- 04.11.2026, 08:04:34
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„Die Zukunft bleibt offen“: Wie Österreichs heutige Entscheidungen die Energiewende bis 2040 und darüber hinaus prägen
International anerkannter Experte Christoph Bertram forscht an der IT:U, wie Klimawandel, neue Technologien und politische Entscheidungen Gesellschaft und Wirtschaftssysteme prägen

Egal ob Windräder oder Solarenergie, der globale Ausbau erneuerbarer Energien geht deutlich schneller voran als gedacht. Gleichzeitig hinken Nationen aber hinterher, wenn es um die Reduktion ihrer CO2-Emissionen geht. Bei seiner Antrittsvorlesung an der IT:U erklärt Christoph Bertram die komplexen Zusammenhänge hinter klimapolitischen Entscheidungen und ihren Auswirkungen. Der Professor für die Analyse globaler und regionaler Energiesysteme und Politikszenarien ist seit September im Rahmen einer Stiftungsprofessur, finanziert vom Center for Global Sustainability der University of Maryland, an der IT:U tätig.
Bertrams Forschung und internationale Expertise tragen dazu bei, den neuen Forschungsbereich an der IT:U aufzubauen und den interdisziplinären Schwerpunkt zur Transformation von Energiesystemen, Industrie und Wirtschaft weiter auszubauen. In seiner Arbeit verbindet er computergestützte Modelle mit Erkenntnissen aus der Klima- und Wirtschaftspolitik. Damit schafft er eine wissenschaftliche Grundlage, um die Herausforderungen der Energiewende besser zu verstehen und Lösungen für den Wirtschafts- und Industriestandort Oberösterreich sowie Österreich zu entwickeln.
„Um die Energiewende zu verstehen, müssen wir über einzelne Fachdisziplinen hinausblicken und betrachten, wie Technologie, wirtschaftliche Anreize und politische Rahmenbedingungen zusammenwirken. Mit der Stiftungsprofessur für Christoph Bertram hat die IT:U internationale Expertise nach Linz geholt. Damit stärken wir die wissenschaftliche Grundlage, um wirtschaftliche Entwicklungen besser vorauszusehen und zukunftsorientierte Entscheidungen in den Bereichen Energiewende, Industrie und Infrastruktur zu unterstützen“
, sagt Stefanie Lindstaedt, Gründungspräsidentin der IT:U.
„Energiewende durch Technologie“ greift zu kurz
Christoph Bertram analysiert, welche Maßnahmen bei Energiewende und Klimaschutz letztendlich zu messbaren Ergebnissen führen, und wie sehr sie von wirtschaftlichen Motiven oder politischen Agenden beeinflusst werden. Die Klimaneutralität kann jedenfalls nicht von Technologie allein herbeigeführt werden, sagt er: „Die Technologien sind verfügbar. Die entscheidende Frage ist, wie schnell sie eingesetzt werden können und ob es gelingt, eine langfristige Bindung an emissionsintensive Infrastrukturen und Technologien zu vermeiden.“
Dabei spielen politische, wirtschaftliche und institutionelle Faktoren eine wichtige Rolle. Dass sich Solarenergie so schnell verbreitet hat, liege beispielsweise auch daran, dass die Technologie „bemerkenswert einfach zu installieren ist. Diese Einfachheit hat ihre Verbreitung und Akzeptanz maßgeblich begünstigt“, so Bertram.
Wie unterschiedlich politische Entscheidungen die Energiewende beeinflussen, zeigt er am Beispiel von China und die USA: Während China stark auf Elektromobilität setzt, schreitet der Ausbau erneuerbarer Energien in den USA vergleichsweise langsam voran. Gleichzeitig zeigt das Beispiel Texas, dass wirtschaftliche Anreize politische Unterschiede überlagern können. Der Bundesstaat zählt mittlerweile zu den Vorreitern bei Solar- und Windenergie. Denn sobald erneuerbare Energien die günstigste Form der Stromerzeugung sind, werden sie auch unabhängig von politischen Positionen wirtschaftlich attraktiv.
Mit den richtigen Entscheidungen die Transformation beschleunigen
Nach seinem Wechsel von den USA an die IT:U richtet Christoph Bertram den Blick auf die grüne Transformation in Oberösterreich und Österreich. Seit 15 Jahren untersucht er mithilfe von Modellierungen, wie heutige Entscheidungen die Entwicklung der Welt bis zum Jahr 2100 beeinflussen. Seine zentrale Erkenntnis: „Die Zukunft bleibt offen. Es gibt keinen automatischen Weg, weder in die Klimakatastrophe noch zu einer erfolgreichen Transformation. Welche Handlungsmöglichkeiten wir morgen haben, hängt von den Entscheidungen ab, die wir heute treffen.“
Österreich bis 2040 klimaneutral zu machen, sei eine erhebliche Herausforderung. Dennoch könnten die nächsten Schritte der Energiewende „tatsächlich einfacher sein als viele erwarten“. Um die Entwicklung für Österreich konkret zu modellieren, müsse zunächst ein Forschungsteam aufgebaut werden. Trotz politischer und wirtschaftlicher Herausforderungen blickt Bertram vorsichtig optimistisch in die Zukunft: Mit den richtigen politischen Entscheidungen könne die Transformation schneller voranschreiten als vielfach angenommen. Schließlich hätten Menschen im Laufe der Geschichte „immer wieder Wege gefunden, zu innovieren und dadurch den Verlauf der Entwicklung auf unerwartete Weise zu verändern.“
Internationale Vernetzung und langfristiger Forschungsaufbau in Österreich
Die Professur ist unbefristet eingerichtet; die eingeworbenen Stiftungsgelder decken den Aufbau der Forschung über mehrere Jahre ab. An der IT:U wird Bertram unter anderem mit Elisabeth Gsottbauer, Falko Ueckerdt, Frank Neffke und Daniel Klotz zusammenarbeiten. Zugleich bleibt die Verbindung zur University of Maryland und zur internationalen Modelling Community bestehen. Weitere Forschungskooperationen sind insbesondere mit Partnern in den USA und Asien vorgesehen.
Mit der Berufung von Christoph Bertram setzt die IT:U ihren wissenschaftlichen Aufbau fort. Als Universität für Transformation stärkt sie gezielt die interdisziplinäre Forschung an der Schnittstelle von Technologie, Wirtschaft und Gesellschaft. Ziel ist es, internationale wissenschaftliche Exzellenz nach Österreich zu holen, konkrete Herausforderungen aufzugreifen und Forschung mit gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Wirkung zu verbinden.
Rückfragen & Kontakt
Interdisciplinary Transformation University (IT:U)
Dr. Daniel Cracau
Telefon: +43 676 / 85 13 07 360
E-Mail: [email protected]
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