• 04.11.2026, 08:52:33
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Wiener Wohnbau: Mehr bauen oder Bestand besser nutzen?

Zweites NIBRA Zukunftsgespräch: Kontroverse über Wohnraumbedarf und Leistbarkeit. Sanierung und Verfahren im Fokus.

Gruppenfoto Zweites NIBRA Zukunftsgespräch
Wien (OTS) - 

Wie lässt sich in Wien Wohnraum schaffen, der leistbar, wirtschaftlich realisierbar und langfristig nutzbar ist? Beim zweiten NIBRA Zukunftsgespräch am 2. November 2026 in der Vienna Grand Gallery brachten Initiator Nikolaus Brada und Valentin Bauer, COO von IMMOunited, unterschiedliche Interessen an einen Tisch. Der Abend zeigte, wie unterschiedlich der Wohnraumbedarf eingeschätzt wird und welche Rolle Verfahren, Bestand und Sanierung dabei spielen.

Brada, Eigentümer und Geschäftsführer des Wiener Aufzugsunternehmens NIBRA, hat die Gesprächsreihe initiiert, um Wohnbau, Immobilienwirtschaft, Recht, Politik und langfristige Gebäudepraxis miteinander ins Gespräch zu bringen. Gemeinsam mit Bauer formulierte er bereits in der Einladung das Ziel: „Mehr Wohnraum entsteht dort, wo unterschiedliche Interessen nicht gegeneinander, sondern gemeinsam gedacht werden. Genau dafür wollen wir einen Tisch schaffen.“ Die Diskussion moderierte VÖPE-Geschäftsführer Alexander Pawkowicz.

IMMOunited: Erholung setzt sich verhaltener fort

Den Marktimpuls lieferte Bauer anhand aktueller Auswertungen von IMMOunited. Demnach lagen die Immobilientransaktionen in Österreich im ersten Halbjahr 2026 über dem Vorjahresniveau. Im dritten Quartal setzte sich die Entwicklung mit etwas geringerer Dynamik fort und verlor etwas an Schwung. Gleichzeitig registriert IMMOunited bei proaktiven Kundenanfragen ein wachsendes Interesse kapitalstarker Marktteilnehmer, darunter Family Offices, Stiftungen und Fonds. Bauer sieht den Markt weiterhin in einer Korrekturphase, zugleich würden sich aber auch neue Investitionsmöglichkeiten eröffnen.

Wohnungsbedarf: Knappheit oder falsches Angebot?

Karina Schunker, Geschäftsführerin der EHL Wohnen GmbH, berichtete von Engpässen am Wiener Mietwohnungsmarkt. Rückläufige Fertigstellungen und die wachsende Zahl an Einpersonenhaushalten erhöhten den Druck auf die Wohnungssuche. Für viele Interessierte werde es schwieriger, passende Mietwohnungen zu finden.

Clemens Berger, Wohnrechtsexperte der Arbeiterkammer Wien, stellte hingegen einen allgemeinen quantitativen Wohnungsmangel infrage. Er verwies auf eine aus seiner Sicht zeitweise zu hohe Wohnbauproduktion in Österreich und betonte, dass Wohnungen nicht nur vorhanden, sondern auch langfristig leistbar sein müssten. Er plädierte für einen stärkeren gemeinnützigen Wohnbau. Die Beiträge bezogen sich dabei auf unterschiedliche Ebenen: den Wiener Mietmarkt und die österreichweite Wohnbauentwicklung.

Sanierung und Gebäudebetrieb stärker mitdenken

Dr. Andreas Köttl, CEO von nxt real estate und Präsident der VÖPE, forderte schnellere Widmungs- und Bewilligungsverfahren. Lange Projektlaufzeiten erschwerten eine zeitgerechte Reaktion auf veränderten Bedarf. Köttl plädierte außerdem dafür, bestehende Gebäude häufiger zu sanieren und umzunutzen, statt ausschließlich neu zu bauen. Zudem betonte er den Wert bereits verbauter Ressourcen und der vorhandenen Bausubstanz.

Rechtsanwalt Benedikt Stockert, Partner bei FSM Rechtsanwälte, verwies auf Nachbareinwendungen sowie Hürden bei Zustimmungs- und Duldungspflichten. Heidi Sequenz, Wiener Gemeinderätin und Landtagsabgeordnete, betonte Nachverdichtung und geförderten Wohnbau und brachte eine Leerstandsabgabe zur Sprache.

Auch über die Kosten der Dekarbonisierung wurde kontrovers diskutiert. Köttl unterstrich den langfristigen Nutzen nachhaltiger Sanierungen. Berger warnte davor, die Kosten einseitig auf Mieterinnen und Mieter zu überwälzen, und verwies auf notwendige Sanierungskonzepte sowie ausreichende Rücklagen im Wohnungseigentum. Stockert forderte praktikable rechtliche Rahmenbedingungen.

Der Abend verdeutlichte den Ansatz der Gastgeber: Wohnraumschaffung, Wirtschaftlichkeit und langfristiger Betrieb gehören zusammen. NIBRA bringt als Aufzugsunternehmen insbesondere die Perspektive der technischen Nutzbarkeit über den gesamten Gebäudelebenszyklus ein. Eine gemeinsame Position zur Zahl benötigter Wohnungen oder zur Verteilung der Sanierungskosten wurde am Podium nicht formuliert.

Kooperationspartner waren der Senat der Wirtschaft, die VÖPE, Social City Wien, BUSINESSART, MEDIAGUIDE, das CSR Dialogforum und Donaustadtecho.

Rückfragen & Kontakt

Social City Wien
Emil Diaconu
Telefon: +436765116482
E-Mail: [email protected]

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