• 04.11.2026, 14:56:03
  • /
  • OTS0176

28. Journalistinnenkongress: Neue Perspektiven statt Vertrauensverlust

Wien (OTS) - 

Keine Angst vor KI haben, gezielt auf Menschen zugehen und aus Fehlern lernen: Welche Strategie brauchen die Medien, um verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen? Beim 28. Journalistinnenkongress standen heute im Wiener Haus der Industrie genau diese Themen unter dem Motto „Neustart statt Niedergang” im Fokus.

Globale Krisen und Entwicklungen der Künstlichen Intelligenz sorgen in der Medienbranche für zahlreiche Herausforderungen, auch das Vertrauen der Konsumentinnen und Konsumenten ist keine stabile Zahl.

Ein Blick in die Zukunft zeigt auch KI. „Wir wollen sie einsetzen und nicht uns ersetzen lassen", leitete die Moderatorin Gaby Konrad (ORF) das Thema ein. Das eigentliche Problem dabei ist die Bequemlichkeit. Monopolisten wie Google trainieren durch Algorithmen den Konsumierenden ein bestimmtes Nutzungsverhalten an. Darum sei es laut Angelika Simma-Wallinger, designierte Direktorin für Audience und Plattformen beim ORF, umso wichtiger, sich um die Sichtbarkeit journalistischer Arbeit zu sorgen.

Live dabei sein statt nur den Chatbot fragen

Dafür brauche es neue Strategien, um Leser- und Hörerschaft wieder von Qualitätsmedien zu überzeugen. Der ORF setzt dabei ab 2027 verstärkt auf das Motto „Raus zu den Menschen und Gesicht zeigen”, so Gaby Konrad. Insbesondere Investigativjournalismus und Reportagen können von KI nicht ersetzt werden: Regierungen und große Plattformen zur Verantwortung zu ziehen oder vor Ort mitten im Geschehen und Augenzeuge zu sein, brauchen menschliches Handwerk – besonders regionale Berichterstattung darf nicht untergehen. Tessa Szyszkowitz, freie Journalistin und Außenkorrespondentin des Falter in London, ergänzte: „Es ist unsere Welt und unser Bild, das wir nach außen tragen. Die Technologie bringt die Wahrheit nicht um, sondern hinaus.”

Vielleicht doch kein verlorenes Vertrauen?

In der Zeit vor und nach der Corona-Pandemie zeigte sich ein deutlicher Vertrauensrückgang in die Medien, der zwischen 2021 und 2024 von 46 Prozent auf 34 Prozent gesunken ist. Mittlerweile ist das Vertrauen aber wieder auf 39 Prozent angestiegen, wie der Digital News Report 2026 festhält. Ein Bild, das sich in Großbritannien während der Pandemie zeigte, war ein anderes: Tessa Szyszkowitz ergänzte, dass während der Corona-Pandemie sich das Publikum des BBC auf die veröffentlichten Zahlen verlassen hat und der Glaube an das Medium gestiegen ist. Eugenia Stamboliev forscht an der Universität Wien zu Medien und Vertrauen in diese. „Das Vertrauen in Qualitätsmedien ist aber nicht so zurückgegangen, es wird nur anders fragmentiert.” In Österreich müsste man differenzieren, ob es sich um Vertrauen in renommierte, traditionelle Medienhäuser dreht oder um Einflüsse auf Social Media.

Es brauche jedoch weiterhin Strategien und Ideen, um das teilweise verloren gegangene Vertrauen in die Medien zurückzuerobern. Die Expertinnen sind sich einig, dass es Gesichter hinter den Medien braucht, denen man Glauben schenken kann.

von Pia Friedl und Eva Pretterhofer

Rückfragen & Kontakt

Österreichischer Journalistinnenkongress

Dr.in Ulrike Schöflinger

e: [email protected]

i: www.journalistinnenkongress.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | NEF

Bei Facebook teilen
Bei X teilen
Bei LinkedIn teilen
Bei Xing teilen
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel