• 02.11.2026, 10:59:02
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Novemberpogrome 1938: ORF-Schwerpunkt mit „Universum History“, „Klang der Erinnerung“, „kreuz & quer“, Spielfilmen u. v. m.

Ab 3. November in ORF 2, ORF III, Ö1 und auf ORF ON

Wien (OTS) - 

Zum Gedenken an die Novemberpogrome in der Nacht vom 9. auf 10. November 1938 und die Opfer der Verfolgung durch das NS-Regime gestaltet der ORF ab 3. November 2026 einen umfangreichen multimedialen Programmschwerpunkt in ORF 2, ORF III, Ö1 und auf ORF ON – mit der neuen „Universum History“-Dokumentation „Hitlers willige Helfer – Österreicher im Nationalsozialismus“, der „Erbe Österreich“-Neuproduktion „Von Wien nach Jerusalem – Theodor Herzl und sein Buch ‚Der Judenstaat‘“, der „kulturMATINEE“-Erstausstrahlung „Klang der Erinnerung – Orchesterspuren von München bis Tel Aviv“, Beiträgen der Formate „kreuz & quer“, „Was ich glaube“ und „kulturMONTAG“, den Spielfilmpremieren „The Zone of Interest“ und „Stella. Ein Leben“, einem „Ö1 Hörspiel“ und vielem mehr.

Dokus, Zeitzeugenberichte, Spielfilm in ORF III

Den Auftakt macht am Dienstag, dem 3. November, ein vierteiliger ORF-III-„Erbe Österreich“-Abend, beginnend mit der Neuproduktion „Von Wien nach Jerusalem – Theodor Herzl und sein Buch ‚Der Judenstaat‘“. Der Film von Patrice Fuchs zeichnet Herzls Vision eines eigenen jüdischen Staates sowie seine Auseinandersetzung mit dem Antisemitismus nach und zeigt auf, was diese mit der heutigen politischen Realität verbindet. Dreharbeiten in Wien und in Israel tauchen neben der historischen Spurensuche auch in das jüdische Leben von heute.

Die anschließende Dokumentation „Ein Glanz von Ringstraße: Der jüdische Friedhof in Währing“ (21.25 Uhr) von Matthias Widter erzählt anhand von Grabsteinen die Geschichte bedeutsamer jüdischer Persönlichkeiten, die das Wien der Ringstraßenzeit prägten, sowie den Bemühungen, den historischen Friedhof zu bewahren und wieder zugänglich zu machen. Der Film greift auch die Enteignung und die schweren Verwüstungen während der NS-Zeit sowie den jahrzehntelangen Verfall des geschlossenen Areals in der Nachkriegszeit auf.

Danach gibt „Migration ins Ungewisse – Little Germany 1882“ (22.15 Uhr) am Beispiel des fiktiven Emigranten Georg Schmidt Einblicke in den Alltag von Migrantinnen und Migranten der deutschsprachigen Community im New York der 1880er Jahre. Die aufwendig inszenierte Spiel-Doku von Sigrun Laste, Arne Peisker und Ed Hydock (ORF-Bearbeitung: Tobias Gassner-Speckmoser) zeigt die Hoffnungen und Schicksale der Ausgewanderten, aber auch die bittere Realität einer Stadt, die aus allen Nähten platzt.

Abschließend erkundet Karl Hohenlohe „Das Wien des Friedensreich Hundertwasser“ (23.05 Uhr) das künstlerische Erbe des visionären Architekten und Künstlers jüdischer Herkunft, sowie dessen organische Formen und unkonventionelle Ideen, die das Wiener Stadtbild bis heute prägen. Hundertwassers Weltsicht und somit auch sein Schaffen in Wien wurden durch die NS-Zeit und die Bedrohung durch den Nationalsozialismus beeinflusst – ein prägender biografischer Hintergrund, den der Film ebenfalls aufgreift.

Am Sonntag, dem 8. November, folgt in ORF III das Dacapo des Porträts „Erlebt, erzählt – Paul Lendvai“ (11.05 Uhr) von Ernst Pohn den prägenden Stationen im Leben des Journalisten und Osteuropa-Experten, der als Sohn jüdischer Eltern die Verfolgung unter den Nationalsozialisten erlebte, später im kommunistischen Nachkriegsungarn inhaftiert wurde und im Zuge des Ungarnaufstands 1956 nach Wien fliehen konnte.

In der anschließenden, von Adrian Webersinke gestalteten neuen Ausgabe der Reihe „Österreich erzählt – Zeitzeuginnen und Zeitzeugen berichten“ (11.45 Uhr) kommen Überlebende zu Wort, die von der Verfolgung im Nationalsozialismus unmittelbar betroffen waren.

