• 04.11.2026, 11:00:03
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Belvedere 21: FEMINIST FUTURES FOREVER

Vom 5. November 2026 bis zum 8. März 2027 entfaltet sich mit 238 Künstler*innen ein vielstimmiges Panorama feministischer Kunst.

Wien (OTS) - 

Mit Arbeiten u. a. von Marina Abramović, Kurdwin Ayub, Kaucyila Brooke, Sophie Calle, VALIE EXPORT, Isa Genzken, Jenny Holzer, Florentina Holzinger, Soli Kiani, Brigitte Kowanz, Barbara Kruger, Maria Lassnig, Kateryna Lysovenko, Ulrike Müller, Yoko Ono, Christiana Perschon, Ulrike Rosenbach, Isa Schieche, Cindy Sherman, Sophia Süßmilch und Rosemarie Trockel schlägt die Ausstellung einen Bogen von der Feministischen Avantgarde bis zu möglichen Zukünften.

Feminismus betrifft alle! Und überall: am Arbeitsplatz, auf der Straße, zu Hause, in Reproduktionsfragen, in der Geschichtsschreibung und nicht zuletzt in der Kunst. Feministische Kämpfe sind stets an konkrete gesellschaftliche und politische Verhältnisse gebunden, weshalb jede Veränderung hin zu mehr Gleichstellung mit Protesten und Widerstand einhergeht. Entsprechend haben sich die Forderungen im Laufe der Zeit verändert und unterscheiden sich je nach historischem und geografischem Kontext. Bei aller Vielfalt verbindet sie das Bestreben, bestehende Ungleichheiten kritisch zu hinterfragen und gleichberechtigtere Zukünfte zu entwerfen.

Stella Rollig, Generaldirektorin des Belvedere: Kunst von Frauen und feministische Perspektiven sichtbar zu machen, war in der vergangenen Dekade ein Schwerpunkt unserer Arbeit. Angesichts des weltweiten Erstarkens rechtskonservativer, autoritärer und misogyner Kräfte gewinnen feministische Anliegen erneut an Dringlichkeit. Als Ausklang meiner Leitung des Belvedere formulieren wir einen Appell für fortwährende Wachsamkeit und den Wunsch, Feminismus als ganzheitliche Vision für eine gerechte Welt voranzutreiben.

Die Werke der beteiligten Künstler*innen spiegeln die Pluralität feministischer Ideen wider und zeigen auf, dass es weder den einen Feminismus noch die eine einheitliche feministische Ästhetik gibt. Dieses Verständnis leitete bereits die legendäre Ausstellung Kunst mit Eigen-Sinn, die von VALIE EXPORT initiiert wurde. Ihrer Realisierung gingen langjährige intensive Bemühungen voraus. Erst durch die Unterstützung der damaligen Staatssekretärin für allgemeine Frauenfragen und spätere Bundesministerin für Frauenangelegenheiten Johanna Dohnal konnte 1985 im Museum des 20. Jahrhunderts, dem heutigen Standort des Belvedere 21, erstmals eine internationale Schau von und mit Frauen in einem österreichischen Bundesmuseum umgesetzt werden.

Für die feministische Kunstproduktion war Kunst mit Eigen-Sinn bahnbrechend – und auch hinsichtlich ihrer institutionellen Verankerung ein wichtiger Neubeginn. Diese Geschichte greift ein Oral-Herstory-Projekt auf, das in enger Zusammenarbeit mit der Filmemacherin und Künstlerin Christiana Perschon entstand. In 18 Videointerviews kommen Beteiligte der Ausstellung von 1985 zu Wort, die auch Teil von Feminist Futures Forever sind.

Im Sinne eines Anfangs und einer Verortung in der Gegenwart beginnt Feminist Futures Forever mit einem Bereich zum Thema Geburt: „Push It!“ ist an die Idee der politischen Denkerin Hannah Arendt angelehnt. Arendt zufolge ist das In-die-Welt-Kommen eine Revolution, da Geburt Handlungsfähigkeit mit sich bringt. Jede*r macht mit dem Ins-Leben-Treten einen (Neu-)Anfang, der das Potenzial für Veränderung trägt.

