- 02.11.2026, 11:12:33
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Beachtliche Erfolge, ungewisse Zukunft: Evaluierung von FmB – Interessensvertretung Frauen* mit Behinderungen
Unabhängige Evaluierung von L&R Sozialforschung: Die erste Interessensvertretung von Frauen* mit Behinderungen wirkt – und braucht eine langfristige Absicherung.
Frauen* mit Behinderungen haben in Österreich erstmals eine eigene, unabhängige Interessensvertretung – und sie wirkt. Zu diesem Ergebnis kommt die Evaluierung von L&R Sozialforschung über die Arbeit von FmB – Interessensvertretung Frauen* mit Behinderungen von Jänner 2025 bis Februar 2026. Laut den Autorinnen Katharina Aufhauser und Claudia Sorger hat FmB „innerhalb kurzer Zeit beachtliche Erfolge beim Aufbau einer österreichweiten Interessensvertretung für Frauen* mit Behinderungen erzielt“. Zugleich warnen sie: Ohne langfristige Finanzierung „besteht die Gefahr, dass erreichte Netzwerke und politische Beteiligungsmöglichkeiten nicht dauerhaft aufrechterhalten werden können“.
Grundlage sind sechs Interviews mit Expert*innen, interne und öffentliche Daten, zwei Mitgliederbefragungen und ein Reflexionsworkshop. Auftraggeberin war FmB, durchgeführt hat die Evaluierung das unabhängige Institut L&R Sozialforschung.
Eine Lücke zwischen Behinderten- und Frauenpolitik
Schon 2023 hat der UN-Fachausschuss für die Rechte von Menschen mit Behinderungen kritisiert, dass Frauen* mit Behinderungen in Österreichs Behinderten- und Frauenpolitik zu kurz kommen. Die Evaluierung bestätigt das: Behindertenvertretungen sind nach wie vor stark männlich dominiert, in feministischen Räumen werden Frauen* mit Behinderungen oft nicht selbstverständlich mitgedacht. Mit FmB wurde laut L&R „eine bis dato offene Lücke geschlossen“ – in dieser Form in Österreich bislang einzigartig.
Frauen* mit Behinderungen werden gehört
Ohne gesetzliche Verankerung musste sich FmB den Platz an Entscheidungstischen erst erarbeiten. Mit Erfolg: Frauen* mit Behinderungen sind heute in politischen Strategien und Arbeitsgruppen „deutlich sichtbarer vertreten“. Einer der größten Erfolge: Gemeinsam mit anderen Organisationen im Bereich Behinderung wurden Maßnahmen für Frauen* mit Behinderungen im Nationalen Aktionsplan gegen Gewalt an Frauen und Mädchen verankert. Daraus entstand das Projekt „Türen Öffnen - Besserer Zugang zu Gewaltschutz für Frauen* mit Behinderungen" von Ninlil und FmB.
Getragen von der Community
Vorstand und Büroteam bestehen ausschließlich aus Frauen* mit Behinderungen. Die Zahl der Mitglieder stieg seit Februar 2026 von 143 auf aktuell rund 270. Die Community ist breit aufgestellt: Die Mitglieder sind zwischen 21 und 88 Jahre alt und kommen aus allen neun Bundesländern. Diese stark community-orientierte Arbeit sehen die Autorinnen der Evaluierung als wichtige Grundlage des Erfolgs, 83 % der befragten Mitglieder sind „sehr zufrieden“. Künftig will FmB noch gezielter Frauen* mit Lernschwierigkeiten, gehörlose Frauen*, Frauen* mit Migrationsgeschichte und junge Frauen* einbinden – das empfiehlt auch die Evaluierung. Erste Schritte: mehr Einfache Sprache, ÖGS und Workshops außerhalb von Wien.
Wirkung braucht Basisfinanzierung
Möglich ist diese Arbeit, weil das Team hauptamtlich arbeitet – finanziert durch den Innovationsfonds Licht ins Dunkel, befristet bis Ende 2027. Ehrenamtlich ist politische Interessensvertretung in diesem Umfang laut Evaluierung nicht leistbar. Die Autorinnen empfehlen, die Finanzierung langfristig abzusichern und die Beteiligung von Frauen* mit Behinderungen an politischen Prozessen strukturell zu verankern.
„Österreich hat sich mit der UN-Behindertenrechtskonvention verpflichtet, Frauen* mit Behinderungen gezielt zu stärken und ihre Organisationen einzubinden. Dafür braucht es mehr als Projektmittel. Jetzt geht es darum, gemeinsam mit der Politik unsere unabhängige Interessensvertretung langfristig abzusichern“
, sagt Heidemarie Egger, Co-Vorsitzende von FmB.
Co-Vorsitzende Julia Moser ergänzt: „Die Evaluierung zeigt, was möglich ist, wenn Frauen* mit Behinderungen selbst gestalten: Wir sitzen heute an Tischen, an denen wir vorher gefehlt haben, und unsere Community wächst stetig. Diese Arbeit darf mit Ende 2027 nicht aufhören.“
Alle Ergebnisse: https://fmb-frauenmitbehinderungen.at/aktuell/fmb-wirkt-und-braucht-absicherung-unabhaengige-evaluierung-durch-lr-sozialforschung/
Evaluierungsbericht (barrierefreies PDF): https://fmb-frauenmitbehinderungen.at/wp-content/uploads/2026/10/Bericht_Evaluierung_FmB_Oktober2026_barrierefrei-final.pdf
Veröffentlichung von L&R Sozialforschung: https://www.lrsocialresearch.at/news/evaluierung-von-fmb-interessensvertretung-frauen-mit-behinderungen-ergebnisbericht-veroeffentlicht/
Über FmB – Interessensvertretung Frauen* mit Behinderungen
FmB – Interessensvertretung Frauen* mit Behinderungen wurde 2023 gegründet und ist die erste unabhängige, community-basierte Interessensvertretung von Frauen* mit Behinderungen in Österreich. FmB steht für Anti-Ableismus, Feminismus und Intersektionalität und wird im Shared Leadership von Heidemarie Egger und Julia Moser geleitet.
Rückfragen & Kontakt
FmB - Interessensvertretung Frauen* mit Behinderungen
Mag.a Heidemarie Egger
Telefon: +43 660 48 38 548
E-Mail: [email protected]
www.fmb-frauenmitbehinderungen.at
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