Die Dokumentation „Meine jüdische Familie“ (12.35 Uhr) von Fritz Aigner und Ulrike Berger thematisiert anhand der autobiografischen Geschichte der Autorin Claudia Zerkowitz-Beiser die Flucht, Deportation und Ermordung ihrer Angehörigen. Briefe, Dokumente und Fotografien aus dem Nachlass ihrer Großmutter Anny Zerkowitz verbinden das Schicksal der Familie mit der Grazer NS-Geschichte und reichen bis in die Gegenwart.

Am Abend steht Oliver Hirschbiegels auf wahren Begebenheiten beruhender Spielfilm „Elser – Er hätte die Welt verändert“ (22.30 Uhr) über den deutschen Handwerker und Widerstandskämpfer Georg Elser sowie dessen erfolgloses Attentat auf Adolf Hitler im Jahr 1939, mit Christian Friedel in der Titelrolle auf dem ORF-III-Programm.

Noch mehr Dokus, Reportagen, Magazine und Spielfilme in ORF 2

In ORF 2 präsentiert der ORF-Schwerpunkt anlässlich des Jahrestags der Novemberpogrome von 1938 zunächst am Freitag, dem 6. November, die neue „Universum History“-Dokumentation „Hitlers willige Helfer – Österreicher im Nationalsozialismus“ (22.35 Uhr). Der Film beleuchtet, welchen Einfluss Österreich auf die Entstehung der nationalsozialistischen Ideologie hatte und infolgedessen seinen Anteil an der Shoa und anderen NS-Verbrechen. Der Bogen spannt sich von Hitlers antisemitischer Prägung in Wien über die illegalen NSDAP-Aktivitäten in den 1930er Jahren bis hin zum Jubel über den „Anschluss“. Die Doku der polnisch-österreichischen Regisseurin Barbara Necek zeigt auf, welchen besonderen Eifer große Teile der Bevölkerung bei antisemitischen Übergriffen an den Tag legten, und hebt jene Österreicher hervor, die als Teil der NS-Führung den Holocaust planten und durchführten.

Anschließend steht die hochkarätig besetzte, mehrfach ausgezeichnete und vom ORF im Rahmen des Film/Fernseh-Abkommens kofinanzierte Verfilmung von Stefan Zweigs „Schachnovelle“ (23.20 Uhr) auf dem Spielplan. Regisseur Philipp Stölzl – der gemeinsam mit Eldar Grigorian auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnet – setzte dieses bedeutende Werk österreichischer Literatur u. a. mit Oliver Masucci, Birgit Minichmayr, Albrecht Schuch, Rolf Lassgard und Andreas Lust eindrucksvoll in Szene.

Weiter geht es in ORF 2 am Sonntag, dem 8. November, in der „kulturMATINEE“ mit der Dokumentation „Klang der Erinnerung – Orchesterspuren von München bis Tel Aviv“ (10.00 Uhr). In der Zeit des „Dritten Reichs“ wurden zwei Orchester gegründet – das Nationalsozialistische Reichs-Symphonie-Orchester in München und das Palestine Symphony Orchestra in Tel Aviv. Das eine erfüllte ausschließlich Propagandaaufgaben des NS-Regimes, das andere bestand aus jüdischen Musikerinnen und Musikern, die vor dem Holocaust fliehen konnten. Der Film erzählt die Geschichte beider Klangkörper und geht gemeinsam mit Dirigent Joseph Bastian und Geiger Linus Roth auf eine enthüllende Spurensuche in München, Nürnberg und Tel Aviv.

Weiters ist am 8. November in ORF 2 das „kreuz & quer nah dran“-Porträt der „Hüterin der Erinnerung – Daliah Hindler“ (12.30 Uhr) zu sehen. Hindler gilt in Österreich als eine der zentralen Persönlichkeiten des aktiven Gedenkens an die Opfer des Holocaust. Sie bewahrt das Andenken an jene, die Wien im Holocaust verloren hat – mit Steinen, die sie in den Boden und „in die Herzen der Stadt“ legt. Für sie ist Erinnerung eine Form von Glauben: an Würde, an Heilung, an das Nie-Vergessen. Der Film begleitet Daliah Hindler bei der Eröffnung neuer Stationen der Erinnerung in der Wiener Innenstadt und erzählt von der Kraft, durch Gedenken Sinn und Trost zu finden.

Zum Abschluss in „kreuz und quer plus“: die animierte Erklärvideo-Serie „Iconic“ mit der Folge „Schlüsselmomente: Novemberpogrome – als die Verfolgung sichtbar wurde“. Diese blickt auf zwei historische Momente, die den Beginn der systematischen Verfolgung und Ermordung der europäischen Jüdinnen und Juden durch die Nationalsozialisten markieren.

