- 21.05.2026, 08:22:27
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Fish Migration Day 2026: Zehn Jahre Forschung am Inn belegen den Nutzen naturnaher Fischwanderhilfen und Renaturierungen
Fish Migration Day 2026: Zehn Jahre Fischforschung am Inn belegen den Nutzen naturnaher Fischwanderhilfen und Renaturierungen Ein gemeinsames Langzeitprojekt von VERBUND und der Technischen Universität München (TUM) zeigt, dass naturnah gestaltete Fischwanderhilfen am Inn weit mehr sind als reine Wanderkorridore: Sie weisen eine hohe Artenvielfalt auf, bieten wertvolle Lebensräume für unterschiedliche Entwicklungsstadien aquatischer Lebewesen und tragen nachweislich zur natürlichen Reproduktion geschützter Fischarten bei. Die Ergebnisse der Forschungsarbeiten belegen die Wirksamkeit der Renaturierungsmaßnahmen, in die VERBUND in Bayern und an der Grenze zu Österreich rund 100 Millionen Euro investiert.
Im Rahmen des 10-jährigen Forschungsprojekts über Fischhabitate von VERBUND und des Lehrstuhls für Aquatische Systembiologie der TUM wurden im Zeitraum von 2015 bis 2025 insgesamt 2.163 Befischungen auf einer Gesamtlänge von 64.890 Metern entlang des Inns zwischen den Kraftwerken Nussdorf und Ering-Frauenstein durchgeführt. Dabei konnten 150.565 Fische aus 45 Arten erfasst werden. Ergänzt wurden diese Untersuchungen durch 1.600 Driftnetzproben zur Analyse von Fischlarven und Fischeiern. Die wissenschaftliche Aufarbeitung des Projekts mündete in 14 Publikationen sowie rund 50 studentischen Abschlussarbeiten.
Die Ergebnisse belegen klar, dass naturnah gestaltete Fischwanderhilfen am Inn weit mehr sind als reine Wanderkorridore: Sie übernehmen wichtige Habitatfunktionen und werden von einer hohen Vielfalt an Fischarten als Lebensraum genutzt. In den zwölf untersuchten naturnahen Fischwanderhilfen wurden fast 38.000 Individuen aus 36 Fischarten nachgewiesen. Bemerkenswert ist zudem, dass hier die Artenzusammensetzung jener in den Zubringern des Inns sehr ähnlich ist. Das bestätigt den Erfolg des Konzepts, naturnahe Umgehungsgewässer zu schaffen, die strukturreiche Seitenarme und Nebengewässer des Inns ökologisch wirksam nachbilden.
Besonders hervorzuheben sind die regelmäßigen Nachweise streng geschützter Arten wie Mühlkoppe und Huchen sowie Einzelnachweise besonders seltener und teilweise beinahe verschwundener Arten wie Strömer, Steingressling und Schlammpeitzger. Vor allem der Fund des Steingresslings in der Fischwanderhilfe Ering-Frauenstein unterstreicht das Potenzial naturnaher Anlagen am Inn als Refugial- und Wiederbesiedlungsräume für seltene und bedrohte Fischarten. Auffällig war auch der häufige Nachweis der Äsche; mehrere Studien belegen, dass diese Strukturen für die Art wichtige Schlüssellebensräume über den gesamten Lebenszyklus hinweg darstellen können. Die nachgewiesenen Fischgrößen im Gesamtprojekt reichten dabei von nur einem Zentimeter langen Fischlarven bis zu einem 163 Zentimeter langen Wels und verdeutlichen die große ökologische Bandbreite der durch Renaturierungen geschaffenen Lebensräume.
15 Huchenlaichgruben beim Kraftwerk Töging kartiert
Die Untersuchungen liefern wichtige Erkenntnisse zur natürlichen Reproduktion: Studien zu Ei- und Larvendrift, ergänzt durch genetische Methoden zur Artverifizierung, belegen eine erfolgreiche Reproduktion geschützter Arten wie Nase, Äsche, Huchen und Mühlkoppe sowohl auf renaturierten Laichplätzen im Inn als auch in naturnahen Fischwanderhilfen. Die Laichplatzbereiche wurden bevorzugt zur Eiablage genutzt und boten günstige Bedingungen für die Entwicklung von Eiern und Larven. Ein aktueller Beleg für die Wirksamkeit der Maßnahmen ist der Nachweis von 15 Huchenlaichgruben, die 2026 in der Ausleitungsstrecke des Kraftwerks Töging kartiert wurden.