Von dieser Gegenwart aus richtet Feminist Futures Forever den Blick sowohl zurück als auch nach vorn. Der Titel ist Versprechen und Aufforderung zugleich: Die Zukünfte werden von Feminismen geprägt (worden) sein. Er erinnert also nicht nur daran, dass feministische Bewegungen bestehende Ordnungen verändert haben, sondern verdeutlicht zudem, dass das Ringen um Gleichberechtigung, Teilhabe und die Überwindung des Patriarchats andauert.

Gesellschaftlicher Wandel verläuft nie geradlinig. Denn Errungenschaften gehen häufig mit neuen Ausschlüssen, Widerständen oder Rückschritten einher. Anstelle einer chronologischen Erzählung bringt Feminist Futures Forever unterschiedliche Zeiten, Sichtweisen und Erfahrungen zusammen. So wird Geschichte als vielstimmiges Geflecht erfahrbar, das eindimensionale Vorstellungen von Fortschritt aufbricht. Diese Erzählung entfaltet sich in neun Bereichen: Neben dem erwähnten „Geburt: Push It!“ sind dies „Rauchen und Rebellion: Little Fires Everywhere“, „Öffentlicher Raum: Take Back the Streets!“, „Arbeit: She Works Hard for the Money“, „Schlafzimmer: Because the Night“, „Badezimmer: Kaltes klares Wasser“, „Übergang: I Stand on the Line“, „Fernsehkammerl: Moving Image as a Feminist Space“ und „Archiv: Found & Lost“.

Die Räume der Ausstellung führen vor, dass uns queer-feministische Fragen täglich und überall begegnen – ob wir sie wahrnehmen oder nicht. Denn strukturelle Ungleichheit in patriarchalen Gesellschaften wirkt weitreichend – von der Straße über den Arbeitsplatz bis ins Schlaf- und ins Badezimmer. Die künstlerischen Arbeiten zeigen eine kritische Auseinandersetzung mit bestehenden Machtverhältnissen und thematisieren u. a. das Streben nach Selbstbestimmung, so Kuratorin Stefanie Reisinger.

Wir beziehen uns auf die lange Geschichte der feministischen Bewegung. Uns interessiert dabei, welche Forderungen Feminist*innen zu unterschiedlichen Zeiten an die jeweiligen Zukünfte gestellt haben und wo wir heute stehen. Feminist Futures Forever ist dabei weder Frage noch Mahnung, sondern vielmehr die schmerzliche Feststellung, dass das Patriarchat noch nicht überwunden und somit die Gleichberechtigung der Geschlechter noch nicht hergestellt ist, ergänzt Kuratorin Christiane Erharter.

Dorit Margreiter Choy und Cosma Grosser verstärken das kuratorische Anliegen durch die von ihnen entwickelte Ausstellungsarchitektur. Dem Geist queer-feministischer Raumproduktion verpflichtet, begreifen sie sowohl Gebäude als auch Institution als dynamische Gefüge und zeigen mit einer skulpturalen Baugerüstintervention einen Umbau an.

Der zweisprachige Katalog FEMINIST FUTURES FOREVER wird von Stella Rollig, Christiane Erharter und Stefanie Reisinger herausgegeben und erscheint im Dezember 2026 im Verlag der Buchhandlung Walther und Franz König.

Eine kostenlose 45-minütige Audiotour mit Beiträgen von Künstler*innen und Kuratorinnen ist während der Ausstellungslaufzeit online auf Deutsch und Englisch verfügbar.

Die internationale Konferenz Feminist Futures Forever widmet sich vom 3. bis 5. Dezember 2026 mit Panels, Screenings und Diskussionen feministischen Geschichten, Netzwerken, Archiven und Zukünften. Zum Konferenzprogramm gehören u. a. eine Performance von Ulrike Rosenbach sowie Doris Uhlichs choreografische und DJ-Performance Gootopia – Dripping Sculptures.

