• 10.09.2026, 08:59:33
  • /
  • OTM0012

Klimawandel: 171 Millionen Schülerinnen und Schüler waren 2025 von Unterbrechungen ihrer Bildung betroffen

Stürme, Überschwemmungen und Hitzewellen waren die häufigsten Klimaereignisse, die zu Schulschließungen, Unterrichtsausfällen und anderen Unterbrechung der Bildung führten.

New York/Wien – Mehr als 171 Millionen Schülerinnen und Schüler weltweit, also jedes zehnte Kind bzw. jeder zehnte Jugendliche im Vorschul-, Primar- oder Sekundarschulalter, waren im Jahr 2025 von klimabedingten Unterbrechungen ihrer Bildung betroffen. Das geht aus einer neuen Analyse hervor, die UNICEF heute veröffentlicht hat.

Learning Interrupted: Global Snapshot of Climate-Related School Disruptions in 2025 analysiert Daten aus 106 Ländern bzw. Gebieten und zeigt, dass Klimaereignisse wie Stürme, Überschwemmungen, Hitzewellen, Dürren und Waldbrände weltweit für Millionen von Schülerinnen und Schülern zu Unterrichtsausfällen, beschädigten Schulen, einer Verlagerung auf Fernunterricht, verkürzten Unterrichtszeiten, geringerer Schulbesuchsrate und einem erhöhten Risiko des Schulabbruchs geführt haben.

„Für Millionen Kinder bedeuten Klimaereignisse weit mehr als nur unterbrochenen Unterricht. Sie zerstören Schulen, entwurzeln Familien und drängen die verletzlichsten Kinder, insbesondere Mädchen, dauerhaft aus dem Klassenzimmer“, sagte UNICEF-Exekutivdirektorin Catherine Russell.

Laut der Analyse waren Stürme im vergangenen Jahr die häufigste Ursache für Bildungsunterbrechungen und betrafen weltweit 109 Millionen Schülerinnen und Schüler. Überschwemmungen beeinträchtigten mindestens 70 Millionen Schülerinnen und Schüler, während Hitzewellen den Schulbesuch von etwa 50 Millionen Kindern unterbrachen.

„Meine Schule liegt direkt neben einem Bach, und wenn es Überschwemmungen gibt, steigt das Wasser und fließt in die Schule“, sagte der 16-jährige Taudibura Garo aus Papua-Neuguinea, wo El-Niño-Bedingungen in den kommenden Monaten das Risiko extremer Wetterereignisse erhöhen dürften. „Normalerweise steigt das Wasser bis zu unseren Knien und überflutet die Grubenlatrinen. Dann ist es ungesund für uns, in der Schule zu bleiben, und wir verpassen den Unterricht, den wir eigentlich besuchen sollten.“

Obwohl Schülerinnen und Schüler aller Einkommensgruppen von Bildungsunterbrechungen betroffen waren, leben drei Viertel der betroffenen Kinder und Jugendlichen in Ländern mit niedrigem oder unterem mittlerem Einkommen. Dort fehlen den Bildungssystemen häufig die notwendigen Ressourcen, um das Lernen während klimabedingter Notlagen zu schützen.

In Pakistan beispielsweise, einem der am stärksten betroffenen Länder der Analyse, verzögerten schwere Monsunüberschwemmungen im August die Rückkehr von mehr als 28 Millionen Schülerinnen und Schülern in die Schulen. Dies machte die Ereignisse zu einer der größten klimabedingten Bildungsunterbrechungen des Jahres 2025. In Ägypten führte hingegen ein starker Khamsin-Sturm (Wind- und Staubsturm) im April zu einer landesweiten eintägigen Aussetzung des Unterrichts, von der ebenfalls mehr als 28 Millionen Schülerinnen und Schüler betroffen waren.

Den Daten zufolge erlebten 40 Länder im Laufe des Jahres mehrere Wellen klimabedingter Bildungsunterbrechungen. Madagaskar war beispielsweise mit Dürreperioden, tropischen Wirbelstürmen und Überschwemmungen konfrontiert, die im Jahresverlauf 280.000 Schülerinnen und Schüler betrafen. In Spanien waren im März mehr als 500.000 Schülerinnen und Schüler in der Autonomen Gemeinschaft Valencia von Stürmen betroffen, gefolgt vom außertropischen Zyklon Gabrielle im September. Für Tausende Schülerinnen und Schüler im übrigen Land beeinträchtigte extreme Hitze den Unterricht im Mai und Juni, während Sturm Alice im Oktober den Schulbetrieb störte.