Ökologieprogramm und Monitoring wird fortgesetzt
VERBUND setzt seit Jahren auf umfassende Renaturierungen an Donau, Inn, Drau, Enns, Mur und weiteren Flüssen. Ziel ist es, die ökologische Durchgängigkeit zu verbessern und gleichzeitig strukturreiche Lebensräume für Fische und andere wassergebundene Organismen zu entwickeln. Heute sind bereits 75 Prozent aller VERBUND-Kraftwerke passierbar.
Das 10-jährige Forschungsprojekt über Fischhabitate am Inn zeigt eindrucksvoll, dass naturnahe Fischwanderhilfen und Renaturierungen nicht nur die Durchgängigkeit verbessern, sondern auch hochwertige Lebensräume schaffen, die von einer großen Vielfalt an Arten genutzt werden, natürliche Reproduktion ermöglichen und langfristig zur Stabilisierung von Fischpopulationen beitragen werden.
Ein wesentliches Ergebnis des Projekts ist außerdem, dass Renaturierung nicht mit der baulichen Umsetzung endet. Da natürliche flussdynamische Prozesse in regulierten Systemen wie dem Inn und den gebauten Fischwanderhilfen nur noch eingeschränkt ablaufen, braucht es ein regelmäßiges Management der umgesetzten Maßnahmen. Auf Basis der Forschungsergebnisse wurden daher Managementleitfäden mit konkreten Maßnahmenhinweisen und Zeitplänen entwickelt. Sie helfen dabei, wissenschaftliche Erkenntnisse in die Praxis zu übertragen und die ökologische Wirksamkeit der Maßnahmen langfristig zu sichern.
Johannes Wesemann, VERBUND Projektleiter: „Für VERBUND ist Renaturierung ein wesentlicher Teil nachhaltiger Wasserkraft. Die Ergebnisse des Langzeitprojekts am Inn zeigen, dass naturnahe Umgehungsgewässer weit mehr sind als technische Bauwerke: Sie verbinden Lebensräume, fördern geschützte Arten und schaffen ökologische Qualität im gesamten Flusssystem. Wichtig ist uns nicht nur die Umsetzung von Maßnahmen, sondern auch ihr langfristiger Erfolg. Deshalb wird VERBUND das wissenschaftliche Monitoring fortsetzen, damit Fischwanderhilfen und aufgewertete Lebensräume dauerhaft funktionieren.“
Christoffer Nagel, Technische Universität München: „Die Daten aus zehn Jahren Forschung zeigen sehr deutlich, dass naturnah gestaltete Fischwanderhilfen am Inn nicht nur als Wanderkorridore genutzt werden, sondern auch als Lebens-, Reproduktions- und Rückzugsräume für eine bemerkenswerte Vielfalt an Arten. Genau darin liegt ihr großer ökologischer Wert.“
Bernhard Gum, Fachberatung für Fischerei Bezirk Oberbayern: Die zehnjährige Fisch- und Habitatforschung der TU München am Inn zeigt eindrucksvoll, dass die von VERBUND umgesetzten Maßnahmen zur Durchgängigkeit und Renaturierung einen wichtigen und wirksamen Beitrag zum Schutz gefährdeter Flussfischarten und aquatischer Lebensräume leisten. Als Fischereifachberatung profitieren wir bereits heute von den gewonnenen Erkenntnissen und werden diese künftig gezielt in Beratung, Planung und Umsetzung im Bezirk Oberbayern einbringen. Für das langjährige Engagement aller beteiligten Partner am Inn aus Forschung/TU München, Praxis/Fischereivereine am Inn, Verwaltung und Energiewirtschaft/VERBUND danken wir ausdrücklich und freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit.“
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