• 02.07.2026, 09:15:38
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Hausärzte warnen vor Einbahnstrasse Richtung Primärversorgungszentren

Nach der Pressekonferenz des Gesundheitsministeriums vom 30. Juni, in der der forcierte Ausbau von Primärversorgungszentren (PVZ) als zentrale Säule der Gesundheitsreform präsentiert wurde, meldet sich die ÖGAM mit einer klaren Botschaft zu Wort: PVZ allein sind kein Allheilmittel für die hausärztliche Versorgung Österreichs.

Die Österreichische Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin begrüßt grundsätzlich den politischen Willen, die Primärversorgung zu stärken. Der angekündigte Ausbau von PVZ ist per se zu unterstützen. Problematisch ist jedoch, dass der Ausbau der Primärversorgung in den vergangenen Jahren fast ausschließlich über Zentren erfolgt ist – während andere, gleichwertige Organisationsformen wie Einzel- und Gruppenpraxen sowie insbesondere Primärversorgungsnetzwerke (PVN) bislang nur schleppend umgesetzt wurden.

„Ein alleiniger Fokus auf Zentren bedeutet in der Praxis eine klare Benachteiligung der ländlichen Bevölkerung. Wenn kostenfreier Zugang zu Psychotherapie, Diätologie oder Physiotherapie nur in PVZ möglich ist, verlängern sich die Anfahrtswege für viele Menschen erheblich – und immer mehr Gemeinden bleiben ganz ohne Hausarzt oder Hausärztin zurück", so Dr. Peter Kowatsch, Präsident der ÖGAM. Auch der vom Ministerium betonte Blick auf lange Öffnungszeiten sei aus fachlicher Sicht kein taugliches Qualitätskriterium für gute Primärversorgung.

Forderungen der ÖGAM

Um eine faire und flächendeckende Primärversorgung sicherzustellen, fordert die ÖGAM:

  • Gleichwertigen Zugang zu nichtärztlichen Berufsgruppen unabhängig von der Organisationsform – auch für Einzelordinationen und Gruppenpraxen, etwa über neue Pool-Modelle
  • Beschleunigten Ausbau von Primärversorgungsnetzwerken (PVN), nicht nur von Zentren
  • Einen einheitlichen Versorgungsauftrag für die gesamte Primärversorgung, unabhängig von der Organisationsform – dafür braucht es eine rasche Anpassung der entsprechenden Passagen im Österreichischen Strukturplan Gesundheit (ÖSG)Ein freiwilliges hausärztliches Einschreibmodell als ergänzende Steuerungsmaßnahme im System
  • Ein freiwilliges hausärztliches Einschreibmodell als ergänzende Steuerungsmaßnahme im System

Steuerung braucht mehr als mehr Zentren

„Die alleinige Vermehrung von Primärversorgungseinheiten löst das eigentliche Steuerungsproblem im System nicht. Die Herausforderungen im Arbeitsalltag sind in Zentren, Netzwerken und Einzelpraxen exakt dieselben", betont Kowatsch. Die ÖGAM setzt sich daher für ein freiwilliges Einschreibmodell in der hausärztlichen Primärversorgung ein. Die internationale Datenlage dazu sei eindeutig: Ein solches Modell verbessere nachweislich die Patient:innenbetreuung, werde von Ärzt:innen und Teams gut angenommen und senke gleichzeitig die Gesamtkosten im System. „Es ist nicht nachvollziehbar, warum ein derart gut belegtes Modell in der aktuellen Reformplanung bislang keine Rolle spielt", so Kowatsch abschließend.

Die ÖGAM steht der Politik als fachlicher Partner für die Weiterentwicklung der österreichischen Primärversorgung zur Verfügung.

Für Rückfragen stehen wir gerne zur Verfügung!

Mit freundlichen Grüßen,

Österreichische Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin (ÖGAM) 

Dr. Peter Kowatsch
FA f. Allgemein- u. Familienmedizin 
Präsident der ÖGAM
A - Tel.: 0664 2141866
Mail:
[email protected]

Dr. Anton Wankhammer
FA f. Allgemein- u. Familienmedizin 
Präsidiumsmitglied der ÖGAM
Tel.: 0664-1644531
Mail:
[email protected]

 

 

Rückfragen & Kontakt

Fachgesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin

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