MIT ARBEITEN VON

Marina Abramović, Helena Almeida, Laurie Anderson, Anna Artaker, Kurdwin Ayub, Jamile Azadfallah, Eva Basta, Gretchen Bender, Renate Bertlmann, Linda Bilda, Dara Birnbaum, Moucle Blackout, Pauline Boudry / Renate Lorenz, Kaucyila Brooke, Amanda Burzić, Sophie Calle, Theresa Ulrike Cellnigg, Helen Chadwick, Linda Christanell, Waltraut Cooper, Ramesch Daha, Katrina Daschner, Louise Deininger, Verena Dengler, Ricarda Denzer, Carola Dertnig, Naz Dinçel, Natalia Domínguez Rangel, Ines Doujak, Róza El-Hassan, Rose English, VALIE EXPORT, Tina Frank, Flora N. Galowitz, Isa Genzken, Friedl vom Gröller, Nilbar Güreş, Marcia Hafif, Maria Hahnenkamp, Barbara Hammer, Marlene Haring, Mona Hatoum, Jenny Holzer, Florentina Holzinger, Nan Hoover, Judith Huemer, Leiko Ikemura, Iman Issa, Sanja Iveković, Janine Jembere, Anna Jermolaewa / Oksana Serheieva, Magdalena Jetelová, Joan Jonas, Birgit Jürgenssen, Belinda Kazeem-Kamiński, Soli Kiani, Eva Kmentová, Jakob Lena Knebl, Nathalie Koger, Renate Kordon, Anna Kowalska / Mikki Muhr / Ulrike Müller, Brigitte Kowanz, Barbara Kruger, Elke Silvia Krystufek, Nika Kupyrova, Adriana Lara, Maria Lassnig, Kris Lemsalu, Sarah Lucas, Kateryna Lysovenko, Karin Mack, Dorit Margreiter Choy, Sabine Marte, Mara Mattuschka, Ursula Mayer, Michaela Melián, Anna Meyer, Stephanie Misa, Lejla Mulaosmanovic, Ulrike Müller, Hannah Neckel / Lea Neckel, Abiona Esther Ojo, Yoko Ono, ORLAN, Martina Öttl, Michèle Pagel, Bianca Pedrina, Christiana Perschon, Friederike Pezold (pezoldo), Margot Pilz, Adrian Piper, Sasha Pirker, Lisl Ponger, Ursula Pürrer, Lili Reynaud-Dewar, Ulrike Rosenbach, Isa Rosenberger, Martha Rosler, Constanze Ruhm, Maruša Sagadin, Dunia Sahir, Wally Salner, Ashley Hans Scheirl, Meina Schellander, Julia Scher, Isa Schieche, Toni Schmale, Carolee Schneemann, Stefanie Seibold, Selma Selman, Cindy Sherman, Adriena Šimotová, Mariama Sow / Isabelle Edi / Kim Sanou, Anna Spanlang / KLITCLIQUE, Nancy Spero, Annie Sprinkle, Evelin Stermitz, Hito Steyerl, Miriam Stoney, Andrea van der Straeten, Ingeborg Strobl, Sophia Süßmilch / Henrike Henoch / Leni Ulrich, Rini Tandon, Rychèl Thérin Scott, Sofie Thorsen, Sophie Thun, Rosemarie Trockel, Sophie Utikal, Maja Vukoje, Anna Witt, Nil Yalter und Daniela Zahlner.

Als Teil von Ulrike Müllers Herstory Inventory: 100 Feminist Drawings by 100 Artists, 2007–14: A. K. Burns, A. L. Steiner, A. V. Linton, Ad Minoliti, Alhena Katsof, Allyson Mitchell, Amy Sillman, Anni Viinikainen, Ashley Hans Scheirl, B. E. Wiest, Barbara Eichhorn, Carola Dertnig, Carrie Yamaoka, Cauleen Smith, Celeste Dupuy-Spencer, Chitra Ganesh, Chris Castillo, Cristina Gómez Barrio, Dawn Kasper, Dean Daderko, Edie Fake, Elke Silvia Krystufek, Erika Vogt, Every Ocean Hughes, Faith Wilding, Fiona Rukschcio, Fox Hysen, Gabriela Santiago, Georgia Lassner, Ginger Brooks Takahashi, Dana Bishop-Root, Gregg Bordowitz, Guadalupe Rosales, Iris Andraschek, Jamie Chan, JD Samson, Jennifer Montgomery, Jibz Cameron, Jocelyn Davis, Johanna & Mona Gustavsson, Johanna Kirsch, Jonah Groeneboer, Joy Episalla, Julie Evanoff, K8 Hardy, Kate Huh, Katherine Hubbard, Kathleen Hanna, Keltie Ferris, Kim Kelly, Lee Maida, Lee Relvas, Leidy Churchman, Leigh Ruple, Linda Bilda, Linda Stillman, Lisa Lenarz, Louise Fishman, Lovett/Codagnone, Lucky Benson, Lucy Dodd, Malin Arnell, Marget Long, Maria Gafarova, Mariah Garnett, Marie-Thérèse Escribano, Marlene McCarty, Math Bass, Matthew Lutz-Kinoy, Michaela Melián, Michele Araujo, Michelle Latipa Dizon, Mitra Wakil, Moyra Davey, MPA, Myriam Lanau, Nancy Brooks Brody, Nico Peck, Nicole Eisenman, Onya Hogan-Finlay, Pam Lins, Patricia Reschenbach, R. H. Quaytman, Ricarda Denzer, Robert Bordo, Robin Hustle, Sadie Benning, Sam Greenleaf Miller, Samara Davis, Shelly Silver, Simone Bader, Sowon Kwon, Tara Mateik, Taylor Davis, Terrilynn, Therese Roth, Travis Boyer, Ulrike Müller, Wolfgang Mayer, Wynne Greenwood, Xylor Jane, Zoe Leonard.