Lernverluste und höhere Schulabbruchquoten können die Produktivität der Arbeitskräfte verringern, das Wirtschaftswachstum bremsen und die Armutsbekämpfung erschweren. Der Bericht zeigt, dass Untätigkeit zu potenziellen Einbußen von mindestens 200 Milliarden US-Dollar an lebenslangen Einkommen für jene Schülerinnen und Schüler führen könnte, deren Bildung im Jahr 2025 durch Klimaereignisse unterbrochen wurde.

Mädchen haben ein höheres Risiko, die Schule abzubrechen, wenn Klimaereignisse den Unterricht beeinträchtigen oder Schulen schließen. Schäden an Schulen und Sanitäranlagen, Vertreibung sowie Einkommensverluste von Familien können dazu führen, dass Mädchen zusätzliche Aufgaben in der Betreuung von Familienangehörigen oder bei der Wasserbeschaffung übernehmen müssen. Diese Belastungen können auch das Risiko von Kinderehen erhöhen und es Mädchen erschweren, nach der Wiedereröffnung der Schulen in den Unterricht zurückzukehren.

Gleichzeitig hebt der Bericht praktische Lösungen hervor, die bereits heute dazu beitragen, Bildung vor den Folgen von Klimaereignissen zu schützen. Dazu gehören die Integration von Klimaanpassung und Resilienz in nationale Bildungsplanungen, die Stärkung der Schulinfrastruktur, die Sicherstellung der Lernkontinuität während und nach Unterbrechungen sowie die Verankerung von Klimabildung in Lehrplänen, damit Kinder und Jugendliche die Kompetenzen erwerben, die sie benötigen, um sich an eine sich wandelnde Welt anzupassen.

Aufbauend auf diesen bewährten Ansätzen fordert UNICEF Regierungen und Partner dazu auf, ihre Anstrengungen auszuweiten und Bildung besser vor den schwerwiegendsten Auswirkungen von Klimaereignissen zu schützen, indem sie:

  • die Klimaresilienz von Bildungssystemen stärken, um die Kontinuität des Lernens während Notlagen sicherzustellen.
  • die nationale und internationale Finanzierung zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit von Bildungssystemen erhöhen.
  • in klimaresiliente Bildungsinfrastruktur investieren, um Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte zu schützen.
  • Kinder und Jugendliche mit dem Wissen und den Fähigkeiten ausstatten, die sie benötigen, um Resilienz aufzubauen und Klimaschutzmaßnahmen voranzutreiben.
  • Klima- und Bildungsdatensysteme stärken, um Unterbrechungen besser vorherzusehen, darauf reagieren und sich davon erholen zu können.

„Klimaereignisse bedrohen das Leben und die Zukunft von Kindern“, sagte Russell. „Um Bildung für Kinder heute und für künftige Generationen zu schützen, müssen wir in Schulen und Bildungssysteme investieren, die den Auswirkungen klimabedingter Schocks standhalten können.“

Hinweise für Redaktionen:

Die Identifizierung der Länder, die 2025 von Klimaereignissen betroffen waren, erfolgte auf Grundlage der Emergency Events Database (EMDAT) und des ReliefWeb Disaster Archive. Innerhalb dieser Ereignisse wurden Bildungsunterbrechungen anhand von Lageberichten und Pressemitteilungen von UNICEF, der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften (IFRC), den ECHO-Flash-Berichten des Emergency Response Coordination Centre der Europäischen Kommission, dem Büro der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (UN OCHA), ReliefWeb sowie weiterer Medienquellen verifiziert. Zu den wichtigsten Datenquellen zählen UNICEF-Länderbüros und nationale Komitees, humanitäre Lageberichte von UNICEF, UN-OCHA-Kurzberichte, Save the Children, der Education Cluster, Bildungsministerien sowie das UNESCO Institute for Statistics (UIS).

UNICEFs im Juni veröffentlichter Children's Climate Risk Report 2026 zeigt, dass nahezu die Hälfte aller Kinder weltweit, also 1,1 Milliarden Kinder, mindestens drei sich überlagernden Klimarisiken ausgesetzt ist, die ihre Gesundheit, Bildung und ihr Überleben bedrohen.

Multimedia-Materialien sind hier verfügbar. https://weshare.unicef.org/package/2AMZIFW1EFQI

Rückfragen & Kontakt

UNICEF Österreich
Michael Blauensteiner
Telefon: +43 660 38 48 821
E-Mail: [email protected]
Website: https://unicef.at

MEDIACONTACT-MAILING UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | NEF

Bei Facebook teilen
Bei X teilen
Bei LinkedIn teilen
Bei Xing teilen
Bei Bluesky teilen