• 11.07.2023, 10:00:02
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  • OTS0047

HVPI-Inflation im Jahr 2023 bei 7,4 % – bis 2025 Rückgang auf knapp unter 3 % erwartet

Verzögerte Weitergabe sinkender Energiepreise und Struktur der Fiskalmaßnahmen erklären Österreichs Inflationsabstand zum Euroraum

Utl.: Verzögerte Weitergabe sinkender Energiepreise und Struktur der
Fiskalmaßnahmen erklären Österreichs Inflationsabstand zum
Euroraum =

Wien (OTS) - „Der Inflationsabstand zwischen Österreich und dem
Euroraum ist in den letzten Monaten aufgrund der Struktur der
Fiskalmaßnahmen zur Abfederung der Preisanstiege bei Energie und der
verzögerten Weitergabe von Großhandelspreisrückgängen für
Haushaltsenergie an die Endverbraucher:innen signifikant
angestiegen“, so der Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank
(OeNB), Robert Holzmann. Hinsichtlich der weiteren
Inflationsentwicklung erwartet die OeNB einen Rückgang der am
Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) gemessenen Inflation von
7,4 % im Jahr 2023 auf zunächst 4,1 % im Jahr 2024 und 2,9 % im Jahr
2025. Damit wird die Inflationsdifferenz zum Euroraum erst 2025
wieder den langfristigen Durchschnitt erreichen.

Auch wenn die österreichische HVPI-Inflationsrate seit Jahresbeginn
eine rückläufige Tendenz aufweist, ist sie im Juni 2023 laut
Schnellschätzung von Statistik Austria mit 7,8 % immer noch
außergewöhnlich hoch gewesen. Die bis Mai vorliegenden
Detailergebnisse zeigen, dass die Verringerung des Preisauftriebs vor
allem auf Energie und in einem geringeren Ausmaß auf Nahrungsmittel
sowie Industriegüter ohne Energie zurückgeht. Bei Dienstleistungen
hat sich der Preisauftrieb hingegen beschleunigt, weshalb die ohne
Energie und Nahrungsmittel berechnete Kerninflation nur langsam
sinkt. Im Mai lag die Kerninflation bei 7,9 %, nachdem sie im April
mit 8,3 % den höchsten Wert seit Beginn der Währungsunion erreicht
hatte.

Laut aktueller Inflationsprognose der OeNB wird die
HVPI-Inflationsrate im Jahr 2023 7,4 % betragen. Der rasche Rückgang
der Teuerung im Jahresverlauf 2023 auf 4 ½ % im Dezember 2023 wird
sich im Folgejahr verlangsamen. Für das Jahr 2024 erwartet die OeNB
eine Teuerungsrate von 4,1 %, für das Jahr 2025 2,9 %. Die
Kerninflationsrate (ohne Energie und Nahrungsmittel) steigt 2023 vor
allem aufgrund kräftiger Lohnkostensteigerungen auf 7,1 %. 2024 und
2025 wird die Kerninflationsrate auf 5,1 % bzw. 2,8 % sinken, aber
weiter deutlich über ihrem langfristigen Durchschnitt bleiben. Die
Energiepreisentwicklung wird durch fiskalpolitische Maßnahmen im Jahr
2023 markant gedämpft. Nach dem Auslaufen der Maßnahmen wird von den
Energiepreisen in den Jahren 2024 und 2025 allerdings ein
inflationstreibender Effekt ausgehen. Die Arbeitnehmerentgelte werden
aufgrund der verzögerten Inflationsabgeltung 2023 kräftig ansteigen.
Dies wird insbesondere im Dienstleistungssektor 2023 zu einer
Erhöhung der Inflationsrate führen. Die Teuerung von Agrarrohstoffen
sowie die landwirtschaftlichen Produktionskosten sollten im
Prognosezeitraum zurückgehen. Dies wird sich – allerdings mit einer
Zeitverzögerung – auf die Nahrungsmittelpreise übertragen. Daher wird
die Inflationsrate für Nahrungsmittel im Jahr 2023 mit 9,8 % hoch
bleiben, bis 2025 jedoch auf 2,3 % sinken.

Der Inflationsabstand Österreichs zum Euroraum wuchs im Juni 2023 auf
2,3 Prozentpunkte an, nachdem die Teuerung Österreichs im ersten
Halbjahr 2022 noch niedriger als im Euroraum gewesen war.
Hauptverantwortlich für die Ausweitung des Inflationsabstands ist der
Beitrag der Energie-Komponente. Eine Ursache für diese Entwicklung
ist die Struktur der Fiskalmaßnahmen zur Abfederung der gravierenden
Verteuerung bei Energie. In Österreich wurden weniger direkte
Preiseingriffe vorgenommen, und es wurde stärker auf
Transferzahlungen zurückgegriffen. Energieträger, bei denen es keine
Preiseingriffe gegeben hat (Fernwärme, feste Brennstoffe, Gas), sind
zu einem erheblichen Teil dafür ausschlaggebend, dass sich der
Inflationsabstand gravierend ausgeweitet hat. Ein weiterer Grund für
die wachsende Inflationsdifferenz ist die schleppende Weitergabe der
Großhandelspreisrückgänge für Haushaltsenergie an die
Endverbraucher:innen in Österreich. Die Ursachen dafür sind
vielfältig: lange Vertragsbindungen der Haushalte an
Energieversorger, geringe Wechselraten sowie mangelnder Wettbewerb.
Die weiterhin hohen Energiepreise wirken sich aber auch auf die
Kosten im Dienstleistungssektor und bei der Produktion von Waren aus.
Die seit Mitte 2022 dynamische Preisentwicklung im österreichischen
Dienstleistungssektor hat auch aufgrund der stärkeren Gewichtung von
Dienstleistungen im österreichischen HVPI-Warenkorb zur Ausweitung
des Inflationsabstands zum Euroraum beigetragen.

„Inflation aktuell“ ist ein vierteljährlich erscheinender Bericht der
Oesterreichischen Nationalbank zur Inflation in Österreich. Darin
wird die Inflationsentwicklung der letzten Monate analysiert, die
Inflationsprognose der OeNB vorgestellt sowie auf aktuelle
Schwerpunktthemen eingegangen:
https://www.oenb.at/Publikationen/Volkswirtschaft/inflation-aktuell.h
tml

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