Am Nachmittag spricht Regina Polak, Pastoraltheologin und Vorsitzende des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit, in einer Ausgabe „Was ich glaube: Über den christlich-jüdischen Dialog“ (16.55 Uhr): Vor 70 Jahren wurde in Österreich der Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit gegründet, um nach den Schrecken der Shoah ein neues Verhältnis zwischen Judentum und Christentum aufzubauen. Pollak erinnert daran, dass Christinnen und Christen die Verantwortung haben, die Erinnerung an die Shoa wachzuhalten und sich gegen Antisemitismus einzusetzen.

Am Abend feiert das zweifach Oscar-prämierte Holocaust-Drama „The Zone of Interest“ (23.05 Uhr) seine ORF-Premiere: Nach dem gleichnamigen Roman von Martin Amis eindringlich von Jonathan Glazer inszeniert, zeigt der Film den erschreckend banalen Familienalltag des KZ-Kommandanten Rudolf Höß (Christian Friedel), dessen luxuriöse Idylle mit Haus und Bilderbuchgarten direkt an die Außenmauer des KZ Auschwitz grenzt, während die Schrecken des Holocausts nur als ständige Ton- und Rauchkulisse präsent sind. Von den grauenhaften Verbrechen nimmt Sandra Hüller alias Hedwig Höß nichts wahr, welche Rolle ihr Mann dabei spielt, interessiert sie nicht. Ihr ist es wichtiger, ihre idyllische Welt zu erhalten.

Am 9. November widmet sich der „kulturMONTAG“ (22.30 Uhr) Volker Schlöndorffs Verfilmung von Jenny Erpenbecks Jahrhundertroman „Heimsuchung“ über die Schicksale und Traumata unterschiedlicher Menschen, deren Lebensentwürfe immer wieder brutal an den historischen Umbrüchen scheitern. Die Geschichte – u. a. jene einer jüdischen Tuchfabrikantenfamilie, die in der NS-Zeit fliehen muss und später dennoch deportiert wird – wird anhand eines einzigen Schauplatzes, eines Grundstücks mit Sommerhaus an einem märkischen See, erzählt.

Zum Abschluss des ORF-Schwerpunkts anlässlich der Novemberpogrome stehen zwei weitere Spielfilme auf dem Programm von ORF 2:

Im Dacapo des ORF/ARD-Dramas „Die Kinder der Villa Emma“ (10. November, 0.10 Uhr) führt Nina Proll gemeinsam mit August Zirner und Ludwig Trepte Kinder und Jugendliche im Jahr 1941 auf der gefährlichen Flucht vor dem Naziterror nach Palästina. Drehbuchautorin Agnes Pluch und Regisseur Nikolaus Leytner erzählen in dem auf einer wahren Begebenheit beruhenden historischen Fernsehfilm von der Entwurzelung junger Menschen sowie vom Verlassen und Finden von Heimat. In weiteren Rollen spielen u. a. Sophie Stockinger, Laurence Rupp, Muriel Wimmer, Juri Zanger, Justus Schlingensiepen, Maximilian Paier, Enzo Gaier und Mila Voigt.

Abschließend steht in der TV-Premiere des vom ORF kofinanzierten Kinodramas „Stella. Ein Leben“ (Sonntag, 15. November, 23.05 Uhr) von Regisseur Kilian Riedhof die Lebensgeschichte von Stella Goldschlag im Mittelpunkt. Um sich und ihre Familie vor der Deportation zu bewahren, wird die junge Jüdin zur „Greiferin“ und denunziert Hunderte jüdische Mitbürger:innen. In dem Film nach einem Drehbuch von Marc Blöbaum, Jan Braren und Kilian Riedhof sind u. a. Paula Beer, Jannis Niewöhner, Joel Basman, Damian Hardung, Lukas Miko und Katja Riemann zu sehen.

Berichterstattung im ORF.at-Netzwerk, auf ORF ON und im ORF TELETEXT

Das ORF.at-Netzwerk und der ORF TELETEXT erinnern im Rahmen ihrer aktuellen Berichterstattung ebenfalls an die Novemberpogrome und berichten über Gedenkveranstaltungen. Auf ORF ON werden Streams der Sendungen des TV-Schwerpunkts in einer Videokollektion bereitgestellt. Historische Aufnahmen sowie Dokumentationen und persönliche Erinnerungen stehen darüber hinaus in den ORF-ON-Videoarchiven „Österreichs Zeitzeuginnen und Zeitzeugen“ sowie „Das Schicksalsjahr 1938“ zur Verfügung.

„Ö1 Hörspiel“-Oratorium

Im Gedenken an die Opfer der Novemberpogrome sendet Ö1 am 7. November ein „Ö1 Hörspiel“-Oratorium (14.00 Uhr) über die Namen der in Auschwitz Ermordeten, über Erinnerung und das Weiterleben der Stimmen. Menschen aus ganz Europa lesen Namen aus den Sterbebüchern von Auschwitz, verwoben mit Gedichten des Auschwitz-Überlebenden Tadeusz Borowski und Geräuschaufnahmen aus den ehemaligen Häftlingsbaracken.

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