• 04.11.2026, 11:52:05
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Industrieller Wandel setzt Österreichs Regionen unterschiedlich stark unter Druck

AK und ÖGB fordern Vorsorge statt Strukturbruch

Wien (OTS) - 

Transformation braucht Gestaltung. Wenn für Betriebe ganze Geschäftsmodelle wegfallen, Produktionsweisen umgestellt werden oder die Energiekosten zu hoch werden, kann das ganze Regionen unter Druck setzen.

Eine aktuelle Studie des Fraunhofer-Instituts im Auftrag der AK Wien hat untersucht, wie stark eine Region von den wirtschaftlichen Folgen des Übergangs zu einer klimaneutralen Produktion betroffen ist. „Wir untersuchen darin die Strukturen, Prozesse und Dynamiken regionaler Transformation und zeigen auf, wie regionale Transformationsprozesse evidenzbasiert gestaltet werden können. Dies kann eine empirische Ausgangsbasis für die Entwicklung regionaler Transformationsstrategien sein“, erklärt Esther Schnabl, Studienautorin am Fraunhofer-Institut.

Nicht alle Regionen sind gleich stark betroffen

Die Studie zeigt: Weniger CO₂-Ausstoß muss nicht automatisch weniger Arbeitsplätze bedeuten. Dennoch stehen manche Regionen vor größeren Herausforderungen als andere. Besonders betroffen sind Regionen, in denen viele Menschen in Branchen mit hohem CO₂-Ausstoß arbeiten und der industrielle Umbau große Veränderungen mit sich bringt.

Die anhaltende Schwäche der Industrie seit 2023 verschärft die Situation zusätzlich. Geopolitische Spannungen, hohe Energiepreise und internationale Unsicherheiten setzen die Betriebe unter Druck. Seit 2023 geht die Beschäftigung in fast allen Industriebereichen leicht zurück. In den besonders betroffenen Regionen steigt die Arbeitslosigkeit überdurchschnittlich stark.

Helene Schubert, Chefökonomin im ÖGB:„Hinter diesen Entwicklungen stehen Menschen, deren Arbeitsplätze und berufliche Zukunft auf dem Spiel stehen. Gerade in Regionen, die stark von der Industrie abhängig sind, brauchen Beschäftigte rechtzeitig Perspektiven. Es geht darum, den Wandel so zu gestalten, dass neue Chancen entstehen und niemand zurückgelassen wird.“

Die Entwicklung zeigt: Jede Region hat andere Voraussetzungen und braucht passende Lösungen. Je früher die Politik handelt, desto besser können Nachteile ausgeglichen, neue Chancen geschaffen und Arbeitsplätze gesichert werden. „Der Strukturwandel ist keine Naturgewalt, wir können die Initiative ergreifen, um den industriellen Wandel zu gestalten. Dafür braucht es eine Transformationsstrategie, die gemeinsam mit den Sozialpartnern entwickelt und umgesetzt wird. Im Regierungsprogramm ist sie bereits angekündigt“, betont Christa Schlager, Leiterin der Abteilung Wirtschaftspolitik in der Arbeiterkammer Wien.

Aus Sicht von AK und ÖGB braucht es daher:

  • Eine rasche Transformationsstrategie: Die im Regierungsprogramm angekündigte Strategie muss gemeinsam mit den Sozialpartnern ausgearbeitet und umgesetzt werden.
  • Faire Chancen für alle: Der Wandel muss so gestaltet werden, dass die Beschäftigten nicht auf der Strecke bleiben. Just Transition muss dafür ein zentrales Prinzip der Regional- und Strukturpolitik sein.
  • Eine Just Transition Agentur: Eine bundesweite Anlaufstelle soll Regionen und Betriebe beraten und die Politik mit wissenschaftlichen Grundlagen unterstützen.
  • Ein Recht auf Aus- und Weiterbildung: Beschäftigte müssen die Möglichkeit haben, sich für neue Anforderungen und Berufe zu qualifizieren.
  • Mehr Mitbestimmung: Beschäftigte müssen bei geplanten Veränderungen in ihren Betrieben mitreden können.
  • Mehr Investitionen in die Infrastruktur: Gerade jene Regionen, die besonders stark vom Wandel betroffen sind, brauchen gezielte Investitionen.

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