- 05.11.2026, 08:52:33
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Mangelernährung: Zwei Drittel der Risikopatient*innen erhalten keine diaetologische Behandlung
Anlässlich der Malnutrition Awareness Week fordert DIAETOLOGIE AUSTRIA systematische Risikoerkennung und besseren Zugang zu Ernährungstherapie
Mangelernährung ist in Österreich ein relevantes Gesundheitsproblem, wird jedoch häufig nicht ausreichend behandelt. Eine Auswertung der österreichischen Pflegequalitätserhebung mit 8.405 Patient*innen aus 45 Krankenhäusern zeigt: Zwischen 2017 und 2019 hatten 23,3 Prozent der erfassten Patient*innen ein Mangelernährungsrisiko. Nur 32,7 Prozent davon wurden an Diaetolog*innen überwiesen. Rund zwei Drittel erhielten somit keine diaetologische Behandlung.
Mangelernährung bleibt oft unbemerkt
Mangelernährung liegt vor, wenn der Körper über längere Zeit zu wenig Energie und/oder Nährstoffe erhält. Dadurch können sich der Ernährungszustand, wichtige Körperfunktionen und die Gesundheit verschlechtern.
Die Ursachen sind vielfältig. Nicht nur Menschen mit Untergewicht sind betroffen. Akute und chronische Erkrankungen, Nebenwirkungen von Therapien und Medikamenten, Kau- und Schluckprobleme oder körperliche Einschränkungen können eine ausreichende Ernährung erschweren. Auch soziale Faktoren wie Einsamkeit und fehlende Unterstützung im Alltag spielen häufig eine Rolle.
Die Folgen reichen von Muskelabbau und Kraftverlust über eine geschwächte Immunabwehr mit erhöhtem Infektionsrisiko bis hin zu verzögerter Wundheilung und Genesung.
Individuelle Ernährungstherapie wirkt nachweislich
Wie Studien zeigen, wirkt sich eine individuelle Ernährungstherapie, die die Ursachen der unzureichenden Versorgung und die persönlichen Bedürfnisse der Patient*innen berücksichtigt, deutlich positiv aus: Bei internistischen Krankenhauspatient*innen mit Ernährungsrisiko senkte eine individuelle Ernährungsunterstützung die Sterblichkeit innerhalb von 30 Tagen von rund zehn auf sieben Prozent. Auch Alltagsfunktion und Lebensqualität der Patient*innen waren signifikant besser.
Systematische Erkennung und Zugang zu diaetologischer Beratung
Anlässlich der Malnutrition Awareness Week von 9. bis 13. November fordert DIAETOLOGIE AUSTRIA, bei Spitalsaufnahmen systematisch ein Screening auf Mangelernährung durchzuführen. So können Risiken frühzeitig erkannt und entsprechende diaetologische Maßnahmen eingeleitet werden.
Aussagekräftige Daten, wie sie die Pflegequalitätserhebung der Medizinischen Universität Graz und der international durchgeführte nutritionDay am 12. November liefern, helfen dabei, Versorgungslücken sichtbar zu machen und gezielt zu schließen.
Ziel muss sein, dass auf ein erkanntes Risiko rasch eine bedarfsgerechte Versorgung folgt. So lassen sich die negativen Folgen von Mangelernährung, darunter ein erhöhtes Sterberisiko, reduzieren.
DIAETOLOGIE AUSTRIA – Verband der Diaetolog*innen Österreichs
Diaetolog*innen sind die gesetzlich anerkannten Expert*innen für alle ernährungsbezogenen Fragestellungen. Ihr wesentliches Alleinstellungsmerkmal gegenüber anderen Ernährungsberufen ist, dass sie auch Menschen mit Erkrankungen beraten und behandeln dürfen.
DIAETOLOGIE AUSTRIA ist die offiziell anerkannte Berufsvertretung der Diaetolog*innen in Österreich. Der Verband vertritt die Berufsgruppe gegenüber Politik, Gesundheitsorganisationen und Öffentlichkeit und setzt sich für adäquate berufliche Rahmenbedingungen ein.
Wissenschaftliche Quellen und weiterführende Informationen
- Austrian Health Forum & Fresenius Kabi Austria (2026): Medizinische Ernährungstherapie bei onkologischen Patient:innen. Vom unterschätzten Risiko zur strukturierten Versorgung. 16 Handlungsvorschläge zur Etablierung der medizinischen Ernährungstherapie als integraler Bestandteil der onkologischen Versorgung in Österreich. Februar 2026. https://medizinische-ernaehrungstherapie.at/
- Eglseer & Bauer 2020, Predictors of dietitian referrals in hospitals. Nutrients.
- Nutrition Day 2026: https://www.nutritionday.org/
- Pflegequalitätserhebung. Medizinische Universität Graz, Institut für Pflege- und Gesundheitswissenschaften. https://at.lpz-um.eu/de
- Schuetz et al. 2019, Individualised nutritional support in medical inpatients at nutritional risk: a randomised clinical trial. Lancet.
- Volkert et al. 2025, S3-Leitlinie Klinische Ernährung und Hydrierung im Alter. DGEM.
Rückfragen & Kontakt
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Mag. Eva Maria Krappinger, MA
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