- 03.04.2012, 15:25:19
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AGES: Forschungsprojekt MELISSA brachte wesentliche Verbesserungen für den Bienenschutz
Gesamtsicht zur Bienengesundheit in Österreich
Wien (OTS) - Mit dem Forschungsprojekt "MELISSA" wurden in
Österreich seit 2009 Bienenschädigungen und mögliche Zusammenhänge
mit Bienenkrankheiten und dem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln
wissenschaftlich untersucht. Der Schwerpunkt der Untersuchungen lag
in den Mais-, Raps- und Kürbisanbaugebieten Österreichs. Unter
Einbeziehung der Imkervertreter, der Vertreter der
Landwirtschaftskammern, der Saatgutwirtschaft und der ExpertInnen der
AGES im Einvernehmen mit den Bundesländern, beauftragt vom
Lebensministerium, wurde auf Grundlage der Ergebnisse aus "MELISSA"
und wissenschaftlicher Erkenntnisse anderer Mitgliedstaaten sowie
einer normenkonformen Risikobewertung dazu vom Bundesamt für
Ernährungssicherheit (BAES) ein umfassender Anforderungs- und
Auflagenkatalog für die Vermarktung und Ausbringung von
insektizidgebeiztem Saatgut vorgeschrieben.
Aus dem Endbericht lassen sich folgende Schlüsse ableiten:
- Durch umfangreiche Auflagen und Maßnahmensetzungen (partielles
Anbauverbot) und eine maßgebliche Verbesserung der Beizqualität trat
eine signifikante Reduktion von Bienenverlusten ein.
- Die disziplinierte Umsetzung der Auflagen und deren Gewährleistung
ist die Grundlage für die Vermeidung von Bienenschäden und
optimierten Bienenschutz.
- Zur Bekämpfung des Maiswurzelbohrers ist vorrangig Fruchtfolge
zielführend. Dennoch ist es zusätzlich notwendig, zugelassene
Pflanzenschutzmittel zur Eindämmung und Bekämpfung dieses
Quarantäneschädlings verfügbar zu haben.
- Es gibt einen unbestrittenen Zusammenhang zwischen Bienenverlusten
und insektizidgebeiztem Saatgut. Von ca. 367.000 Bienenvölkern in
Österreich wurden im Jahr 2011 bei 1396 Bienenvölkern Schädigungen
durch insektizidgebeiztes Saatgut nachgewiesen.
- Die wissenschaftlichen Ergebnisse des Projekts MELISSA liefern
wichtige Ansatzpunkte zur Verbesserung in der Bewertung und der
Kontrolle von Pflanzenschutzmitteln national und auf EU-Ebene.
Verbesserte Beizqualität verringert Eintrag in Umwelt und verbessert
den Anwenderschutz
Ein wesentliches Ergebnis des Forschungsprojekts ist die in
Zusammenarbeit mit der Saagutwirtschaft erfolgte massive Verbesserung
der Beizmittelqualität: Bereits 2009 konnte bei 96 % der in
Österreich mit Insektiziden gebeizten Saatgutpartien der Wert von
0,75 g Abrieb je 100.000 Korn unterschritten werden (Grenzwert 2009:
1,3 g Abrieb je 100.000 Korn; ab 2010 galt der Grenzwert 0,75 g
Abrieb je 100.000 Korn). 2011 lag dieser Wert bereits bei 0,17 g /
100.000 Korn. In Kombination mit Abdrift mindernder Sätechnik ergibt
sich daraus neben deutlich weniger Beizmittel-Eintrag in die Umwelt
auch eine deutliche Verbesserung des Anwenderschutzes. Die
risikobasierten Auflagen und ein partielles Anbauverbot haben auch
dazu geführt, dass trotz steigender Mais-Anbauflächen die Verwendung
von gebeiztem Saatgut um 35 Prozent verringert wurde.
Risikomindernde Maßnahmen wirken bei strikter Einhaltung
Die Ergebnisse aus dem Forschungsprojekt zeigen auch, dass bei
Einhaltung aller risikomindernden Maßnahmen Bienen wirksam geschützt
werden können: In Kärnten und weiten Teilen Oberösterreichs,
Niederösterreichs und der Steiermark traten keine Bienenverluste
durch mit Neonicotinoiden gebeiztem Saatgut auf. Die Ergebnisse
zeigen, dass die Maßnahmen in den vergangenen drei Jahren zu einer
Reduktion des Schadensausmaßes in jenen Gebieten geführt haben, wo
gezielt Schritte zur Einhaltung der Auflagen gesetzt wurden.
Gesamtsicht zur Bienengesundheit
Im Zuge von MELISSA gelang es, eine umfassende Gesamtsicht zur
Bienengesundheit in Österreich zu gewinnen: die Untersuchungen
erstreckten sich nicht nur auf Rückstände von insektiziden
Beizmitteln und andere Rückstände von Pflanzenschutzmitteln im
Schadensfall, sondern auch auf zahlreiche Krankheitserreger und
Parasiten.
Der Zusammenhang zwischen Bienenverlusten und insektiziden
Beizmitteln ist unbestritten: In den Jahren 2009 - 2011 sind in
Österreich trotz signifikanter Verbesserungen durch behördliche
Maßnahmensetzungen regional gehäuft Bienenschäden aufgetreten, die
mit der Verwendung von insektizidgebeiztem Mais- und Ölkürbissaatgut
in Zusammenhang zu bringen waren. Die starke regionale Komponente mit
einer Häufung in Gebieten mit kleinräumiger landwirtschaftlicher
Struktur ist ein Hinweis auf besondere Umweltsituationen und daraus
resultierender verstärkter Exposition der Bienen mit den bezeichneten
insektiziden Pflanzenschutzmitteln in den betroffenen Gebieten.
Dass in Bienenproben auch Rückstände von zum Teil schon lange
nicht mehr zugelassenen Pflanzenschutzmitteln, ist aus Sicht der AGES
nicht akzeptabel. Eine genaue Ursachenforschung, aus welchen
Anwendungen diese Rückstände stammen, war im Rahmen dieses
Forschungsprojekts allerdings nicht möglich. Denkbar sind
missbräuchliche Anwendungen in der Landwirtschaft, aber auch im Haus-
und Kleingartengartenbereich.
Problem Maiswurzelbohrer
Im Zeitraum des Forschungsprojekts MELISSA hat sich auch der
Maiswurzelbohrer weiter ausgebreitet: In Kärnten z. B. konnte er sich
in nur vier Jahren, aus Südosten durch das Lavanttal kommend, über
das gesamte Bundesland mit einer Ost-West-Ausdehnung von immerhin 180
Kilometern ausbreiten. Auch nördlich der Alpen zeichnet sich in
Oberösterreich eine deutliche Vergrößerung des Befallsgebietes ab:
2011 wurden bereits aus 16 Bezirken Käferfunde gemeldet. Mit dem
erstmaligen Auftreten an gleich drei Fallenstandorten im Ennstal im
Jahr 2011 hat der Käfer einen Sprung von insgesamt beinahe 80 km in
einem Jahr gemacht und die letzten bisher befallsfreien Maisstandorte
der Steiermark erobert.
Ausführliche Informationen finden Sie unter www.ages.at
Endbericht MELISSA: www.dafne.at (Projektnummer 100472)
Rückfragehinweis:
AGES - Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH Unternehmenskommunikation Tel.: +43 (0)50 555-25000 mailto:[email protected] http://www.ages.at Fachlich: DI Leopold Girsch, Geschäftsfeldleiter Ernährungssicherung Tel: 050 555-34000 mailto: [email protected]
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