- 03.11.2026, 13:02:32
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AK Wien Vollversammlung (1): Mythen und Fakten zum Pensionssystem
Große Solidarität mit Ardo-Belegschaft, alle Kraft in Erhalt des Standorts
Bei der 186. Vollversammlung der Arbeiterkammer Wien stand am Vormittag das Thema Pensionen im Fokus, denn dazu kursieren zahlreiche Mythen. AK Expertin Pia Zhang stellte einigen der gängigsten Mythen Fakten gegenüber. Auch AK Wien Präsidentin Renate Anderl griff das Thema auf, weiters richtete sie eine Solidaritätsbekundung an die Beschäftigten der Firma Ardo.
Das Pensionssystem sei auf Dauer unfinanzierbar, das Antrittsalter müsse steigen, man werde länger arbeiten müssen, man bekäme ohnehin eine Mindestpension, manche würden mehr herausbekommen als sie einzahlen, und private Vorsorge sei am sichersten – diese Behauptungen würden in der Pensionsdebatte am häufigsten fallen. Pia Zhang, Pensionsexpertin der Arbeiterkammer Wien, konterte mit Fakten. „Die Bundesmittel für die Pensionen werden bis 2070 um nur 1,1 Prozentpunkte des BIP ansteigen“, so Zhang zur immer wieder behaupteten Pensionslücke. „Auch die EU-Kommission stellte fest, dass die gesamten Pensionsausgaben nur vorübergehend steigen werden und danach wieder fast auf das Niveau von 2013/14 sinken.“ Ein höheres Pensionsalter, wie immer wieder gefordert, schaffe keine Jobs, so Zhang: „Rund 30 Prozent der Betriebe ab 20 Mitarbeiter:innen beschäftigen niemanden über 60, und arbeitslose 60- bis 64-Jährige sind im Schnitt schon 431 Tage beim AMS gemeldet. Wer vorher aus dem Job fällt, arbeitet nicht länger, sondern wartet länger auf die Pension.“ Zum Argument, man solle besser privat vorsorgen, meint Zhang: „Private Vorsorge gleicht einem Glücksspiel: Wie viel am Ende herauskommt, hängt von den Finanzmärkten ab. Wir können stolz auf unser umlagefinanzieres System sein, das allen Menschen in Österreich Pensionen sichert.“
Zwtl. Bonus-Malus schafft Arbeitsmarktchancen für Ältere
AK Wien Präsidentin Renate Anderl griff das Thema Pensionen in ihrer Rede an die Vollversammlung auf: „Gute Pensionen und das Erreichen des gesetzlichen Antrittsalters werden in der Arbeitswelt entschieden– und nur dort.“ Anderl bekräftigte daher die Forderung von AK und ÖGB nach Einführung eines Bonus-Malus-Modells zur Beschäftigung Älterer. „Die Kolleginnen und Kollegen suchen sich nicht aus, dass sie durch ungesunde Arbeitsbedingungen krank werden und dass sie mit 55 aussortiert werden, ohne Chance, in diesem Alter neue Jobs zu finden. Es sind die Betriebe, die das in der Hand haben.“ In dem kürzlich präsentierten Modell sei vorgesehen, dass Betriebe profitieren, die ausreichen Ältere beschäftigen, während jene, die das nicht tun, spürbare Beiträge leisten.
Zwtl. Anderl zu Ardo-Schließungsplänen: „Diese Geschichte ist noch nicht vorbei“
In ihrer Rede ging Anderl weiters auf die geplante Schließung des Ardo-Werks in Niederösterreich ein: „Die Schließung ist ein Musterbeispiel dafür, dass es nicht um die Menschen, sondern nur um die Profite geht. Die Leidtragenden dieser profitgierigen Vorgangsweise sind fast 250 Kolleginnen und Kollegen, aber auch die Konsumentinnen und Konsumenten und nicht zuletzt die Bäuerinnen und Bauern.“ Dieser Fall habe viele Aspekte, so Anderl weiter: „Arbeitsplätze, die Entwicklung einer ganzen Region und die Qualität und Sicherheit der Versorgung mit Lebensmitteln in unserem Land. Dazu kommt eine Geschäftsführung, die an Gesprächen und einer Lösung kein Interesse hat.“ Das Ziel der Gewerkschaften sei klar: Erhalt des Werks, der Arbeitsplätze, der Qualität der Lebensmittel und der Versorgungssicherheit. „Wir stehen gemeinsam mit den Gewerkschaften ganz klar hinter den Kolleginnen und Kollegen, auch hinter den betroffenen Bäuerinnen und Bauern. Wir werden uns auch weiter auf politischer Ebene für eine gute Lösung einsetzen, diese Geschichte ist noch nicht vorbei!“
Das Wiener Arbeitnehmer:innenparlament besteht aus 180 Kammerrät:innen. Die gewählten Vertreter:innen beraten hier über die aktuelle politische und wirtschaftliche Lage und stimmen über Anträge und Resolutionen ab. Die Vollversammlung tagt zwei Mal im Jahr.
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