.
Steine speichern Sonnenwärme, die etwa Zauneidechsen hilft, aktiv zu werden. In den Zwischenräumen der Steinhaufen finden auch kleine Säugetiere und Amphibien Unterschlupf.
Unter Laub- und Totzholzhaufen bleibt Feuchtigkeit erhalten und es herrschen ausgeglichene Temperaturen. Sie schaffen kühle Rückzugsräume in einer sonnigen Umgebung. Amphibien wie Erdkröten, Grasfrösche und Molche nutzen solche Haufen als Verstecke oder auch Winterquartiere. Im unteren Bereich der Laubhaufen zersetzen Regenwürmer, Asseln, Springschwänze, Milben und Tausendfüßer abgestorbenes Pflanzenmaterial und tragen zur Humusbildung bei.
„Wo Laub und Äste liegen bleiben, finden Insekten und andere Kleintiere Unterschlupf und Vögel somit einen reich gedeckten Tisch. Eine Benjeshecke bietet zusätzlich Deckung. Wer solche Strukturen am Hof oder im Garten zulässt, hilft damit auch unseren heimischen Vögeln“
, erklärt Gábor Wichmann, Geschäftsführer von BirdLife Österreich und Vorstand von Blühendes Österreich.
Kinderstuben im Sand
Eine besondere Rolle spielen offene Sandflächen. Rund drei Viertel der heimischen Wildbienen nisten im Boden und sind auf offene, sonnige Bodenstellen angewiesen. Auf dem Naturschutzhof Going Artenreich zeigen kleine Öffnungen im angelegten Sandhaufen, dass Wildbienen eingezogen sind. Die Weibchen graben dort Gänge für ihren Nachwuchs. „Der Sand muss lehmhaltig sein, sonst können die Tiere keine Röhren graben“
, erklärt Maria Schmidt. Gewaschener Spielsand eignet sich deshalb nicht.
Einen Haufen für die Vielfalt anlegen
Das Material für neue Lebensräume fällt bei der Pflege in Garten und Hof oft ohnehin an. Laub lässt sich in einem wind- und regengeschützten Platz nahe einer Hecke sammeln. Strauch- und Baumschnitt können locker aufgeschichtet oder zwischen Holzpfosten zu einer Benjeshecke angelegt werden. Bei einem Steinhaufen ist beim Anlegen auch auf Stabilität zu achten.
Damit die neuen Bewohner nicht gleich wieder ausziehen müssen, sollten die Strukturen dauerhaft bestehen und möglichst ungestört bleiben. Wer einen Haufen angelegt hat, kann ein Foto unter bluehendesoesterreich.at/teile-deinen-erfolg hochladen und andere zum Nachmachen anregen.
Eine einfache und gute Lösung für viele
Was Maria Schmidt und Harald Stoiber auf ihrem Hof umsetzen, ist ein inspirierendes Beispiel für andere landwirtschaftliche Betriebe und Hausgärten. Genau hier setzt das Projekt „EINFACH GUT“ an: Gemeinsam mit Bäuerinnen und Bauern entwickelt Blühendes Österreich – BILLA gemeinnützige Privatstiftung in Kooperation mit suske consulting zehn praxisnahe und kostengünstige Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität.
Durch gezielte Anleitungen, Erklärvideos und Erfahrungsberichte von Landwirtinnen und Landwirten soll das Bewusstsein für biodiversitätsfördernde Maßnahmen gestärkt und zur Nachahmung motiviert werden. Alle Informationen sowie die Erklärvideos sind auf bluehendesoesterreich.at/einfach-gut zu finden.
Das Projekt „EINFACH GUT“ will innerhalb von drei Jahren 500 Maßnahmen auf 1.500 landwirtschaftlichen Flächen umsetzen. Jede einzelne Maßnahme trägt zur Stärkung des Biotopverbunds und zur Verbesserung der Lebensräume heimischer Arten bei.
Mit Unterstützung von Bund, Ländern und Europäischer Union.
Rückfragen & Kontakt
Maria Anna Duda
Leitung Kommunikation Blühendes Österreich
Telefon: 0676/7117450
E-Mail: [email protected]
Website: https://www.bluehendesoesterreich.at
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