Die Pressemappe zur Ausstellung sowie die Pressebilder stehen unter belvedere.at/presse zum Download bereit.

Internationale Konferenz: Feminist Futures Forever

Donnerstag, 3. Dezember 2026, 18.30 – 21 Uhr
Begrüßung durch Stella Rollig, Präsentation Feminist Futures Forever von Christiane Erharter, Stefanie Reisinger, Dorit Margreiter Choy, anschließend Diskussion und Q&A
Freitag, 4. Dezember 2026, 11 – 20 Uhr
11 – 12 Uhr: Panel Her-Stories
Ulrike Müller (Herstory Inventory), Christiana Perschon (Oral Herstory), Georgia Holz (VBKÖ).
13 – 14.30 Uhr: CONSTELLATIONS #1 Siblinghood
Impulsvorträge von Rehema Chachage Ökofeminismus/Matriarchat und Sibel Schick Intersektionalität
Moderation: Djamila Grandits
15 – 16 Uhr: Performance Ulrike Rosenbach, Begegnung mit Ewa und Adam (1982/2026)
16.30 – 18 Uhr: Screening Chase Joynt und Julietta Singh, The Nest, 2025, 89 Min.
18 – 19.30 Uhr: Panel No Archive will restore you
Julietta Singh, Belinda Kazeem-Kamiński und Anna Artaker; 
Moderation: Andrea B. Braidt, anschließend Diskussion
Samstag, 5. Dezember 2026, 13 – 21 Uhr
13 – 14.30 Uhr: CONSTELLATIONS #2 Netzwerke als politische Strategie
Impulsvorträge von Joanna Mytkowska Feministische Avantgarden, Jina Khayyer Frauenrechten und Patriarchat sowie Nora-Swantje Almes Neue Netzwerke und Strategien; Moderation: Luisa Ziaja
15 – 16 Uhr: Podiumsdiskussion Feministische Ausstellungen in Österreich
Laura Amann, Silvia Eiblmayr und Stella Rollig; Moderation: Nina Schedlmayer
16.30 – 18 Uhr: CONSTELLATIONS #3 Feminist Futures Forever
Impulsvorträge von Inna Shevchenko Future Feminism, Isabelle Edi Feminist Future Time Travel, Ian Kaler Finding Voices/Resonances
Moderation: Anna Ewa Dyrko und Andrea Kopranovic
Ab 18 Uhr: Doris Uhlich, Gootopia – Dripping Sculptures, Choreografie und DJ-Performance
im Rahmen des Festivals BOOM TSCHAK: 20 Jahre Doris Uhlich und der internationalen Konferenz Feminist Futures Forever
In der eigens für das Belvedere 21 entworfenen, zeitbasierten Installation verfolgt Doris Uhlich einen skulpturalen Ansatz. Es werden drei Dripping Sculptures mit Performer*innen entwickelt, die mit Schleim interagieren oder das Publikum mit dem Material in Kontakt bringen. Schichten aus Schleim und Textilien erweitern die Körper der Performer*innen und versetzen die Betrachter*innen in eine Kontemplation über Schwerkraft und Fluidität.

Veranstaltung in deutscher und englischer Sprache.
Teilnahme kostenlos.

Datum: 03.12.2026 - 05.12.2026

Art: Konferenzen und Tagungen

Ort: Belvedere 21
Arsenalstraße 1
1030 Wien
Österreich

URL: https://www.belvedere.at/event/international-conference-feminist-futures-forever-1

Rückfragen & Kontakt

Belvedere Public Relations
Irene Jäger
Telefon: 0664800141185
E-Mail: [email protected]

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