• 18.04.2012, 13:13:24
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GLOBAL 2000 stellt Aussagen von Bauernbundpräsident Auer richtig

Gefordert ist eine sachliche und wissenschaftsbasierte Diskussion zum Thema Bienenschutz.

Wien (OTS) - Der Präsident des Bauernbundes und Abgeordnete zum
Nationalrat, Jakob Auer, spricht in seiner gestrigen Aussendung von
einer "Global 2000 Kampagne, wonach Pflanzenschutzmittel der
Landwirtschaft mit Bienenschäden in Verbindung gebracht werden."
Hierzu stellt die österreichische Umweltschutzorganisation GLOBAL
2000 richtig: Dieser Zusammenhang wird nicht nur von GLOBAL 2000
hergestellt, er ist mittlerweile auch in Österreich durch die
MELISSA-Studie offiziell bestätigt. Zitat aus der Presseaussendung
der AGES vom 3. April 2012 zum MELISSA-Abschlussbericht: "Es gibt
einen unbestrittenen Zusammenhang zwischen Bienenverlusten und
insektizidgebeiztem Saatgut." (1). Vermutet wurde das von den Imkern
schon lange, deshalb forderten die Obmänner des österreichischen
Imkerbunds und Erwerbsimkerbunds, Josef Ulz und Josef Stich, bereits
im Juni 2008 im Rahmen einer Pressekonferenz ein Verbot dieser Mittel
(2).

Des weiteren bezieht sich Auer in seiner Aussendung auf angebliche
"grob verzerrende und unrichtige Darstellungen, wonach die Bauern
alleinig für das Bienensterben verantwortlich gemacht werden". GLOBAL
2000 verwehrt sich gegen diese Aussage und stellt ganz im Gegenteil
klar: "Die Bauern gehören neben den Bienen und Imkern, zu den ersten
Opfern einer verfehlten Landwirtschaftspolitik, die anstatt auf
Fruchtfolge auf den verpflichtenden Einsatz von bienenschädigenden
Pestiziden setzt", hält DI Dr. Helmut Burtscher, GLOBAL 2000
Umweltchemiker, fest. "Wenn wieder Bienenschäden auftreten, dann ist
zu befürchten, dass der Schwarze Peter einmal mehr den Bauern
zugeschoben wird." Denn schon jetzt wird im MELISSA-Abschlussbericht
ein Verstoß gegen die AGES-Auflagen für die Maisaussaat als mögliche
Ursache für die Bienenschäden angedeutet. Zitat aus dem
MELISSA-Abschlussbericht (Seite 183): "Ob tatsächlich in jedem Fall,
bei dem in Österreich ein Zusammenhang der Bienenschäden mit der
Aussaat von gebeiztem Saatgut hergestellt werden konnte, alle
Zulassungs- und Anwendungsauflagen lückenlos eingehalten wurden (z.
B. abdriftzertifizierter Deflektor, keine Aussaat bei
Windgeschwindigkeiten von >5m/sec), konnte im Rahmen des Projektes
nicht hinreichend geklärt werden."(3).

Helmut Burtscher: "Eine der behördlichen Auflagen verlangt
beispielsweise von den Bauern, auf eine Maisaussaat bei
Windgeschwindigkeiten über fünf Meter pro Sekunde zu verzichten. Die
im MELISSA-Abschlussbericht angeführten Wetterdaten zeigen aber, dass
vielerorts die durchschnittlichen Windgeschwindigkeiten zur Zeit der
Maisaussaat weit über diesem Wert lagen. Was soll der Landwirt in
solchen Fällen tun?"

Zudem haben Untersuchungen aus Italien (APINET) gezeigt, dass eine
Kontamination von Bienen auch bei vollständiger Einhaltung aller
genannten Auflagen nicht verhindert werden kann (4). Gewissermaßen
gesteht das auch die AGES ein, wenn sie im MELISSA-Abschlussbericht
schreibt: Die "aufgetretenen Bienenschäden zur Zeit der Maisaussaat
und die positiven Ergebnisse der Rückstandsuntersuchungen zeigen,
dass das Problem der Wirkstoffabdrift mit den derzeit verpflichtend
eingesetzten Typen von Deflektoren noch nicht zufriedenstellend
gelöst werden konnte." Deshalb verbieten unsere Nachbarländer
Deutschland, Slowenien und Italien den Einsatz neonicotonoider
Saatgutbeizmittel.

Weiters schreibt Auer, dass es seit 2012 in Österreich eine
verpflichtende Fruchtfolge für Mais gebe. "Was der Präsident des
Bauernbundes hier als Fruchtfolge bezeichnet, ist in unseren Augen
nichts anderes als eine Mais-Monokultur mit Unterbrechungen", hält
Burtscher entgegen. Denn in dieser sogenannten "Fruchtfolge" ist
vorgesehen, dass weiterhin drei Jahre hintereinander Mais auf Mais
auf Mais angebaut wird, und erst danach für ein Jahr unterbrochen
wird. "Das wird uns weder dabei helfen, dem schädlichen
Maiswurzelbohrer Einhalt zu gebieten, noch wird es die anderen mit
der Mais-Monokultur einhergehenden Umweltprobleme lösen."

In Anbetracht dieser Fakten war es dann auch nicht verwunderlich,
dass beim gestrigen Experten-Hearing im Parlament, welches vor dem
Agrarausschuss zum Thema Bienensterben stattgefunden hat, die
geladenen Experten Josef Stich (Obmann des Erwerbsimkerbunds), DI Dr.
Mandl (Koordinator der Arbeitsgemeinschaft Bienenforschung an der
BOKU Wien) sowie DI Dr. Helmut Burtscher unabhängig voneinander den
Verzicht auf neonicotinoide Beizmittel als einzig wirksame Maßnahme
zum Bienenschutz empfohlen haben. Alle Oppositionsparteien fordern
geschlossen ein Verbot dieser Mittel, und auch die SPÖ-VertreterInnen
machten sich für den Bieneschutz stark. Einzig die anwesenden
Vertreter der ÖVP, der Landwirtschaftskammer, des Bauernbundes und
der AGES sprechen sich derzeit noch dezidiert gegen ein Verbot dieser
bienengefährlichen Mittel aus (5).

Quellen:
(1)http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20120403_OTS0136/ages-forsc
hungsprojekt-melissa-brachte-wesentliche-verbesserungen-fuer-den-bien
enschutz
(2)http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20080723_OTS0046/oesterreic
hische-imker-2500-bienenvoelker-durch-pestizide-geschaedigt
(3)https://www.dafne.at/prod/dafne_plus_common/attachment_download/35
aa44b10ef719f3065f7a0c691dac8d/MELISSA_Abschlussbericht_v2_dafne.pdf
(4)http://www.erwerbsimkerbund.at/?id=2500%2C1130598%2C%2C
(5)http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20120417_OTS0266/landwirtsc
haftspolitik-von-der-gap-bis-zu-den-kaesekrainern-breite-themenpalett
e-im-landwirtschaftsausschuss

Rückfragehinweis:

GLOBAL 2000 Pressesprecherinnen
   Mag. Lydia Matzka-Saboi & Mag. Nunu Kaller
   Tel.: 0699/14 2000 26 und 0699/14 2000 20
   E-Mail: [email protected]
   
   GLOBAL 2000 Umweltchemiker
   DI Dr. Helmut Burtscher
   Tel.: 0699/14 2000 34
   E-Mail: [email protected]

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